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Rigoletto

Melodramma  in 3 Akten
Libretto von Francesco Maria Piave nach dem Schauspiel Le roi s’amuse  von Victor Hugo (1832)
Musik von Giuseppe Verdi

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Dauer: 3 Stunden – eine Pause

Besuchte Aufführung im Rahmen des Verdi-Schwerpunktes 2013 am 1. Dezember 2013
(Premiere am 21. April 2013)


Homepage

Deutsche Oper Berlin
(Homepage)
Dekonstruiert

Von Christoph Wurzel / Foto:
Bettina Stöß

Der großen Kraft szenischer Erzählung, wie Götz Friedrich sie in La Traviata entwickelt, scheint Jan Bosse in seiner Auffassung des Rigoletto vollständig zu misstrauen. Stattdessen präsentiert er die Handlung wie auf dem Seziertisch.  Seine Lesart fasst die Oper vom Standpunkt der Desillusionierung an. Auf eine bittere Lektion für Gilda ist die Inszenierung vor allem angelegt. Im letzten Akt führt Rigoletto, um Gildas Illusion von wahrer Liebe zu zerstören, seine Tochter zu der Spelunke, in der sich der von ihr schwärmerisch geliebte Herzog alias Gualtier Maldé gerade mit anderen Frauen vergnügt. Auch die Bühne ist hier sämtlicher Künstlichkeit entleert, nur der nackte Raum mit ein paar übereinander gestürzten Restrequisiten wird noch sichtbar (Bühnenbild: Stéphane Laimé). Irgendwo dazwischen singt der Herzog mit Geld um sich werfend seine lästerliche Arie: Großartig wie schön dies Ivan Magrì trotz dieses trostlosen Umfelds gelingt. Der Preis solcher Fixierung der Regie auf den einen Aspekt ist die Ausblendung anderer Bedeutungsschichten der Oper. Herzog und Hofgesellschaft schrumpfen auf das Format  banaler Klischeefiguren. Vor allem die Tragik des Titelhelden bleibt weitgehend außen vor, weil das Konzept jede Psychologie überdeckt. Auch inszeniert Bosse stellenweise an der Musik vorbei (Rigolettos Auftritt in II,3).

Bild zum Vergrößern

Rigoletto: Achtung Bühne , nicht Zuschauerraum!

So brutal wie Rigoletto seine Tochter zur Erkenntnis zwingt, so brachial geht die Regie mit dem Publikum um. In der unbedarft fröhlichen Hofgesellschaft des 1. Akts spiegeln sich die Damen und Herren im Parkett, der Zuschauerraum ist einfach auf die Bühne verlängert. Gildas Wohnung: ein Bretterverschlag wie ein Hamsterstall. Nirgendwo gönnt das Regieteam dem Publikum entdeckendes Schauen: Glotzt nicht so romantisch! Mit welcher Lust nach praller Komik und welchem barocken Einfallsreichtum hatte Bosse vor Jahren Cavallis Calisto in Basel inszeniert! Hier hebt der Regisseur nur noch plump seinen Zeigefinger.

Gut, dass Verdi wenigstens musikalisch an diesem Abend zu seinem Recht kam. Neben dem vorzüglich singenden Herzog waren auch die übrigen wichtigen Rollen  bestens besetzt. Andrzej Dobber war (im albernem Goldhasenkostüm im 1. Akt, dann im Straßenzug / Kostüme: Kathrin Plath) ein stimmprächtiger Rigoletto und Lucy Crowe zog als innbrünstig singende Gilda das Publikum ganz in den Bann. Mit mächtigem Bass brachte Ante Jerkunica als Sparafucile (im Kapuzenpulli) wenigstens ein bisschen schwarze Romantik ins Spiel. Der Chor sang an diesem Abend leider nicht durchweg passgenau, aber Roberto Rizzi Brignoli führte das Orchester straff, das besonders die düsteren Farben dieser Oper  hervorragend herausbrachte.

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Roberto Rizzi Brignoli

Inszenierung
Jan Bosse

Spielleitung
William Robertson

Bühne
Stéphane Laimé


Kostüme
Kathrin Plath

Chöre
William Spaulding

Dramaturgie
Jörg Königsdorf

 

Orchester der
Deutschen Oper Berlin

Chor der
Deutschen Oper Berlin


Statisterie der
Deutschen Oper Berlin

 

Solisten

Herzog von Mantua
Ivan Magri

Rigoletto
Andrzej Dobber

Gilda
Lucy Crowe

Maddalena
Clémentine Margine

Monterone
Bastiaan Everink

Graf von Ceprano
Andre
w Harris

Marullo
Stephen Barchi

Matteo Borsa
Alvaro Zambiano

Sparafucile
Ante Jerkunica

Giovanna
Clémentine Margine

Gerichtsdiener
Ben Wagner

Hofdame
Christina Sidak


Weitere
Informationen

erhalten Sie von der
Deutschen Oper Berlin
(Homepage)



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