Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musiktheater
Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum



Galaabend 25 Jahre Aalto-Theater


Aufführungsdauer: ca. 3 h 15' (eine Pause)

Galaabend am 26. September 2013


Homepage

Aalto-Theater
(Homepage)
25 Jahre Aalto-Theater - herzlichen Glückwunsch!

Von Thomas Tillmann



25 Jahre ist es jetzt alt, das schöne, hochgelobte Aalto-Theater - Anlass genug für die neue Leitung, einen Galaabend mit einigen musikalischen und tänzerischen Highlights zu veranstalten, bei dem leider aber nicht alle Plätze besetzt waren, so dass einem etwas deutlicher auffiel, dass das Leder an einigen der schicken, bequemen Sitze inzwischen ein bisschen abgewetzt ist ...

Hein Mulders, der neue Intendant des Aalto-Musiktheaters, der Essener Philharmoniker und der Philharmonie Essen, erinnerte in seinem kurzen Grußwort daran, dass das Haus bereits unter den ersten Intendanten Manfred Schnabel und Wolf-Dieter Hauschild einen überregionalen Ruf hatte, was angesichts der sechzehn Jahre währenden Ära Soltesz gern vergessen wird. Zurecht bezeichnete Oberbürgermeister Reinhard Paß das bereits 1959 entworfene, aber wegen Finanzierungsschwierigkeiten erst 1988 fertig gestellte Aalto-Theater als "zeitlos schön" und als "herausragendes Bauwerk des zwanzigsten Jahrhunderts", während der Aufsichtsratsvorsitzende der Theater und Philharmonie Essen Gmbh Hans Schippmann in seiner geistreichen Ansprache die von Alvar Aalto beschworene "Humanisierung der Architektur" feierte. Justizminister Thomas Kutschaty übermittelte die Grüße und Glückwünsche der Landesregierung und der Ministerpräsidentin und erinnerte sich, dass er damals schon bei den Tagen der offenen Tür das Haus bestaunt habe. Kultur bezeichnete er als Motor der Wirtschaftsförderung und keineswegs als vernachlässigenswerten weichen Standortfaktor. Überhaupt waren sich die drei mit dem eigentlichen Festredner, Prof. Dr. Norbert Lammert, einig in ihrem klaren Plädoyer für die Zukunft von Kultur und Theater auch angesichts immer knapper werdender Haushaltsmittel. Der Präsident des Deutschen Bundestags setzte sich mit den geläufigen Vorurteilen gegen die Oper gleichermaßen pointiert wie sachlich auseinander und bezeichnete sie als "Ort der metaphysischen Entschleunigung, des emotional-intellektuellen Abenteuers", als "Empfangskanal, der nicht einfach weggezappt" werden könne und dem das Besondere eines Live-Erlebnisse anhafte. Wichtig war ihm zudem festzuhalten, dass es Aufgabe der Politik sei, vernünftige Bedingungen zu schaffen, unter denen Künstler selbstbestimmt arbeiten können, und rechnete den geneigten Zuhörerinnen und Zuhörern vor, wie marginal die Ausgaben für Kunst und Kultur in den öffentlichen Haushalten letztlich ausfielen.

Szenenfoto

Festredner: Bundestagspräsident Norbert Lammert

Den gewohnt guten Eindruck hinterließen die Essener Philharmoniker vor allem beim "Einzug der Gäste", pulsierend bewegt spielte das Kollektiv mit warmen, rundem Klang unter Leitung ihres neuen GMD Tomas Netopil, der hier auch einige energische Akzente setzte, während die Damen und Herren des Chores eher ordentlich und routiniert, aber nicht auf außerordentlichem Niveau sangen, und ich hätte mir bei beiden Chorstücken auch eine prägnantere Diktion gewünscht. In dem Walküre-Auszug konzentrierte der Dirigent sich in erster Linie auf die Begleitung der Solisten, da hätte man sich noch etwas feurigeres, zupackenderes Musizieren gewünscht, während mir der sehr abgestuft und dezent wiedergegebene Ravel sehr gut gefiel.

