Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musiktheater
Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum



Die Dreigroschenoper

Ein Stück mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern von Bertolt Brecht
nach John Gays The Beggar's Opera
Text von Bertolt Brecht
Musik von Kurt Weill


in deutscher Sprache (keine Übertitel)

Aufführungsdauer: ca. 2h 40' (eine Pause)

Koproduktion mit dem Kurt-Weill-Fest 2018
Premiere im Anhaltinischen Theater Dessau am 2. März 2018


Theater-Logo

Anhaltisches Theater Dessau
(Homepage)

Man sieht nur die im Lichte ...

Von Roberto Becker / Fotos von Claudia Heysel

Wenn das Kurt-Weill-Fest ansteht, macht Dessau natürlich wie jedes Jahr mit den Namen der Gaststars Reklame. Vom Startrompeter Till Brönner, Jan Josef Liefers und seinem Radio Doria, über Dagmar Manzel mit Liedern von Abraham über Hollaender bis Weill, bis hin zum Counterpionier Jochen Kowalski oder Musicalstar Ute Lemper, die ihren Auftritt natürlich mit der Moritat von Mackie Messer beginnt. Es wird manches aufgeboten, was auch nur entfernt mit Kurt Weill zu tun hat. Und da es wegen seiner jüdischen Herkunft unfreiwilligerweise einen deutschen, französischen und amerikanischen Weill gibt, ist da noch immer allerhand zu entdecken. Allein die Biographie des 1900 in Dessau geborenen, 1933 nach Frankreich, 1938 in die USA emigrierten und 1950 in New York gestorbenen Komponisten bringt nun mal die erste Jahrhunderthälfte mit ihren Verwerfungen auf den Punkt.


Fotos gibt's später Matthias Mosbach als Macheath im Gefängnis

In diesem Jahr ist der Clou die Dreigroschenoper. Also der Wurf, mit dem das Duo Brecht/Weill zur Weltbedeutung aufgestiegen ist. Dieses Schlüsselwerk, das keinerlei Wiederentdeckungs-Anstrengung bedarf, auch wenn es in Dessau zwanzig Jahre nicht auf dem Spielplan stand. In dem Fall hat jeder einzelne Song ein eigenes vitales Nachleben und ist fest im kollektiven Gedächtnis verankert. Das liegt an Brechts genialer Fähigkeit, gesellschaftliche Zusammenhänge auf einen dialektischen Theaterpunkt zu bringen. Mit keinem anderen Stück hat Brecht so viele geflügelte Worte losflattern lassen. "Man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht". Oder "wo du hin gehst, da will auch ich hin gehen". Und alle haben wir schon "den Mond über Soho" gesehen und auch festgestellt, dass der eine wie der andere Plan nicht gehen will. Und wenn dann Mackies rhetorische Frage "Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?" gestellt wird, und alles im Publikum beim Gedanken an die großen Bankenkrisen und den vergleichsweise kleinen Ärger über die Differenz von Soll- und Habenzinsen wissend vor sich kichert, dann kann man nur hoffen, dass das Publikum (wie sein Erfinder) um den dialektischen Witz dieses populistischen Bonmots weiß.

Fotos gibt's später

Soho als Bildcollage - Toffoluttis Bühne mit dem aufmarschierten Personal

Musikalisch ist so was natürlich Chefsache - also leitet GMD Markus L. Frank im Graben die aus der Anhaltischen Philharmonie ausgeklinkte Dreigroschenband. Für die szenische Verpackung ist man (vielleicht auch, weil man nicht wieder die Proteste riskieren wollte, die das Hallenser Mahagonny-Gastspiel im letzten Jahr provozierte) auf Nummer sicher gegangen und hat dem Gesamtkunstwerker Ezio Toffolutti Inszenierung, Bühne, Kostüme und Licht übertragen. Der Venezianer hat seine Karriere 1971 an der Ostberliner Volksbühne begonnen und führt seit 1983 auch im Musiktheater Regie. Für seine Dreigroschenbühne hat er sich gegen die Tiefe des Raums entschieden, und einen eher schmalen Bühnenkasten gebaut, der den Titel des Abends wie eine Collage aneinanderreiht.


Fotos gibt's später Auch bei Gangsters heiratet man nicht jeden Tag

Dazu einen bunten victorianischen Kostümlook für die Huren, Bettler und Polizisten und einen Mackie Messer, der an Chaplin erinnert. Dazu gibt's dann noch einen Käfig für Mackie und eine Art Brechtgardine, die immer mal gemächlich hochfährt. Leider gelingt es der Regie nicht, mit Tempo und einer schrägen Verdichtung der Dialoge zwischen den Songs, auch eine inhaltliche Tiefe zu imaginieren. Sie singen ordentlich, aber bleiben dabei eher brav. Mehr im Nummernrevue- als im Moritatenmodus. Auch wenn GMD Frank die Songs von Graben aus ansagt, ist das mitunter frischer als sie dann zelebriert werden. Matthias Mosbach ist ein geschmeidiger, aber doch eher schmalbrüstiger Mackie.

Fotos gibt's später

Seinen Donnerstagstermin bei den Huren gibt er nicht auf ...

Dirk S. Greis und Christie Ortmann sind ein respektables Ehepaar Peachum. Mirjana Milosavlejevic erinnert mitunter mehr an eine Mary Poppins, als an eine Gangsterbraut Polly. Was man mit stilisierter Verfremdung für eine Figur erreichen kann, führt Marie Thérèse Albrecht mit ihrer Lucy vor. Sie treibt ihr Spiel in Richtung eines Theaters, wie es Robert Wilson schon aus diesem Stück gemacht hat oder man es von Herbert Fritsch gerne sehen würde. Am Ende staunt man, dass selbst eine Dreigroschenoper über weiter Strecken schlichtweg langweilig sein kann.


FAZIT

Zum 26. Dessauer Kurt Weill Fest gibt es endlich wieder eine Dreigroschenoper - aber sie ist so schaumgebremst, dass sie enttäuscht.




Ihre Meinung ?
Schreiben Sie uns einen Leserbrief

Produktionsteam

Musikalische Leitung
Markus L. Frank

Inszenierung, Ausstattung,
Lichtdesign
Ezio Toffolutti

Choreographie
Joe Monaghan Anna-Maria Tasarz

Dramaturgie
Almut Fischer



Musiker der
Anhaltische Philharmonie


Solisten

Jonathan Jeremiah Peachum
Dirk S. Greis

Frau Peachum
Christel Ortmann

Polly Peachum
Mirjana Milosavlejvic

Macheath
Matthias Mosbach

Brown, Polizeichef von London
Sven Brormann

Lucy, seine Tochter
Maria Thérèse Albrecht

Trauerweidenwalter
Stefhan Korves

Hakenfingerjakob
Oliver Seidel

Münzmatthias
Andreas Hammer

Sägerobert
Sebastian Stert

Filch, einer von Peachums Bettlern
Oliver Seidel

Spelunkenjenny, Hure
Illi Oehlmann

Smith, erster Konstabler
Andreas Hammer

Hochwürden Kimball/ 1. Bettler
Boris Malré

Dolly
Kerstin Schweers

Suky Tawdry
Maria Thérèse Albrecht

Vixer
Sebastian Streit

Molly
Lisa Brosig


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Anhaltischen Theater Dessau
(Homepage)




Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum

© 2018 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de

- Fine -