Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musiktheater
Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum



Das Feuerwerk

Musikalische Komödie in drei Akten
Text von Erik Charell und Jürg Amstein nach einem Lustspiel von Emil Sautter
Gesangstexte von Jürg Amstein und Robert Gilbert

Musik von Paul Burkhard

in deutscher Sprache

Aufführungsdauer: ca. 2 h 45' (eine Pause)

Premiere im Theater Hagen am 28. September 2013
(rezensierte Aufführung: 04.10.2013)


Logo: Theater Hagen

Theater Hagen
(Homepage)
Bunte Zirkuswelt in starrem Spießbürgertum

Von Thomas Molke / Fotos von Stefan Kühle (Rechte Theater Hagen)

Am Anfang war ein Lied, "O mein Papa", das Paul Burkhard bei der Umarbeitung von Emil Sautters Dialektkomödie De sächzigscht Giburtstag zu dem musikalischen Lustspiel Der schwarze Hecht komponierte und dem Lys Assia mit ihrer Aufnahme, obwohl es eigentlich nur die B-Seite der Schallplatte darstellte - auf der A-Seite war Idunas "Ponylied" -, 1949 zu ungeheurer Popularität in der Schweiz verhalf. Als dann Eric Charell nach seiner Emigration aus den USA wieder nach Deutschland zurückkehrte und 1950 gemeinsam mit Burkhard und Jürg Amstein das Lustspiel zu der musikalischen Komödie Das Feuerwerk umarbeitete, trat das Lied nicht nur einen Siegeszug um die ganze Welt an, dem Übersetzungen in über 40 Sprachen und unzählige Aufnahmen in verschiedenen musikalischen Interpretationen folgten, sondern machte das Stück, in dem eine glitzernde Zirkuswelt auf das spießbürgerliche Milieu des beginnenden 20. Jahrhunderts trifft, zu einer der erfolgreichsten Uraufführungen der Nachkriegszeit, das sich bis heute im Repertoire der deutschsprachigen Bühnen hält. Das Theater Hagen hat nun, wohl auch im Vertrauen auf die Zugkraft dieses Schlagers, eine Neuproduktion dieser musikalischen Komödie herausgebracht und mit der Umsetzung die Erwartungshaltung des Publikums in vollem Maße befriedigt.

Bild zum Vergrößern

Die lieben Verwandten: von links: Onkel Heinrich (Orlando Mason), Tante Lisa (Veronika Haller), Onkel Gustav (Richard van Gemert), Tante Paula (Marilyn Bennett), Onkel Fritz (Christoph Scheeben) und Tante Berta (Verena Grammel)

Nicola Glück siedelt in ihrer Inszenierung die Handlung in der Entstehungszeit des Stückes an und fängt so den biederen Mief einer absolut spießbürgerlichen Gesellschaft, die mit der schillernden Zirkuswelt nicht in Einklang zu bringen ist, hervorragend ein. Dabei gelingt es den drei Verwandten-Paaren, darstellerisch und optisch in den großartigen Kostümen von Pia Oertel unterschiedliche Klischees einzufangen und so jedem einzelnen Paar eine persönliche Note zu verleihen, ob es nun der wohlbeleibte Bankier Onkel Heinrich (Orlando Mason) und seine in feinem Pelz kostümierte Gattin Tante Lisa (Veronika Haller), die das typische Bild der Neureichen verkörpern, denen das Wirtschaftswachstum zu ungeheurem Wohlstand verholfen hat, oder die recht bodenständige Tante Berta (Verena Grammel) und Onkel Fritz (Christoph Scheeben) sind, die aus eher einfachen Verhältnissen stammen, was ihren Umgang mit Fremdwörtern betrifft, und wohl hauptsächlich wegen des guten Essens der Einladung gefolgt sind. Richard van Gemert und Marilyn Bennett runden dieses Verwandten-Sextett als ständig kränkelnder Onkel Gustav und herrschsüchtige Tante Paula mit grandioser Komik ab. Wie van Gemert den leidenden Gustav mit seiner wunderbar vorgetragenen "Hust"-Arie mimt, der sich durch die Zirkuswelt von den Fesseln seiner Ehe befreien kann und zu einem begeisterten Clown mutiert, zeugt von großer darstellerischer Kunst. Bennett beweist mit ihrer bloßen Mimik eine Bühnenpräsenz, die diese Tante zu einem regelrecht gefürchteten Drachen werden lässt.

