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Lady Macbeth von Mzensk

Oper in vier Akten
Libretto von Alexander Preis nach der gleichnamigen Novelle von Nikolai Leskow
Musik von Dmitri Schostakowitsch

In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3h 10' (eine Pause)

Premiere im Opernhaus Zürich am 7. April 2013


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Opernhaus Zürich
(Homepage)
Kein Rattengift ist auch keine Lösung

Von Roberto Becker / Fotos © Monika Rittershaus


Viele Musikfreunde können einen Satz von Josef Stalin zur Oper immer noch zitieren: „Chaos statt Musik“. Diese Überschrift eines Prawda-Artikels bezog sich auf Dmitri Schostakowtischs so mitreißend komponierte Lady Macbeth von Mzensk. Wenn ein so überschriebener Artikel 1936 zwei Tage nach einem Besuch dieser Oper durch Stalin erschien, dann war das ein Verdikt, das dem betroffenen Künstler lebensgefährlich werden konnte. Es war aber im Grunde auch ein Qualitätsprädikat. Auch wenn das Stück damit bis zum Tode des Diktators im Orkus mit all dem anderen „Teufelszeug“ verschwand, was dem roten Zaren nicht in den Kram passte.

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Die erste Begegnung zwischen Katerina Ismailova und ihrem künftigen Liebhaber fällt deftig aus

Das ist so ähnlich wie mit der „entarteten Kunst“ der deutschen Nazis. Beides sind Belege für eine pervertierte Instinktsicherheit von Diktatoren, wenn ihnen einer was am Zeug flicken will. Doch das Werk hat überlebt. Und sein Schöpfer, im Unterschied zu vielen seiner Kollegen, glücklicherweise auch. Heute kann man sogar zwischen zwei Versionen wählen, den Schostakowitsch überarbeitete seine Lady Anfang der 60er-Jahre noch einmal. In Zürich entschied sich Andreas Homoki für die kraftvoll vitale ursprüngliche aus den Dreißigern.

Vergrößerung in neuem Fenster Besonders schräg: die Clownsband auf der Bühne

Am Pult der Philharmonia Zürich hat er zwar mit Teodor Currentzis einen Griechen, aber das junge Nachwuchstalent macht seit Jahren zunächst in Nowosibirsk und jetzt in Perm von sich Reden. Durch seine Russlanderfahrung liefert er eine quasi authentische Diktion vom Feinsten. Da geht nicht nur bei der einst inkriminierten Rammelmusik oder dem Aufmarsch der Polizei in Unterhosen zu den ordensgeschmückten Uniformjacken die Post ab. Dank der fabelhaften Gun-Brit Barkmin als Titelheldin, dem wuchtigen Kurt Rydl als auftrumpfender Schwiegervater-Kanaille und Brandon Jovanovichs proletarischem Sexappeal als Verführer Sergej an der Spitze eines spielfreudigen Ensembles und einer knallbunten Bläser-Banda auf der Bühne, wenn es „zur Sache“ geht, ist diese Produktion musikalisch so mitreißend, wie man es von Kirill Petrenko an der Komischen Oper noch in guter Erinnerung hat.

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Die Wirkung von Rattengift: Katerina hat ihren Schwiegervater vergiftet

Wie damals Hans Neuenfels, so verfremden auch Andreas Homoki, Hartmut Meyer (Bühne) und Mechthild Seipel (Kostüme) die Geschichte jener Katerina Ismailowa, die als Ehefrau gedemütigt und als Rebellin zur mehrfachen Mörderin wird - am Schwiegervater mit Rattengift, am Ehemann mit dem Gürtel um die Kehle und an der Rivalin um des Geliebten Gunst sowie zuletzt an sich selbst durch einen Sprung ins kalte, tiefe Wasser. Um dieses Kernpersonal herum wird die russische Machogesellschaft als ein grotesk überzeichnetes Panoptikum vorgeführt. Deren Vertreter können dem surrealen Raum nicht entkommen. Er wird von einem rostigbraunen Schrankcontainer auf der Drehbühne beherrscht. Dahinter münden einige seltsame Abflusskanallöcher, die immer mal von riesigen Kugeln verschlossen werden, dann wieder für Auf- und Abgänge dienen. So wie die endlose Rampe, die sich am Rundhorizont entlang zieht.

Vergrößerung in neuem Fenster Ein Verhältnis, von dem jeder weiß: Sergej und Katerina

Am Ende verschwindet das gesamte Personal in einem anrührend traurig verebbend komponierten sibirischen Opern-Gulag. Dass sie da noch genauso grotesk normal daherkommen und nicht den sonst in diesem Bild meist bemühten Zug der Elenden und Verlorenen abliefern, ist eine eindrucksvolle Schlusspointe einer auch sonst originellen Produktion.


FAZIT

Die zweite Inszenierung von Andreas Homoki als Intendant in Zürich zeigt Dmitri Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk als groteskes Gesellschaftspanorama. Szenisch originell und musikalisch auf hohem Niveau.



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Teodor Currentzis

Inszenierung
Andreas Homoki

Bühnenbild
Hartmut Meyer

Kostüme
Mechthild Seipel

Licht
Franck Evin

Choreinstudierung
Ernst Raffelsberger

Dramaturgie
Claus Spahn


Chor der Oper Zürich

Philharmonia Zürich


Solisten

Katerina Ismailowa
Gun-Brit Barkmin

Boris / Geist des Boris
Kurt Rydl

Sinowij
Benjamin Bernheim

Sergej
Brandon Jovanovich

Axinja
Kismara Pessatti

Sonetka
Julia Riley

Zwangsarbeiterin
Lidiya Filevych

Der Schäbige / Kutscher / Betrunkener Gast
Michael Laurenz

Verwalter / Polizist
Valeriy Murga

Pope / Alter Zwangsarbeiter
Pavel Daniluk

Polizeichef / Wächter / Sergeant
Tomasz Slawinski

Hausknecht
Christoph Seidl

Lehrer
Ilker Arcayürek

Erster Vorarbeiter
Michael Laurenz

Zweiter Vorarbeiter
Roberto Ortiz

Dritter Vorarbeiter
Benjamin Russell

Mühlenarbeiter
Robert Weybora 

Weitere
Informationen

erhalten Sie vom
Opernhaus Zürich
(Homepage)



Da capo al Fine

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