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Musiktheater
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Wiesenland

Ein Stück von Pina Bausch
In Koproduktion mit dem Goethe Institut Budapest und Théâtre de la Ville Paris
Musik von Vera Bila, Romano Drom, Ghymes, Taraf de Haidouks, Fanfare Ciocärlia, Peace Orchestra, Elektrotwist, Bohren & the Club of Gore, Bugge Wesseltoft, Sidsel Endresen, Hermenia, Caetano Veloso, Jose Afonso, Rene Lacaille, Lili Boniche, Rex Stewart, Mel Torme und Götz Alsmann

Aufführungsdauer: ca. 2h 40' (eine Pause)

Wiederaufnahme im Opernhaus Wuppertal am 7. November 2013
(Uraufführung: 5. Mai 2000 im Schauspielhaus Wuppertal)


Logo: Tanztheater Pina Bausch

Tanztheater Wuppertal
(Homepage)
Heiter bis lustig

Von Stefan Schmöe

Entstanden ist Wiesenland im Jahr 2000 in Budapest, und das erklärt wohl auch den etwas bemüht klingenden Titel Wiesenland - die ungarische Übersetzung Zöld Föld ist da ungleich klangvoller. Der Ansatz, ein neues Stück an fremden Ort mit den entsprechend ungewohnten Eindrücken zu konzipieren, hatte für Pina Bausch bereits seit Viktor 1986 Tradition; 2000 dürfte sie in Ungarn eine im Vergleich zu heute relativ weltoffene und liberale Gesellschaft im Aufbruch vorgefunden haben. Ungarische Roma als Inspirationsquelle, das ist in der aktuell aggressiv nationalistischen Stimmung kaum denkbar. Man muss allerdings sehr genau hinschauen, um überhaupt ungarische Quellen in diesem Stück zu entdecken (am ehesten verweist die Musikauswahl darauf). In zweiten Teil gibt es eine kurze Szene, in der eine Dorfkulisse aus Sperrholzbrettern aufgebaut wird, und sogar ein paar Hühner dürfen kurz auf die Bühne – das weckt Assoziationen an ein Dorf irgendwo in Südosteuropa, bleibt aber recht klischeebeladen, ebenso wie eine fröhliche Party am langen Tisch – die aber im Kontext ohnehin rätselhaften Bräuchen aus der französischen Provinz zugeordnet wird, von denen Helena Pikon zuvor erzählt. Bleibt vom Wiesenland eine riesige mit Gräsern und Moosen bewachsene Platte (Bühne: Peter Pabst), die im ersten Teil eindrucksvoll senkrecht an der Bühnenrückwand steht, im zweiten dann weniger eindrucksvoll in die Waagrechte geklappt, aber kaum in das Stück einbezogen wird.

Szenenfoto Ensemble vor Wiese (Foto © Zerrin Aydin-Herwegh)

Insgesamt wirkt Wiesenland ein wenig pauschal, zusammengesetzt aus vielen typischen Bausch-Versatzstücken. Dabei ist vor allem der Anfang zäh. Vieles meint man in anderen Stücken ähnlich, aber besser gesehen zu haben. Es sind dann zuerst die „schönen Bilder“, die fesseln: Ein sehr ästhetisches Ensemble der Frauen, die ihre Kleider wie Schmetterlingsflügel anheben und, subtil ausgeleuchtet, vor dem wiesengrünen Hintergrund puppenhaft wie in Pendelbewegung verfallen. Wirklich mitreißend wird das Stück dann mit einem grandiosen Solo von Julie Shanahan, in dem zum ersten Mal etwas von der Unbedingtheit zu spüren ist, die für die besten Bausch-Stücke doch prägend ist. Es gibt im zweiten Teil noch viele weitere ausgedehnte Soli, fast immer faszinierend anzusehen (herausragend vielleicht Ruth Amarante und Rainer Behr), aber nicht mehr ganz von dieser Intensität im Ausdruck, den Julie Shanahan erreicht.

Von der Angst und Trauer früherer Pina-Bausch-Tanzabende ist hier nicht viel zu spüren. Vielmehr wirkt Wiesenland verspielt, im zweiten Teil oft witzig (aber selten abgründig), ohne die ganz großen Überraschungsmomente. Es gibt (neben manchen schwächeren) sehr schöne Szenen, etwa wenn eine Tänzerin auf einen Stuhl steigt und samt diesem von den Herren auf Überkopfhöhe gehoben wird, somit zu einer höchst fragilen Skulptur wird. Ziemlich oft begießt man sich gegenseitig mit Wasser (was 2006 in Vollmond dann ungleich virtuoser zum bestimmenden Motiv wird), wobei die PET-Flasche Einzug ins Tanztheater hält – angesichts der ansonsten bei Pinas Bausch üblichen Eleganz eigentlich ein Unding. Helena Pikon erzählt dem Publikum vom Verliebtsein (ohne dass das ein nennenswertes Echo im weiteren Verlauf finden würde). Aida Vainieri gibt sich demonstrativ prollig, Regina Advento hinreißend elegant. Auf- und Abtritte sind gerade in den Ensembles mit bewundernswerter Souveränität choreographiert. Die reprisenartige Wiederholung einzelner Szenen gibt dem Abend Struktur. Und doch bleibt Wiesenland zu sehr an der Oberfläche, ist gefällig, ohne allzu großen Nachhall zu hinterlassen.


FAZIT

Immer noch mit ein paar magischen Momenten, aber im Pina-Bausch-Kanon sicher ein eher schwaches Stück



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Produktionsteam

Inszenierung und Choreographie
Pina Bausch

Bühne und Kostüme
Peter Pabst

Kostüme
Marion Cito

Probenleitung und Mitarbeit
Marion Cito
Irene Martinez-Rios
Jan Minarik
Robert Sturm

Probenleitung Wiederaufnahme
Dominique Mercy
Robert Sturm

Musikalische Mitarbeit
Matthias Burkert
Andreas Eisenschneider


Solisten

Tänzerinnen und Tänzer
Regina Advento
Ruth Amarante
Pablo Aran Gimeno
Rainer Behr
Andrey Berezin
Aleš Èuèek
Scott Jennings
Barbara Kaufmann
Na Young Kim
Daphnis Kokkinos
Eddie Martinez
Helena Pikon
Jorge Puerta Armenta
Julie Shanahan
Julie Anne Stanzak
Michael Strecker
Fernando Suels Mendoza
Aida Vainieri
Paul White




Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Tanztheater Wuppertal
(Homepage)




Da capo al Fine

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