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Die ganze Welt ist himmelblau

Festliche Operetten-Gala

In deutscher und französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 35' (eine Pause)

Premiere im Opernhaus Dortmund am 13. Dezember 2013




Theater Dortmund
(Homepage)
Es lebe die Operette

Von Thomas Molke

Nachdem das Theater Dortmund in der vergangenen Spielzeit mit zwei konzertanten Aufführungen von Massenets Oper Manon den Spielplan um die französische Oper erweitert hat und dabei auf großes Publikumsinteresse gestoßen ist, hat man sich überlegt, dieses Erfolgsmodell zu wiederholen. Dieses Mal ist die Wahl aber nicht auf eine komplette Oper gefallen, sondern man bedient eine Gattung, die zwar von vielen oft als "tot" verschrien wird, eigentlich aber in fast jedem Opernhaus für gut besuchte Vorstellungen sucht, wenn nicht die Regie den häufig allzu kruden Handlungssträngen ein Konzept überzustülpen versucht, das dann die Erwartungen der Zuschauer nicht trifft und auf Ablehnung stößt. Aus diesem Grund hat beispielsweise Michael Schulz am Musiktheater im Revier beschlossen, das Projekt "Operette konzertant" fest im Spielplan zu etablieren. In Dortmund beschränkt man sich nicht auf ein einzelnes Werk, sondern präsentiert eine "festliche Operetten-Gala", die das ganze Spektrum von der französischen über die Wiener bis hin zur Berliner Operette abdeckt. Mit dem Kammersänger Hannes Brock hat man außerdem einen Moderator am Haus, der nicht nur charmant und begeisternd durch den Abend führt, sondern sich auch musikalisch in diesem Metier durchaus zu Hause fühlt, auch wenn er, wie er selbst etwas wehmütig bekennt, heute in den Stücken nur noch "den Lustgreis" geben könne.

Vor den Dortmunder Philharmonikern, die an diesem Abend sowohl von ihrem Generalmusikdirektor Gabriel Feltz als auch den beiden Kapellmeistern Motonori Kobayashi und Philipp Armbruster geleitet werden, um zu unterstreichen, wie ernst auch die Musiker diese Gattung nehmen, ist auf der Bühne eine Chaiselongue mit einem kleinen Beistelltisch aufgebaut, so dass die Solisten trotz des konzertanten Formates die Möglichkeit besitzen, die kleinen Szenen auch darstellerisch umzusetzen. Dass dabei nicht vom Blatt abgesungen wird, versteht sich natürlich von selbst. So lassen beispielsweise Eleonore Marguerre, John Zuckerman und Morgan Moody im Finale des 1. Aktes der Fledermaus den konzertanten Charakter des Abends vollkommen vergessen. Von Sektgläsern bis zum verhängnisvollen Morgenmantel des Herrn von Eisenstein wird wirklich an alles gedacht, um die Szene auszugestalten. Hinzu kommt der große Spielwitz der drei Protagonisten. John Zuckerman gibt mit leicht übertriebenem Schmelz einen Alfred, der nur so vor Selbstüberheblichkeit strotzt, dass man es ihm schon fast gönnt, für Herrn von Eisenstein ins Gefängnis zu wandern. Eleonore Marguerre stattet die Rosalinde mit leuchtendem Sopran aus und spielt die Zwickmühle, in der sich Eisensteins Gattin befindet, hervorragend aus. Morgan Moody gibt den nichts ahnenden Gefängnisdirektor Frank mit sattem Bariton.