Bild zum Vergrößern

Anna (Maria Klier) liebt den Gärtner Robert (Benjamin Hoffmann).

Das Bühnenbild von Pia Oertel ist mit den drehbaren Wänden sehr variabel gestaltet und lässt aus dem Zimmer der Oberholzers mit ihrer spießigen blassen Bühnentapete blitzschnell eine Zirkusmanege mit Besucherrängen werden. Da reichen ein paar bunte Lichterketten, die aus dem Schnürboden herabgelassen und an den Bühnenrändern befestigt werden. Der Garten im Hintergrund des Hauses wirkt mit seiner holzschnittartigen Form ebenso unwirklich wie die überdimensionalen Tulpen, mit denen Annas Verehrer, der holländische Gärtner Benjamin den Raum für die Geburtstagsfeier schmückt, was unterstreichen mag, dass den beiden Welten, die in diesem Stück aufeinanderprallen, nichts Natürliches anhaftet, weder der spießigen Familie, die zur großen Geburtstagsfeier einlädt, noch dem Zirkusleben, von dessen Schattenseiten Iduna ihre Nichte Anna überzeugen kann, bevor diese sich Hals über Kopf dem Zirkus anschließt und ihren zwar nicht standesgemäßen, aber dafür ehrlich liebenden Robert aufgibt. Ein schönes Bild gelingt auch mit der grünen Schaukel, die vom Schnürboden herabhängt, und von der aus Anna in ihrem Garten einen Ausflug in die Traumwelt des Zirkus macht.

Bild zum Vergrößern

Iduna (Ruth Ohlmann) verzaubert Onkel Fritz (Christoph Scheeben, links), Onkel Gustav (Richard van Gemert, Mitte) und Onkel Heinrich (Orlando Mason, rechts).

Wenn Alexander seiner Nichte im zweiten Akt vom Zirkus vorschwärmt und der Garten sich in eine Manege verwandelt, lässt Glück richtige Artisten und Akrobaten des 1988 gegründeten Circus Jonny Casselly auftreten, die extra für diese Inszenierung engagiert worden sind und das Hagener Publikum mit ihren Darbietungen regelrecht verzaubern. Da werden die Gesangsnummern schnell zur Nebensache und es wird stellenweise hemmungslos in die Musik geklatscht. Vielleicht ist das auch der Grund, wieso Glück die Auftritte der Artisten nur singulär in die Musiknummern einbaut. Sobald nämlich Karola Casselly hoch über der Bühne atemberaubende Entfesselungskünste an zwei aus dem Schnürboden herabhängenden weißen Tüchern vorführt, wird das restliche Geschehen auf der Bühne zur Nebensache. Da wird es den Künstlern durchaus gerechter, wenn Alexia und Karola Casselly als Schlangenmenschen, Jonny jr., Antonio und Alfons Casselly als Bodenakrobaten mit clownesken Zwischenspielen und Antonio Casselly mit dem zum Publikumsliebling avancierenden Hund Jack ihren Auftritt losgelöst vom sonstigen Bühnengeschehen haben. Orlando Mason, Christoph Scheeben und Richard van Gemert erreichen als Clowns bei ihrem Balanceakt auf Gustavs Schal, in den dieser normalerweise von seiner Gattin eingehüllt wird, natürlich nicht dieses hohe Niveau der Artisten, können aber in der Komik durchaus mithalten, wohingegen die anschließende Zähmung der drei Tanten als Raubkatzen choreographisch eher schwach wirkt.

