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La Straniera

Melodramma in zwei Akten
Libretto von Felice Romani
nach dem Roman «L’Etrangère»
von Charles-Victor Prévost Vicomte d’Arlincourt
Musik von Vincenzo Bellini

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 45' (eine Pause)

Premiere im Opernhaus Zürich am 23. Juni 2013

Besuchte Aufführung: 6. Juli 2013


Homepage

Opernhaus Zürich
(Homepage)
Die Sache Gruberova

Von Thomas Tillmann / Fotos von Monika Rittershaus



Vergrößerung Valdeburgo (Franco Vassallo) ist fasziniert von der merwürdigen Fremden (Edita Gruberova).

Bellinis La Straniera ist kein völlig unbekanntes, aber doch eher selten aufgeführtes Werk des großen Belcantokomponisten, bekannt wohl eher durch einige berühmte Mitschnitte, namentlich denjenigen aus Palermo vom 10. Dezember 1968 mit Renata Scotto, durch den auch Regisseur Christof Loy als junger Erwachsener auf diese Oper aufmerksam wurde, wobei ich den Mitschnitt aus New York mit der exzellenten, wahrlich majestätischen Montserrat Caballé vom 26. März 1969 noch mehr liebe, der allein die Weltkarriere der Spanierin begründen würde (die Aufnahme mit Lucia Aliberti habe ich nicht hören können, die Studioaufnahme von Opera Rara gehört in den CD-Schrank, hat aber ihre Nachteile, vor allem in der Protagonistin; Loy erinnert zudem daran, dass die Callas den Klavierauszug bei der verhängnisvollen Kreuzfahrt bei sich gehabt haben soll - was hätte sie aus dieser romantischen Heroine gemacht!).


Vergrößerung

Arturo (Dario Schmunck) ist hoffnungsvoll in die schöne Fremde verliebt.

Der Deutsche zeigt sich "fasziniert von der schwarzen Romantik des Werkes, dessen Gefühlsspektrum von großer Empfindsamkeit und Verletzlichkeit bis hin zu verzweifelten, geradezu animalischen Gefühlsausbrüchen reicht", es mag auch sein, dass der Zuschauer "jedes Gefühl wie durch ein Vergrößerungsglas betrachten" kann, dass das "Libretto wie ein Krimi gelesen werden" kann - dem Rezensenten teilte sich die "Hitchcocksche Qualität" beim Betrachten der Inszenierung nicht mit, ich konnte mich nicht recht mit der für den Regisseur zentralen Figur des Arturo identifizieren, "der sich auf die Reise macht, die eigentliche Haupt- und Schlüsselfigur - die 'Straniera' - zu finden und gegen ihren Widerstand für sich zu gewinnen". Loy selber verhindert eine allzu große Identifikation mit dem Bühnengeschehen doch gerade dadurch, dass er es hochartifiziell und theatralisch in einem Raum von Annette Kurz präsentiert, der durch Seile, Züge und Bühnenprospekte dominiert wird, allein dadurch verleiht er jeder Aktion auf der Bühne etwas Künstliches, und so treten die Schwächen der Story noch klarer hervor, zumal die Protagonisten keine ersten Darsteller sind (vor allem die reife Sopranistin macht nicht viel mehr als in den beiden edlen Roben von Ursula Renzenbrink über die Bühne zu schreiten).


Vergrößerung Gibt es eine Zukunft für die Liebe von Alaide (Edita Gruberova) und Arturo (Dario Schmunck)?

Natürlich äußert sich Loy nur ehrfurchtsvoll über die Gruberova, die seinem Empfinden nach "mit ihrer Erfahrung als Mensch und als Kümnstlerin einfach die ideale Verkörperung dieser Figur" sei, aber ihr Erscheinen, Agieren und Singen hatte etwas merkwürdig Emilia-Marty-Haft-Unwirkliches, da war wirklich eine Straniera am Werk, die einem fast ein bisschen leid tat in ihrem Bemühen, weiter tapfer die Primadonna für die nach wie vor entfesselten Fans zu geben, die nahezu alles verzeihen. Mancher Ton geriet an diesem Abend etwas, aber peinigend zu tief, das übliche Gemaule ab der Mittellage, das kunstvolle Gesäusel, das glutvoll-expressives Singen nicht ersetzen kann, sind mittlerweile die am häufigsten bemühten Mittel aus der Trickkiste, in der Schlussszene legte sie sich fast alle Töne in die bequeme Höhenlage, in der die Stimme am tragfähigsten ist, unterbrach Bellinis wunderbare Linien durch Bravourmätzchen, die natürlich immer noch funktionieren, durch ewig ausgesponnene, wie aus dem Nichts sich entwickelnde Tönchen im Pianissimo und drunter. Man hätte sich gern einfach nur einmal zurückgelehnt und nicht gezittert, ob und wie es noch geht, hätte sich gern berauschen lassen von dieser ja durchaus wirkungsvollen, hinreißenden Musik.


