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Falstaff

Commedia lirica in drei Akten
Libretto von Arrigo Boito nach The Merry Wives of Windsor (1597) und Szenen aus Henry IV. (1597) von William Shakespeare
Musik von Giuseppe Verdi

in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 30' (eine Pause)

Premiere am 17. November 2013 an der Deutschen Oper Berlin


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Deutsche Oper Berlin
(Homepage)
Alles auf Erden ist Maskerade

Von Joachim Lange / Fotos: © Hans Jörg Michel

Zum Verdijahr kann man sich routiniert für eines der populären Filetstücken des Italieners entscheiden, die sowieso ins Repertoire gehören. Die Scala in Milano wird zur Inaugurazione ganz selbstverständlich mit der Traviata herauskommen. Man kann auch mal bei den Werken zulangen, die wegen ihrer Nähe zur Grand opéra nur mit großem Aufwand zu stemmen sind. Die originellste Idee hatte Simone Young in Hamburg mit ihrer Trilogie von drei selten zu sehenden Frühwerken des Jubilars. Einige Intendanten haben sich aber auch für den altersweise heiteren und doch doppelbödigen Falstaff entschieden. Nicht nur die Salzburger Festspiele haben ihn neben ihren Don Carlo gestellt, in Stuttgart hat sich Andera Moses den Ritter vorgenommen und demnächst wird ihr Christof Nel in Mannheim noch folgen. Christof Loy war jetzt in Berlin damit an der Reihe.

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Wie schlecht ist doch die Welt geworden.....Falstaff nach seinem unfreiwilligen Bad

Die Deutsche Oper ist ein Haus, an dem Verdi auch außerhalb von Jubiläumsjahren seit eh und je zur Kernkompetenz gehört. Was man beim GMD Donald Runnicles durchaus merkte. Im heruntergefahrenen Graben arbeitete er das feine Geflecht von Motive und Anspielungen sensibel heraus, ließ dann aber auch das Abgründige so aufdonnern, dass einer von Loys szenischen Einfällen, das Personal davon kurzzeitig zu Boden gehen zu lassen, keineswegs aufgesetzt wirkte. Dass ausgerechnet der Falstaff dennoch zu weilen unterging, ist jedenfalls nicht dem Dirigenten anzulasten, sondern den vokalen Grenzen von Noel Bouley, den der Besetzungszettel als Stipendiaten des Förderkreises der Deutschen Oper Berlin e.V ausweist und der für den erkrankten, ursprünglich vorgesehenen Markus Brück eingesprungen war. Die Stimme ist schön, das Gestaltungspotenzial ebenso unüberhörbar wie sei spielerischer Einsatz. Der Falstaff kommt halt nur ein paar Jahre zu früh für ihn.

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Wie schön ist es doch bei den Feen.

Das ist ein wenig schade, denn er steuert seinen darstellerischen Part mit Präzision und Witz zu einem Ensemble bei, bei dem das Spiel mit dem Spiel durchweg auch vokal solide begründet wird. Das gilt sowohl für seine beiden Kumpanen Bardolfo und Pistola, die bei Gideon Poppe und Marko Mimica ebenso gut aufgehoben sind, wie für den agilen Herrn Ford von Michael Nagy. Auch Joel Prieto wurde für seinen Fenton bejubelt, wobei Elena Tsallagova als seine Nanetta mit ihren erstaunlich lange gehaltenen Tönen noch mehr beeindruckte. Beim Damentrio kaufte Dana Beth Miller mit ihrer liebestollen Mrs. Quickly Barbara Haveman (Alice) und Jana Kurucová (Meg Page) zumindest beim komödiantischen Auftrumpfen den Schneid ab.

Szenisch schwebt über der großen Schlussfuge mit ihrem „tutto nel mondo è burla“ eigentlich ein „alles auf Erden ist Maskerade“. Loy nimmt den Falstaff nämlich nicht nur als einen altersweisen Blick des Theaters auf die Welt, sondern auch als einen den es auf sich selbst richtet. Und dabei erzählt der Regisseur mit lockerer Hand durchaus die Geschichte, wie sich die vom notorischen Schwerenöter angebaggerten Frauen mit einer Gegenintrige zur Wehr setzten, die den Ritter ins Wasser befördert und den beiden Ehefrauen die Oberhand daheim und der Tochter Nanetta ihren Fenton als gewünschten Ehemann an die Seite bringt.

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Beim Finale ist Verdi dann doch der Größte

Wenn der Abend – ähnlich wie zuletzt in Salzburg - auch mit einem nachgedrehten Schwarzweiss-Film über die Casa Verdi beginnt und sich die Senioren aus dem Film mit dem Einsetzen der Musik im Graben dann plötzlich auf der Bühne wiederfinden, so kommt bei Loy doch mehr heraus als eine Variation zu dem in dieser Spielzeit schon mehrfach zu sehenden Thema „alt gewordene Künstler erinnern sich und werden dabei wieder jung“. Er und sein Personal nehmen das Spielerische, auch Unentschiedene, collagehaft wechselnde nämlich an und halten vor allem ihre Identität bewusst in der Schwebe. Für sich selbst und für die Zuschauer.

Die karge Bühne von Johannes Leiacker beschränkt sich auf einen abstrakten Raum mit Vorhängen und ein paar Einrichtungsgegenständen. Opulenz kommt auf, wenn Falstaff draußen vor der Tür einer verwitterten herrschaftlichen Fassade über die Schlechtigkeit der Welt nachdenkt. Für die Stimmung beim letzten großen Schabernack an der Eiche im Park sorgt ein Waldprospekt und eine klassische Feen-Kostümierung. In diesem Spiel mit den Rollen, die Männern und Frauen in ihrem Leben so annehmen, bleibt die Würde des Ritters allemal gewahrt. Am Ende, wenn alle zu den Klamotten in den herumliegenden Koffern greifen und sich wieder in etwa so zu kostümieren versuchen wie beim Auftakt, weiß man nicht genau, was nun echt und was Maskerade sein sollte.


FAZIT

An der Deutschen Oper Berlin inszeniert Christof Loy Verdis Alterswerk nicht uninteressant mit biographischem Bezug.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Donald Runnicles

Inszenierung
Christof Loy

Bühne
Johannes Leiacker

Kostüme
Ursula Renzenbrink

Licht
Bernd Purkrabek

Choreographie
Thomas Wilhelm

Chor
William Spaulding

Dramaturgie
Dorothea Hartmann



Der Chor der
Deutschen Oper Berlin

Das Orchester der
Deutschen Oper Berlin


Solisten

Sir John Falstaff
Noel Bouley

Ford
Michael Nagy

Fenton
Joel Prieto

Doktor Cajus
Thomas Blondelle

Bardolfo
Gideon Poppe

Pistola
Marko Mimica

Alice Ford
Barbara Haveman

Nannetta
Elena Tsallagova

Meg Page
Jana Kurucová

Mrs Quickly
Dana Beth Miller

Ned
Julian Bleymehl

Robin
Rudolf Giglberger

Isaac
Raffael Hinterhäuser

Will
Guido Kleineidam

Tom
Spyridon Makropoulos

Pianist
Douglas V. Brown






Weitere
Informationen

erhalten Sie von der
Deutschen Oper Berlin
(Homepage)



Da capo al Fine

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