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Musiktheater
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Comedian Harmonists in Concert

Konzert

Aufführungsdauer: ca. 1 h 30' (keine Pause)

Wiederaufnahme im Großen Haus im MiR am 1. Oktober 2017

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Musiktheater im Revier
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Kometenhafter Aufstieg und tragischer Fall

Von Thomas Molke / Foto: © Pedro Malinowski

Vor fünf Jahren sorgte Sandra Wissmanns Inszenierung von Franz Wittenbrinks musikalischem Schauspiel über das erfolgreichste deutsche Vokal-Ensemble, die Comedian Harmonists, im Kleinen Haus nicht nur für stehende Ovationen (siehe auch unsere Rezension), sondern auch für ständig ausverkaufte Vorstellungen, so dass die Produktion in den folgenden beiden Spielzeiten wieder aufgenommen wurde. Im Rahmen der Premiere Die Passagierin von Mieczysław Weinberg fand sich das erfolgreiche Ensemble erneut zusammen, um im Begleitprogramm über die "Opfer des Nationalsozialismus" auch die Comedian Harmonists zu Wort kommen zu lassen. Dieses Mal gab es jedoch nicht Wittenbrinks Stück, sondern ein Konzert, in dem zahlreiche Höhepunkte der kurzen Karriere dieser legendären Gruppe präsentiert wurden, die mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten ein jähes Ende finden sollte, da das Sextett zur Hälfte aus jüdischen Mitgliedern bestand. Aufgrund des großen Erfolgs in der letzten Spielzeit, wird dieses Konzert nun in der neuen Spielzeit wieder aufgenommen. Dirk Weiler führt als Moderator durch den Abend und liefert zahlreiche Informationen zum Werdegang der Gruppe von ihrer Gründung 1928, zunächst unter dem Namen "Melody Makers", bis hin zu ihrem letzten Auftritt in Deutschland am 1. Mai 1934, als für alle anderen jüdischen Künstler bereits ein Auftrittsverbot galt.

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Die Comedian Harmonists vor dem geschlossenen Vorhang

Gespielt wird auf dem hochgefahrenen Orchestergraben, um dem Abend auch im Großen Haus eine intime Atmosphäre zu geben. Eine Show-Treppe im Hintergrund, die zu einem auf einer Bühnenwand aufgemalten roten Vorhang führt, deutet einen Konzertsaal an, in dem die Comedian Harmonists mal in feinem schwarzen Frack auftreten, wie man sie von zahlreichen alten Fotos kennt, oder für die "Schöne Isabella aus Kastilien" in Torero-Kostüme schlüpfen. Kati Farkas hat für die komischen Musiknummern eine genau abgestimmte Choreographie erarbeitet, die vom Ensemble auf den Punkt genau umgesetzt wird, sei es nun "Mein kleiner grüner Kaktus", der mit zwei Zeigefingern die Kollegen "sticht, sticht, sticht", oder die "Schöne Isabella aus Kastilien", die mit stolzen Bewegungen aufgefordert wird, "ihre ganzen Utensilien" zu packen und endlich mit "zurück nach Spanien" zu kommen. Einen Höhepunkt stellt in diesem Zusammenhang die "Puppenhochzeit" dar, in der das Ensemble in leicht abgehackten Bewegungen wie die hölzernen Puppen zu agieren scheint, von denen bei der Hochzeit die Rede ist. Auch der "wachsende Spargel" in "Veronika, der Lenz ist da" wird eindeutig interpretiert, indem die Sänger zu diesem Zeitpunkt stets den Zylinder leicht verschämt vor ihr Gemächt halten.

Den Anfang macht der A-cappella-Song "Dinah" ohne Askan Geisler, der als Pianist in die Rolle des Erwin Bootz schlüpft. Dieses Lied stammt ursprünglich von den Revelers, einem US-amerikanischen Vokal-Quartett, das mit seiner Musik Harry Frommermann so begeisterte, dass er im Dezember 1927 eine Annonce in der Zeitung aufgab, um mit jungen Berufssängern ein deutsches Pendant zu gründen. Ursprünglich wollte Frommermann dabei nur als Arrangeur fungieren, übernahm dann aber den Part des Buffo-Tenors, der zahlreiche komische Akzente in den Liedern setzte. Bereits bei diesem ersten Auftritt zeigen Mark Weigel als Ari, Markus Schneider als Erich, Michael Dahmen als Harry, Piotr Prochera als Roman und Ralf Rhiel als Robert, wie verbunden sie noch immer mit diesen Figuren sind. Der zweite musikalische Block erzählt dann von den Anfängen des Ensembles, die noch nicht direkt von Erfolg gekrönt waren. Aber direkt der zweite Song "Einmal schafft's jeder" macht Mut und zeigt, wie sich die Comedian Harmonists mit Disziplin und harter Arbeit an die Spitze der Branche gekämpft haben. Der "Blumentopf", der zum Abschluss des zweiten Blockes mit großem Spielwitz präsentiert wird, leitet dann auch direkt zum ersten öffentlichen Auftritt bei Erik Charell über, der dem Ensemble den Namen "Comedian Harmonists" vorschlug. Aus dem Schnürboden wird dieser Name in großen Leuchtbuchstaben herabgelassen und steht in strahlendem Glanz für den kometenhaften Aufstieg in den folgenden Jahren.