Vergrößerung

Isoletta (Veronica Simeoni) kann mit Arturo (Dario Schmunck) nicht glücklich werden, solange dieser sich nicht von der geheimnisvollen Alaide (Edita Gruberova) gelöst hat.

Dario Schmuncks Arturo kennt man aus der erwähnten Opera-Rara-Aufnahme mit der schwachbrüstigen, blassen Patricia Ciofi, seine Stimme ist ein nicht mehr ganz junger lyrischer Tenor von einiger Beweglichkeit und Empfindsamkeit und hörbaren Grenzen, wenn es auch nur einen Hauch dramatischer zugeht - und damit keine Gefahr für die Diva, zumal auch er darstellerisch eher hausbacken und zurückhaltend unterwegs war.

Neben diesen beiden eher begrenzten, reifen Stimmen freute sich das Publikum umso mehr über den frischen, viril-markanten, leicht ansprechenden Bariton von Franco Vassallo, der als Valdeburgo zudem auch fesch aussah und bewies, warum er bereits an den bedeutensten Häusern der Welt engagiert war respektive dort bald debütieren wird. Sehr ordentlich sang und sehr sorgfältig gestaltete Veronica Simeoni die Szenen der Isoletta, wenn auch nicht so bezwingend und erstklassig wie die bedeutende Elena Zilio neben der Scotto. Reinhard Mayr gab den Priore mit etwas ungeschlacht eingesetzten Bass, aber einiger szenischer Präsenz, Benjamin Bernheims Tenor machte Appetit auf mehr.

Fabio Luisi (ja, ja, an diesem Haus dirigiert der Chef selber die seltene Belcantooper, das verdient ein besonderes Lob) hatte im Vorfeld versprochen, an der einen oder anderen Stelle Bellini zu helfen, wenn die Orchestrierung einmal wieder ein wenig dürftig sein sollte, aber tatsächlich stellte er sich ganz in den Dienst des Stars und hielt das Spiel der grundsätzlich ja sehr guten Philharmonia Zürich so leise, dass man sich doch ein wenig mehr Farbenreichtum gewünscht hätte.


FAZIT

Das war ein merkwürdiger, problematischer, beklemmender Abend, der einem die Schwäche alles Zeitlichen so recht bewusst machte, auch den Fans, die mit ihrem Getöse wohl eher die eigene Traurigkeit übertönen und ihrer Primadonna für das Lebenswerk als für die Abendleistung danken wollten. Edita Gruberova indes reiht sich beklagenswerterweise in die unglückliche Tradition von Sängerinnen ein, die durch übermäßiges Ausdehnen der Karriere eben jene zerstören. Und: Solange das Gegenteil nicht bewiesen ist, bleibe ich dabei, dass konzertante Aufführungen dieser Oper ab und zu vollkommen ausreichen.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Fabio Luisi

Inszenierung
Christoph Loy

Bühnenbild
Annette Kurz

Kostüme
Ursula Renzenbrink

Lichtgestaltung
Franck Evin

Choreinstudierung
Jürg Hämmerli

Dramaturgie
Thomas Jonigk
Kathrin Brunner



Chor der Oper Zürich

Statistenverein am
Opernhaus Zürich

Philharmonia Zürich


Solisten

Alaide
Edita Gruberova

Isoletta
Veronica Simeoni

Graf Arturo di Ravenstel
Dario Schmunck

Baron Valdeburgo
Franco Vassallo

Osburgo
Benjamin Bernheim

Il Signore di Montolino
Pavel Daniluk

Il priore degli Spedalieri
Reinhard Mayr





Weitere
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Opernhaus Zürich
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