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Musiktheater
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La Battaglia di Legnano

Tragedia lirica in vier Akten
Text von Salvadore Cammarano nach dem Schauspiel La Bataille de Toulouse von Joseph Méry
Musik von Giuseppe Verdi

in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Dauer: ca. 2h 25'. ( Pause)

Premiere im Großen Haus am 20. Oktober 2013

 

Logo: Staatsoper Hamburg

Hamburgische Staatsoper
(Homepage)

Unbekannter Verdi mit statischem Chor

Von Thomas Molke / Fotos von Bernd Uhlig

Verdis 14. Oper La Battaglia di Legnano zählt heutzutage zu den am wenigsten bekannten Werken des Komponisten, obwohl Verdi sich in einem Brief an Cesare De Sanctis 1854 gewünscht hatte, dass gerade dieses Stück im Gedächtnis des Publikums bleiben sollte. Doch obwohl dieses Werk Verdis einzige wirkliche Risorgimento-Oper darstellt und damit in jeder Hinsicht das Zeug gehabt hätte, zur italienischen Nationaloper zu avancieren, ist sie selbst in Verdis Heimatland so gut wie nie szenisch zu erleben. Im Verdi-Jubiläumsjahr hat sich nun die Hamburger Opernintendantin Simone Young im Rahmen einer Trilogie unter dem Titel "Verdi im Visier" dieses vergessenen Werkes angenommen und präsentiert dieses Stück neben I due Foscari und I Lombardi alla prima Crociata als erste von drei Premieren, die an der Hamburgischen Staatsoper im Abstand von nur drei Wochen mit dem gleichen Regie-Team in Szene gesetzt werden. Auch wenn diese drei Opern, die alle aus dem ersten Drittel von Verdis Opernschaffen stammen, musikalisch kaum unterschiedlicher sein könnten, ist inhaltlich mit der Verlagerung der politischen Probleme aus Verdis Zeit in das Mittelalter bzw. die Renaissance eine Parallele zwischen diesen drei Stücken erkennbar, die sich szenisch in einem einheitlichen Bühnenraum manifestieren.

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Federico Barbarossa (Tigran Martirossian, rechts) unterdrückt mit eiserner Hand die lombardische Liga (vorne links: Rolando (Giorgio Caoduro)).

La Battaglia di Legnano spielt 1176, als die lombardische Liga in der legendären Schlacht bei Legnano dem deutschen Kaiser Friedrich Barbarossa eine vernichtende Niederlage zufügte und sich damit von der Fremdherrschaft befreite. Die Parallelen zwischen Barbarossa und dem Habsburger Franz Joseph I. waren für Verdis Zeitgenossen unverkennbar. Um diese historische Begebenheit entfaltet sich eine persönliche Tragödie, die Verdis Librettist aus dem 1836 in Paris uraufgeführten Schauspiel La Bataille de Toulouse von Joseph Méry übernommen hatte, wobei er lediglich die Rahmenhandlung und die Namen der Personen veränderte. Arrigo kehrt nach Jahren der Kriegsgefangenschaft in die Heimat zurück und muss erfahren, dass seine ehemalige Geliebte Lida mittlerweile mit seinem besten Freund Rolando verheiratet ist. Aus Verzweiflung darüber schließt er sich einer Gruppe von Partisanen an, die im Untergrund als sogenannte "Todesritter" gegen den deutschen Kaiser kämpfen. Als Lida Arrigo von diesem Selbstmord-Kommando abhalten will, missdeutet ihr Gatte Rolando das Zusammentreffen der beiden als Treuebruch und nimmt Rache, indem er Arrigo und Lida in einem Turmzimmer einschließt, damit Arrigo nicht am Kampf teilnehmen kann und auf diese Weise seine Soldatenehre verliert. Doch Arrigo befreit sich mit einem Sprung aus dem Fenster und leitet durch die Verwundung Barbarossas die Niederlage des deutschen Kaisers ein. Allerdings wird er im Kampf tödlich verletzt und hat vor seinem Tod nur noch die Kraft, Rolando von Lidas Unschuld zu überzeugen.

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Lida (Alexia Voulgaridou) versucht dem wütenden Arrigo (Yonghoon Lee) zu erklären, wieso sie Rolando geheiratet hat.

David Alden hat sich aufgrund der geringen Zeitspanne, innerhalb derer die drei Opern in Szene gesetzt werden, entschieden, den Chor größtenteils nicht in das Geschehen einzubeziehen, sondern wie in der griechischen Tragödie, in der der Chor das Geschehen nur kommentiert oder Hintergrundinformationen gibt, statisch anzulegen. So befindet er sich in den ersten beiden Akten vor der Pause auf einer Empore, die für die Chorszenen herabgelassen wird. Durch die Textbücher, aus denen der Chor die jeweiligen Passagen regelrecht absingt, wirkt dieser Ansatz allerdings weniger statisch als vielmehr konzertant. Wäre es wirklich zu aufwändig gewesen, den Text auswendig zu lernen? Auf diese Weise entsteht der Eindruck, dass die Inszenierung noch unfertig sei. Besonders störend wirken die Textbücher im letzten Akt, wenn das Volk der Andacht lauscht und auf den glücklichen Ausgang der Schlacht hofft. Da nützt es auch nichts, die Solisten agieren zu lassen. Auch das Bühnenbild von Charles Edwards wirkt seltsam uninspiriert und kann sich mit den schwarzen kahlen Bühnenwänden im Hintergrund und dem historisierenden Mauerwerk auf der linken Bühnenseite, das sich über die Empore fortsetzt, nicht so recht zwischen historischem und modernem Ansatz entscheiden. Das riesige Gemälde La Battaglia di Legnano von Amos Cassioli, das zunächst die Rückwand des Rathaussaals in Como und später Arrigos Turmzimmer schmückt, ist zwar hübsch anzusehen, macht aber dramaturgisch überhaupt keinen Sinn, weil diese Schlacht ja erst im Anschluss an diese Szenen stattfindet. In den Kostümen von Brigitte Reiffenstuel erhält nur Barbarossa mit dem feuerroten langen Bart eine persönliche Note.