Während das Finale des 1. Aktes der Fledermaus mit dem vorausgehenden Dialog zu einer richtigen Szene ausgestaltet wird, nutzen auch die anderen Solisten in ihren kürzeren Arien die Möglichkeiten der Bühne voll aus. Lucian Krasznec beispielsweise präsentiert sich nach der von Gabriel Feltz mit den Dortmunder Philharmonikern schmissig umgesetzten Zigeunerbaron-Ouvertüre bei dem Auftrittslied des Barinkay "Als flotter Geist" nicht nur mit strahlendem Tenor, der sich ohne zu forcieren in die Höhen emporschwingt, sondern begeistert auch noch mit kleinen Jonglier-Einlagen. Anke Briegel gibt mit großer Posttasche und mädchenhaftem Sopran eine herrlich biedere "Christel von der Post", während Ileana Mateescu mit einem verführerischen Kleid, welches am Rücken tiefe Einblicke gewährt, in der Arie "Ah, que j'aime les militaires" mit sattem Mezzo als durch und durch männermordende Grande-Duchesse de Gérolstein begeistert. Für den "Batavia-Fox" aus Der Vetter aus Dingsda hat Adriana Naldoni eine, wie Hannes Brock es in seiner Anmoderation nennt, "herrlich bescheuerte" Choreographie erarbeitet, die von Julia Amos, Anke Briegel, Ileana Mateescu, Hannes Brock, Lucian Krasznec, Morgan Moody und John Zuckerman mit großem Spielwitz umgesetzt wird, so dass das Publikum nicht nur an der musikalischen Gestaltung große Freude hat.

Auf ein Werk wird an diesem Abend bewusst verzichtet: Der Graf von Luxemburg von Franz Lehár, was aber daran liegt, dass diese Operette im Januar hier in Dortmund Premiere haben wird und man, laut Brock, mit dieser Gala beim Publikum die Lust auf mehr Operette wecken und somit von der im Januar folgenden Produktion noch nichts vorwegnehmen wolle. Um aber dennoch schon einmal einen kleinen Vorgeschmack zu geben, präsentieren die für den Grafen von Luxemburg vorgesehenen Solisten Julia Amos und Lucian Krasznec mit "Wer hat die Liebe uns ins Herz gesenkt" aus Das Land des Lächelns ein Schmankerl aus einer weiteren Lehár-Operette und empfehlen sich somit bereits optisch und stimmlich als "Traumpaar" für die Partien René und Angèle im Grafen von Luxemburg. Zwei weitere musikalische Höhepunkte präsentiert Eleonore Marguerre mit dem "Vilja-Lied" aus der lustigen Witwe, das sie mit zarten und klaren Höhen ausschmückt, und der Arie "Conduisez-moi vers celui que j'adore" aus der unbekannten Offenbach-Operette Robinson Crusoe, in der Robinson Crusoes Verlobte Edwige sich danach sehnt, den verschollenen Geliebten endlich wiederzufinden. Marguerre besticht hierbei mit perlenden Koloraturen, die den Wunsch beim Publikum wecken, mehr von diesem unbekannten Werk zu hören.

Hannes Brock darf an diesem Abend nicht nur moderieren, sondern kommt natürlich auch gesanglich auf seine Kosten, wenn er noch einmal den Danilo mit "O Vaterland" aus der lustigen Witwe geben und "ins Maxim" gehen darf oder sich einen Traum erfüllen darf und mit Marguerre das große Duett "Ich bin ein echtes Wiener Blut" aus der Strauss-Operette Wiener Blut präsentiert. Dabei erwähnt er auch ganz beiläufig, dass er diese Operette gerne einmal in Szene setzen würde. Ob ihm Jens-Daniel Herzog in Dortmund diesen Wunsch erfüllen wird? Möglich ist alles.

Ob man nun das gelegentliche Mitsummen und Singen im Saal als Ausdruck der Begeisterung oder als störenden Nebeneffekt wahrnimmt, ist Ansichtssache. Bei den Chorpassagen mag man es noch akzeptieren, wenn der Chor wie ein Dolby-Surround-System von allen Seiten erklingt. Die Solisten würde man allerdings vielleicht doch lieber allein von der Bühne hören. Auch bleibt unklar, wieso Anke Briegel und John Zuckerman mit Mikroports verstärkt werden, wenn sie den Titel des Abends präsentieren, der zwar aus Ralph Benatzkys Singspiel Im weißen Rössl stammt, allerdings von Robert Stolz komponiert wurde. Briegels Sopran und Zuckermans Tenor wirken nämlich kräftig genug, um sich gegen das Orchester durchzusetzen. Der Klang über Lautsprecher trübt dabei ein wenig den Hörgenuss. Das Stück zum Titel der ganzen Gala zu wählen, mag zwei Beweggründe gehabt haben. Zum einen verbreitet der Text ein ähnlich wohliges Gefühl wie der ganze Abend mit seiner Operettenseligkeit. Zum anderen wird mit der Farbe "Blau" auch der Zustand beschrieben, in den die zahlreichen Aufforderungen zum Trinken die Protagonisten der einzelnen Stücke versetzen. So gibt es auch als doppelte Zugabe, weil das begeisterte Publikum die Solisten nicht eher gehen lassen will, natürlich "Es lebe Champagner der Erste" aus der Fledermaus.

