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Bremer Freiheit
Bürgerliches Trauerspiel von Rainer Werner Fassbinder
Musikberatung und Klanggestaltung von Sven Treeß

Herzog Blaubarts Burg
Oper in einem Akt
Text von Béla Balázs
Musik von Béla Bartók
deutsche Fassung von Wilhelm Ziegler


Aufführungsdauer: ca. 2h 35' (eine Pause)

Premiere im Opernhaus Halle am 6. Mai 2017


Opernhaus Halle

Mord ist ihr Hobby

Von Roberto Becker / Fotos: © Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Detlef Kurth

Das kommt davon, wenn man sich für klüger hält, als Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal. Die haben nämlich 1912 schon versucht, ein Schauspiel mit einer Oper zu kombinieren. Den Bürger als Edelmann mit Ariadne auf Naxos. Und da waren Genies am Werke, die sich ihr Experiment selbst gedichtet und komponiert und obendrein mit Max Reinhardt einen Jahrhundertregisseur zur Seite hatten. Das Publikum wollte aber Oper oder Schauspiel sehen und nicht von jedem etwas. Nach der jüngsten Premiere weiß man, dass die meisten Zuschauer den Mix auch über hundert Jahre später immer noch nicht wirklich wollen. Zumindest aber nicht glücklich damit sind.


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Wobei die Schauspielregisseurin Thirza Bruncken ihre eigene strenge Stilistik hat und mit dem musikalischen Rhythmus in der Sprache umzugehen weiß. Aber Schauspiel und Oper sind zwei Paar Schuhe. Und die für die Oper sind der Regisseurin - zumindest bei ihrer ersten Begegnung mit dem benachbarten, komplexeren, eigentlich moderneren Genre deutlich zu groß.
Weil Bela Bartóks dunkler Psychodiamant wegen seiner Kürze nicht allein einen Abend ausleuchtet, hat die Oper in Halle jetzt Fassbinders Bremer Freiheit (1972) mit Herzog Blaubarts Burg (1918) zusammengespannt. Das Frauenmörderstück, in dem die Frau, Gesche Gottfried, zur 15fachen Mörderin wird. Sie wurde 1831 in Bremen öffentlich hingerichtet. Kontrastiert mit der Begegnung von Judith mit dem Mann, der ihre drei Vorgängerinnen umgebracht und hinter einer verschlossenen Tür entsorgt hat. Zumindest, wenn man die Handlung nimmt, wie sie dasteht und in der Inszenierung nicht gleich auf eine Art von Paartherapie umschaltet.

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Das Einheitsbühnenbild und die Kostüme von Christoph Ernst postulieren den Zusammenhang beider Teile. Er hat eine rosafarbene Barbie-Burg auf die Drehbühne gesetzt. Die auf der Rückseite eine Einfamilienhaus-Fassade hat und Räume einer kleinbürgerlichen Behausung. Was natürlich Assoziationen zu den bekannten Entführungsfällen der jüngeren Vergangenheit auslöst. In diesem Ambiente sind Felicitas Breest und Mirco Reseg mittelalterlich wie ein Burgfräulein und ein Ritter kostümiert, die Sopranistin Anke Berndt und der Bariton Gerd Vogel zugeknöpft bürgerlich und Susanne Bredehöft und Thorsten Heidel im Freizeitlook von heute. Alle sind komplett hier wie da im Einsatz. Als Textverwerter, die bewusst ohne eine Rollenzuschreibung agierten im Schauspiel. Als Doubles, Zwischenrufer und gelegentliche auch Sängerin im zweiten Teil.


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Warum die Schauspieler mit Botoxlippen gezeichnet sind oder die Judith von Anke Berndt ihre Haare nicht zeigen darf, ihr Double aber eine Perückenhaartracht zum goldenen Gewand ziert, gehört zu den Geheimnissen des Abends. Von denen einige die Räume dieser Spielzeugburg in Bonbonrosa vor den unsäglichen Plastikplanen auf der Drehbühne nicht verlassen. Dafür gibt es Slapstick, mal ein Tänzchen, was man halt so macht, wenn der Mord zum Kaffee das angesagte Hobby ist. Der Höhe- (bzw.) Tiefpunkt ist eine lautstarke Stolpernummer im Stile des Butlers im berühmten Dinner for one genau da, wo sich vor Judiths Augen (bzw. in der Musik) der Tränensee auftut. Hier weiß die Regisseurin am offensichtlichsten mit der Musik nichts Rechtes anzufangen. Schade.

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So wie sich die Darsteller, die beiden Sänger und Josep Caballé-Domenech und die fabelhafte Staatskapelle im Graben ihren Beifall am Ende redlich verdient hatten, war es auch mit den Buhs besonders für den Ausstatter und seine Regisseurin. Man kann nur hoffen, dass die Auseinandersetzung um die einzelne (eben auch mal misslingende) Inszenierung nicht zur Munition in der Kampagne wird, die die Lokalpresse in Halle gerade gegen die neue Opernleitung um Florian Lutz angezettelt hat und nach Kräften anheizt. Bei der Bilanz der ersten Spielzeit stehen dem nämlich auch gelungene Projekte gegenüber.


FAZIT

An der Oper in Halle wird jetzt ein Stück von Fassbinder und Bartók kombiniert. Der inhaltliche Bezug ist das dabei das eine, die gelingende Verschränkung aber deutlich schwieriger. Überzeugend gelungen ist das Experiment nicht.




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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Josep Caballé-Domenech

Inszenierung
Thirza Bruncken

Ausstattung
Christoph Ernst

Dramaturgie
Ilka Seifert


Staatskapelle Halle


Solisten

Judith (Sängerin)
Anke Berndt

Blaubart (Sänger)
Gerd Vogel

Schauspieler
Felicitas Breest
Susanne Bredehöft
Thorsten Heidel
Mirco Reseg


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Opernhaus Halle
(Homepage)






Da capo al Fine

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