Bild zum Vergrößern

Alexander (Rolf A. Scheider) und Iduna (Ruth Ohlmann, hinten rechts) lassen Anna (Maria Klier, hinten links) in den magischen Glanz der Zirkuswelt (Artisten und Akrobaten des Circus Jonny Casselly) eintauchen.

Neben den darstellerisch und musikalisch überzeugenden Verwandten tragen auch die anderen Solisten zu einer rundum gelungenen Vorstellung bei. Maria Klier begeistert als Anna optisch mit mädchenhaftem Charme, der durch ihren jugendlichen Sopran auch musikalisch unterstützt wird. Innig gelingt ihr Zusammenspiel mit Benjamin Hoffmann als Robert, auch wenn die Holzpantinen, die er in seinem ersten Auftritt als Tulpen-Arrangeur "aus Holland" tragen muss, ein bisschen übertrieben wirken. Kristine Larissa Funkhauser ist für die Köchin Kati eigentlich zu jung und entspricht optisch nicht dem Bild, das man von einer wohlgenährten Köchin haben mag, gleicht dies aber durch sicheren Mezzo in ihrer Arie und bewegendes Spiel, das sie eher als jugendliche Freundin Annas erscheinen lässt, wieder aus. Werner Hahn und Dagmar Hesse mimen ein glaubhaftes Elternpaar, das mit der ganzen Situation hilflos überfordert ist, dennoch aber dem verstoßenen Alexander näher zu stehen scheint als der Rest der Verwandtschaft. So werden sie sich wahrscheinlich auch mit Annas Wahl des Gärtners abfinden. Rolf A. Scheider präsentiert Alexander Obolski als einen Verführer, der in seinen Musiknummern ein wenig die spielerische Leichtigkeit vermissen lässt und zu opernhaft aufträgt. Ruth Ohlmann gibt seine Frau Iduna als regelrechte Augenweide in einem verführerischen roten Kleid, wobei es ihr darstellerisch gelingt, nicht nur bei den männlichen Geburtstagsgästen Begeisterung für die schillernde Zirkuswelt auszulösen, sondern auch ihrer tiefen Sehnsucht nach einem bürgerlichen Leben glaubhaft Ausdruck zu verleihen. Steffen Müller-Gabriel führt das Philharmonische Orchester Hagen leichtfüßig durch die Partitur, so dass es am Ende lang anhaltenden Applaus und lautstarke Beifallsbekundungen für alle Beteiligten gibt.

FAZIT

Das Theater Hagen unterstreicht mit diesem Feuerwerk die Bedeutung eines guten Ensemble-Theaters und dürfte mit dieser Produktion einen weiteren Kassenschlager im Repertoire haben.



Ihre Meinung ?
Schreiben Sie uns einen Leserbrief

Produktionsteam

Musikalische Leitung
Steffen Müller-Gabriel

Inszenierung
Nicola Glück

Ausstattung
Pia Oertel

Licht
Ulrich Schneider

Dramaturgie
Thilo Borowczak



Statisterie des Theater Hagen

Philharmonisches Orchester
Hagen


Solisten

Der Vater
Werner Hahn

Die Mutter
Dagmar Hesse

Anna, die Tochter
Maria Klier

Kati, die Köchin
Kristine Larissa Funkhauser

Onkel Fritz
Christoph Scheeben

Tante Berta
Verena Grammel

Onkel Gustav
Richard van Gemert

Tante Paula
Marilyn Bennett

Onkel Heinrich
Orlando Mason

Tante Lisa
Veronika Haller

Alexander Obolski
Rolf A. Scheider

Iduna, seine Frau
Ruth Ohlmann

Robert, ein junger Gärtner
Benjamin Hoffmann

Artisten und Akrobaten
Alexia, Jessica, Karola,
Romina, Alfons, Antonio,
Jonny jr. und Jack vom
Circus Jonny Casselly
 


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Hagen
(Homepage)




Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum
© 2013 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: oper@omm.de

- Fine -