FAZIT

Die Operetten-Gala weckt die Lust auf mehr. Wer einen bunten Querschnitt der Beschäftigung mit einem einzigen Werk dieser Gattung vorziehen sollte, hat am 2. Februar 2014 noch einmal die Gelegenheit, diese kurzweilige Gala zu erleben.

Programm

Johann Strauss: Der Zigeunerbaron: Ouvertüre, "Als flotter Geist" (Lucian Krasznec, Chor des Theater Dortmund, Musikalische Leitung: Gabriel Feltz)

Carl Zeller: Der Vogelhändler: "Ich bin die Christel von der Post" (Anke Briegel, Musikalische Leitung: Gabriel Feltz)

Jacques Offenbach: La Grand-Duchesse de Gérolstein: "Ah, que j'aime les militaires" (Ileana Mateescu, Musikalische Leitung: Motonori Kobayashi)

Robert Stolz: Im weißen Rössl: "Die ganze Welt ist himmelblau" (Anke Briegel, John Zuckerman, Musikalische Leitung: Motonori Kobayashi)

Franz Lehár: Die lustige Witwe: "O Vaterland" (Ks Hannes Brock, Musikalische Leitung: Motonori Kobayashi)

Johann Strauss: Die Fledermaus: "Trinke, Liebchen" (Finale 1. Akt) (Eleonore Marguerre, John Zuckerman, Morgan Moody, Musikalische Leitung: Motonori Kobayashi)

Franz Lehár: Die lustige Witwe: "Vilja-Lied (Eleonore Marguerre, Chor des Theater Dortmund, Musikalische Leitung: Gabriel Feltz)

Paul Linke: Im Reiche des Indra: "Es war einmal" (Morgan Moody, Musikalische Leitung: Philipp Armbruster)

Jacques Offenbach: Robinson Crusoe: "Conduisez-moi vers celui que j'adore" (Eleonore Marguerre, Chor des Theater Dortmund, Musikalische Leitung: Philipp Armbruster)

Robert Stolz: Der Favorit: "Du sollst der Kaiser meiner Seele sein" (Julia Amos, Musikalische Leitung: Philipp Armbruster)

Johann Strauss: Wiener Blut: "Ich bin ein echtes Wiener Blut" (Eleonore Marguerre, Ks Hannes Brock, Musikalische Leitung: Philipp Armbruster)

Eduard Künneke: Der Vetter aus Dingsda: "Batavia-Fox" (Julia Amos, Anke Briegel, Ileana Mateescu, Ks Hannes Brock, Lucian Krasznec, Morgan Moody, John Zuckerman, Musikalische Leitung: Philipp Armbruster)

Franz Lehár: Das Land des Lächelns: "Wer hat die Liebe uns ins Herz gesenkt" (Julia Amos, Lucian Krasznec, Musikalische Leitung: Motonori Kobayashi)

Carl Millöcker: Der Bettelstudent: "Trink nur zu" (Finale 2. Akt) (Ensemble, Chor des Theater Dortmund, Musikalische Leitung: Gabriel Feltz)

 

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Gabriel Feltz
Motonori Kobayashi
Philipp Armbruster

Choreinstudierung
Granville Walker

Dramaturgie
Georg Holzer

 

Opernchor des
Theaters Dortmund

Dortmunder Philharmoniker

 

Solisten

Moderation
Ks Hannes Brock

Sängerinnen und Sänger
Julia Amos
Anke Briegel
Eleonore Marguerre
Ileana Mateescu
Ks Hannes Brock
Lucian Krasznec
Morgan Moody
Christian Sist
John Zuckerman

 


Weitere
Informationen

erhalten Sie vom
Theater Dortmund
(Homepage)



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