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Musiktheater
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La Bohème

Szenen nach La Vie de Bohème von Henri Murger in vier Bildern
Text von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica
Musik von Giacomo Puccini


In italienischer Sprache mit deutschen Seitentiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 15' (eine Pause)

Premiere im Theater am Domhof am 28. September 2013

 

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Theater Osnabrück
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Wenn Tod und Armut auf dem Speisezettel stehen          

Von Ursula Decker-Bönniger / Fotos von Jörg Landsberg

Heinrich Mann faszinierte an Puccinis Musik das leidenschaftliche Lebensgefühl von „Schmelz, Aufschwung, Todesverlangen“. Er verknüpfte mit der süchtig machenden Emotionalität dieser Musik – insbesondere nach 1945 – nicht Kitsch oder  triefenden Schmalz sondern ein positives Lebensgefühl. Es sei eine Musik „die dem Menschen im Zeitalter zunehmender Katastrophen für Augenblicke den Zustand von Nicht-Entfremdung bietet“. Wie sehr die 1896 im Teatro Regio Turin unter Arturo Toscanini uraufgeführte Oper La Bohème – sie ist laut Schreiber die meistgespielte Oper des internationalen Repertoires - mit all ihrer Leidenschaft und Emotionalität in unsere Zeit passt, zeigen Regisseur Floris Visser, Bühnen- und Kostümbildnerin Dieuweke van Reij  und der Lichtdesigner Alex Brok in ihrer Inszenierung - der ersten der Opernpremieren dieser Saison des Theater Osnabrück.

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Rodolfo zu Beginn des ersten Bildes

Dieuweke van Reij stellt den naturalistischen Illustrationen und melodramatischen Szenen der Musik ein nüchternes Bühnenbild gegenüber. Ein leerer, in schillernden Grau-Weißtönen gehaltener Raum, erstreckt sich mit ansteigendem Boden über die gesamte Tiefe der Bühne und endet im schwarzen Nichts. Auch die Kostüme sind in schlichten Grau- oder Schwarz-Weißtönen gehalten. Der Tod steht auf der Speisekarte im Café Momus und begleitet als stumme, wartende  Begleitfigur die Protagonistin in ihren Begegnungen. Aufrecht, Hand in Hand werden beide zur ausklingenden Musik die Bühne verlassen. Hier scheinen alle - ob Hausbesitzer, Staatsrat oder Künstler  - am Rande der Gesellschaft zu leben. Nichts lenkt ab von den großen Themen der Oper Liebe und Tod und dem sehr unterschiedlich und lebendig charakterisierten Beziehungsgefüge der Protagonisten.

Die Requisiten sind auf das Notwendigste reduziert, um die Künstlerberufe zu verdeutlichen. Mal verwandeln die an der rechten Wand aufgetürmten Stühle und Tische die Bühne in das Mansardenzimmer, mal in das Café Momus. Für das Feuer im ersten Bild wird eine runde Bodenklappe geöffnet, eine helles Scheinwerferlicht einlassende Tür in der linken Wand zeigt das Stadttor am Rande von Paris an. Offene und geschlossene Szenen werden wie in der Musik nahtlos ineinandergeblendet. Ein Beispiel dafür ist das Ende der zweiten Szene: Während Musetta im Café in die Arme ihres Geliebten Marcello sinkt und mit ihm tanzt, nähern sich aus der dunklen Tiefe des Raumes die marschierenden Kinder und der Aufzug der Wachen. Visser versteht es, den Wechsel von aktionsreicher Konversation und ruhenden, ariosen Passagen nicht zu überdecken.  Während die Musik bspw. detailgetreu das Feuer illustriert, betrachten die Künstler - am Boden hockend bzw. liegend - die züngelnden Flammen, geben dem Zuhörer/Betrachter Raum, sich in die Instrumentations- und Ausdruckskunst Puccinis einzufühlen. Zudem vermeidet der Regisseur allzu kitschige Überladung. Der Schnee zu Beginn des dritten Bildes ist schon gefallen, er bedeckt als weißer Flaum den Bühnenboden.

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Am Stadtrand von Paris: Szene zu Beginn des dritten Bildes

Chor-, Extra- und Kinderchor, der Banda, den spielfreudigen Gesangssolisten, dem spannungsreich und detailliert in Tempo und Dynamik gestaltenden Osnabrücker Sinfonieorchester gelingt unter der einfühlsamen, den Schmelz der Musik auskostenden  Leitung von Andreas Hotz’ ein packender, anrührender Opernabend. Allen voran Lina Lius anrührende Charakterisierungskunst. Ihr vollmundiger, warm grundierter Sopran weiß mal schlank, mal in leichtem Vibrato zu schillern und zugleich mit leisen, silbrig zerbrechlichen Tönen die Krankheit und Todesnähe Mimìs zu verkörpern. Susann Vent stellt mit spritzigen, glockenreinen Koloraturen die ebenso verführerische, kapriziöse Musetta dar. Gastsänger JunHo You gibt einen allzu jugendlich kraftvollen, leicht metallisch gefärbten Dichter Rodolfo. Daniel Moon ist ein stimmlich flexibel charakterisierender Maler Marcello, Jan Friedrich Eggers ein geradezu buffonesk selbstverliebter Musiker Schaunard. Shadi Torbeys tiefgründiger Bass verkörpert den philosophierenden Colline.

FAZIT

Die Inszenierung überzeugt durch ausgesprochen stimmige, auf einander abgestimmte Interpretation, Spielfreude, gesangliche Präsenz und anrührende musikalische Gestaltung.



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Andreas Hotz

Inszenierung
Floris Visser

Bühne und Kostüme
Dieuweke van Reij

Lichtdesign
Alex Brok

Choreinstudierung
Markus Lafleur

Dramaturgie
Ulrike Schumann

 

Banda, Chor, Extra- und Kinderchor
des Theaters Osnabrück

Osnabrücker Symphonieorchester


Solisten

*rezensierte Aufführung

Mimì
Lina Liu

Musetta
Marie-Christine Haase /
*Susann Vent

Rodolfo
*JunHo You /
Andre Nevans

Marcello
Daniel Moon

Schaunard
Jan Friedrich Eggers

Colline
Shadi Torbey

Parpignol, Tod
Mark Hamman

Benoit, Alcindoro
Genadijus Bergorulko

Sergeant
Tadeusz Jedras

Zöllner
Marcin Tlałka

Kind
*
Richard Kullmann /
Gabriel Spaude







Weitere Informationen
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Theater Osnabrück
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