In einer bunten Mischung wechseln sich nun komische und melancholische Lieder ab und zeigen die ganze Bandbreite des Ensembles. Askan Geisler begeistert als Erwin Bootz am Klavier mit virtuosen Fähigkeiten und witzigen Einwürfen bei der "Puppenhochzeit". Ralf Rhiel überzeugt als Robert Biberti mit kernigem Bass. Michael Dahmen scheint als Harry Frommermann auch beim Konzert die Choreographie zu übernehmen und setzt als Buffo in den Musiknummern zahlreiche komödiantische Akzente. Piotr Prochera stattet den Roman Cycoswski mit kräftigem Bariton aus und begeistert vor allem bei "Mein kleiner grüner Kaktus" durch Spielwitz. Mark Weigel stattet den 1. Tenor Ari Leschnikoff mit warmer Höhe aus. Gleiches gilt für Markus Schneider als 2. Tenor Erich Collin. Die CD, die das Musiktheater im Revier anlässlich der Premiere 2012 mit insgesamt neun Musiknummern herausgebracht hat, ist immer noch erhältlich und aufgrund der hochkarätigen Besetzung empfehlenswert. Dirk Weiler findet bei seiner Moderation stets den passenden Tonfall und steuert auch amüsante Anekdoten bei. So erzählt er beispielsweise von dem Auftritt der Comedian Harmonists in Dänemark und ihrem Entsetzen, dass keine Plakate aufgehängt worden seien. Der Veranstalter habe das aufgebrachte Ensemble aber beruhigen können, da er der Meinung gewesen sei, Plakate hätten nichts gebracht, da alle Veranstaltungen sowieso schon restlos ausverkauft gewesen seien. Sehr ernst wird Weilers Tonfall, wenn er vom Auftrittsverbot der Gruppe nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten erzählt. Den Namen Richard Strauss, der als Verantwortlicher der Reichsmusikkammer fällt, lässt er unkommentiert und reicht dem Ensemble für den letzten musikalischen Block die Fracks zum Abschied wie Mäntel.

So findet der Abend am Ende sehr leise, melancholische Töne. "Irgendwo auf der Welt" lässt dann noch einmal einen kleinen Funken Hoffnung aufkommen, auch wenn man weiß, dass es für die Comedian Harmonists keine Wiedervereinigung geben sollte. Zum Abschluss des offiziellen Programms präsentieren die Solisten dann eine Nummer, die, wie Michael Dahmen erklärt, von den Comedian Harmonists zwar am Ende eines jeden Konzertes gesungen, aber nie auf Schallplatte aufgenommen worden sei: "Auf Wiedersehen". Schon allein deshalb lohnt sich für jeden Fan der Comedian Harmonists neben dem Besuch der Aufführung auch der Erwerb der CD, da dieser Titel auch darauf enthalten ist. Natürlich lässt das begeisterte Publikum die Solisten nach diesem Konzert nicht ohne Zugaben gehen. So gibt es zunächst einmal die lustige Nummer "Onkel Bumba aus Kalumba", der "nur noch Rumba" tanzt. Hier sorgt Weiler mit lateinamerikanischen Rasseln für Lacher. Nach weiterem lang anhaltenden Jubel werden "Mein kleiner grüner Kaktus" und als Rausschmeißer "Gib mir den letzten Abschiedskuss" wiederholt.

FAZIT

Ob als Stück von Franz Wittenbrink oder als Konzert: Die Comedian Harmonists bleiben ein Publikumsmagnet, wenn sie von einem so ambitionierten Ensemble wie in Gelsenkirchen interpretiert werden.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Askan Geisler

Szenische Einrichtung und
Abendspielleitung
Carsten Kirchmeier

Choreographie
Kati Farkas

Kostüme
Andreas Meyer

Licht
Patrick Fuchs

 

 

Solisten

Ari Leschnikoff
Mark Weigel

Erich Collin
Markus Schneider

Harry Frommermann
Michael Dahmen

Roman Cycowski
Piotr Prochera

Robert Biberti
Ralf Rhiel

Erwin Bootz
Askan Geisler

Moderation
Dirk Weiler


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