Stellvertretend für das Opernensemble fiel Jeffrey Dowd die Ehre zu, am Festprogramm mitzuwirken; sein Siegmund hatte einige Momente in den lyrischen Passagen, aber im Forte ärgerte man sich einmal mehr über eine weiße, eintönig-farblose, in der Höhe gepresst klingende, wenn auch legatostarke Stimme, die für Repertoirevorstellungen reichen mag, bei einer Gala aber nicht überzeugen kann, zumal trotz einiger Rollenerfahrung eine Durchdringung des gesungenen Wortes kaum auszumachen war. Was für ein Unterschied zum Stargast! Anja Kampe zog das Publikum vor allem durch ihre tief empfundene, charismatisch-suggestive Interpretation in ihren Bann, ihr jugendlich-dramatischer Sopran hat zudem einige Leuchtkraft und Volumen auch in der füllig-ausladenden Mittellage und Tiefe, den richtigen Schuss Metall auch, während die wenigen hohen Töne etwas behäbig erreicht wurden und die Stimme in dieser Lage doch etwas zum Flackern neigt (vielleicht doch eine Verschleißerscheinung, die der verfrühte Einsatz im hochdramatischen Fach mit sich bringt, wenngleich ich ihre Isolde z. B. in dem Mitschnitt von den Glyndebourner Festspielen sehr mochte).

Szenenfoto

Essens neuer Chefdirigent Tomas Netopil mit "seinem" Orchester

Nach der langen Pause mit Sekt und Häppchen freute sich das Publikum sehr über den Auszug aus dem Ballettabend Carmen/Boléro von Ben Van Cauwenbergh zu der berühmten Pièce von Maurice Ravel, einem Feuerwerk der Eindrücke aus Tanz, Licht, einer tollen Bühne (Entwurf: Dmitrij Simkin) und hinreißender französischer Musik.

Beim Verlassen des Theaters schließlich erhielt jeder Gast ein Exemplar der 224-seitigen Festschrift, die zu einer Reise in die bemerkenswerte Vergangenheit des Opernhauses einlädt und ab sofort auch für € 5 erhältlich ist. Sie bietet eine umfangreiche Rückschau auf alle im Aalto-Theater gezeigten Inszenierungen, viele Szenenfotos, Kurzporträts der Intendanten und Geschäftsführer, die am Haus gewirkt haben und vieles mehr (eine 35-minütige DVD-Dokumentation des amerikanischen Filmemachers Sam Shirakawa widmet sich – unter anderem anhand von Archivmaterial und Interviews – der Geschichte und der Architektur des Hauses, aber auch dem Alltag im Theater). Und so kommt man auf der Heimfahrt im Regionalzug ins Blättern und erinnert sich an unvergessene Abende im Aalto, vor allem auch an bedeutende Sängerinnen und Sänger, an Miriam Gaucis Elisabetta di Valois etwa, an Therese Renicks Eboli und Amneris, an Hannes Brocks Zaza, an Linda Watsons erste Sieglinde, an Bedeutendes von Ensemblemitgliedern wie Karoly Szilagy oder Marcel Rosca, die so viele Jahre das Gesicht dieses Haus für mich prägten.


Ihre Meinung
Schreiben Sie uns einen Leserbrief
(Veröffentlichung vorbehalten)


Programm



Auszüge aus Werken von

Richard Wagner und Maurice Ravel

"Einzug der Gäste" aus
Tannhäuser und der
Sängerkrieg auf Wartburg


"Wach auf!" aus
Die Meistersinger
von Nürnberg


Auszug aus dem
Ersten Aufzug von
Die Walküre


Mitwirkende

Anja Kampe, Sopran
Jeffrey Dowd, Tenor
Linda Watson, Sopran



Opernchor und Extrachor
des Aalto-Theaters
Chordirektor: Alexander Eberle

Solisten und Corps de ballet
des Aalto Ballett Essen

Essener Philharmoniker

Musikalische Leitung
Tomas Netopil



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Aalto-Theater Essen
(Homepage)



Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum
© 2013 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: oper@omm.de

- Fine -