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Rolando (Giorgio Caoduro, rechts) beschuldigt Lida (Alexia Voulgaridou) und Arrigo (Yonghoon Lee) des Treuebruchs.

Musikalisch konzentriert sich das Werk neben groß angelegten Chorszenen, die der von Eberhard Friedrich einstudierte Chor zumindest stimmlich beeindruckend meistert, auf die drei Hauptpartien Rolando, Lida und Arrigo. Alexia Voulgaridou stattet die Lida mit einer warmen und samtigen Mittellage aus, stößt allerdings in den Spitzentönen bisweilen an ihre Grenzen, auch wenn sie mit sauberer Stimmführung die mörderischen Höhen geschickt zu umschiffen versucht. An einzelnen Stellen klingt ihr Sopran daher etwas heiser, wobei sie es stets vermeidet, schrill zu forcieren. Besonders im Zusammenspiel mit Rebecca Jo Loeb als Imelda findet sie zu einer stimmlichen Innigkeit, wenn sie ihre Vertraute bittet, Arrigo einen Brief zukommen zu lassen, den Victor Rud als von Lida abgewiesener Verehrer Marcovaldo abfängt. Stimmlich bleibt Rud sehr blass und lässt so die Schwärze dieses Charakters verpuffen. Yonghoon Lee wartet im Gegensatz als hitzköpfiger Arrigo mit strahlendem Tenor auf, der mit einer baritonalen Färbung auch in den Höhen zu punkten weiß. Giorgio Caoduro kann in der Partie des Rolando als die Entdeckung des Abends bezeichnet werden. Mit markanten Tiefen avanciert er als vermeintlich betrogener Ehemann mit großartigen melodischen Bögen zum Star des Abends. Einen musikalischen Höhepunkt stellt sicherlich das Terzett in der dritten Szene des dritten Aktes dar, wenn Rolando seine Frau mit Arrigo im Turmzimmer überrascht und beide aus Rache dort einschließt. Lees Sprung von der Empore ist dabei schon nahezu filmreif.

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Arrigo (Yonghoon Lee) beteuert sterbend Lidas (Alexia Voulgaridou) Unschuld.

Was für eine persönliche Fehde vor der Vorstellung im Zuschauerraum beim Auftritt der Dirigentin Simone Young ausgetragen wird, erschüttert das Publikum, weil man so schlechtes Benehmen in der Oper selten bzw. noch nie erlebt hat. Wüste Beschimpfungen wirft ein männlicher Zuschauer aus dem oberen Rang der Generalmusikdirektorin und Intendantin an den Kopf, so dass man wirklich einen Moment befürchten muss, dass Young den Orchestergraben wieder verlässt. Erst vehemente Drohungen der Sitznachbarn und die Aufforderung, den Saal zu verlassen, lassen den Querulanten verstummen. Wie Simone Young aber auch nach diesem Zwischenfall scheinbar unbeeindruckt zu einem konzentrierten Dirigat findet und mit dem Orchester einen ausdifferenzierten Verdi-Klang aus dem Graben erschallen lässt, zeugt von der großen Professionalität dieser Dirigentin. So ist auch im weiteren Verlauf des Abends von diesem seltsamen Besucher nichts mehr zu hören, und das Orchester, Young und die Solisten werden mit großem Beifall gefeiert. Unter den Jubel für das Regie-Team mischen sich allerdings auch einige Unmutsbekundungen, die mit dem statischen Einsatz des Chores und dem kargen Bühnenbild vielleicht nicht so ganz einverstanden sind.

FAZIT

Dieses Werk von Verdi ist so selten zu erleben, dass man sich trotz der genannten Schwächen diese Inszenierung in Hamburg nicht entgehen lassen sollte, vor allem, wenn man es ab dem 15. November 2013 als Trilogie mit I due Foscari und I Lombardi alla prima Crociata an drei aufeinander folgenden Abenden erleben kann.



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Simone Young

Inszenierung
David Alden

Bühnenbild
Charles Edwards

Kostüme
Brigitte Reiffenstuel

Licht

Adam Silverman

Choreographie
Maxine Braham

Chor

Eberhard Friedrich

 

Philharmoniker Hamburg

Chor und Komparserie
der Staatsoper Hamburg

 

Solisten

Federico Barbarossa
Tigran Martirossian

Rolando
Giorgio Caoduro

Lida
Alexia Voulgaridou

Imelda
Rebecca Jo Loeb

Arrigo
Yonghoon Lee

Marcovaldo
Victor Rud

1. Console di Milano
Vincenzo Neri

2. Console di Milano
Alin Anca

Il Podestà di Como
Szymon Kobylinski

Un scudiero di Arrigo
Manuel Günther

Un araldo
Sergio Saplacan


Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Hamburgischen Staatsoper
(Homepage)





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