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Der fliegende Holländer

Romantische Oper in drei Aufzügen
Text und Musik von Richard Wagner

In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 30' (keine Pause)

Koproduktion mit dem Teatro alla Scala und der Norwegischen Staatsoper Oslo
Premiere im Opernhaus Zürich am 9. Dezember 2012


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Opernhaus Zürich
(Homepage)
Hohe Wellen und das Feuer Afrikas

Von Roberto Becker / Fotos © T + T Fotografie Toni Suter + Tanja Dorendorf


Gibt es überhaupt ein Opernhaus, das in dieser Spielzeit keine Verdi- oder Wagneroper auf dem Programm hat? Wenn, dann wäre das ein kühnes Ausscheren aus dem europäischen Mainstream. Und auch ein bisschen ungerecht, denn Verdi und Wagner verdankt die Oper, auch zweihundert Jahre nach deren Geburt, immer noch extrem viel. In Zürich hat sich der neue Intendant Andreas Homoki die Freiheit genommen, seine erste eigene Inszenierung im Amt mit einem glänzend bestückten Fliegenden Holländer zu absolvieren. Die Vorgänger-Inszenierung der Opernlegende Ruth Berghaus war hier lange im Programm und dürfte den Zuschauern noch gegenwärtig sein. Aber Furcht vor großen Namen muss sich Homoki ja nicht nachsagen lassen, die hatte er auch an der Komischen Oper  nie.

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Ein seltsames Paar - Senta und der Holländer

Sein Fliegender Holländer ist mit der Mailänder Scala und der Oper in Oslo koproduziert. Und gemessen an dem musikalischen und vokalen Orkan, mit dem die Seefahrer- und Erlösungssaga in Zürich über die Bretter fegte und das ziemlich schmuckschatullige Haus am Zürichsee geradezu wackeln ließ, dürfte er auch in diese deutliche größeren Häuser gut hinein passen. Dennoch vergeht einem weder das Hören noch das Sehen. Der bei manchen als schwierig geltende, aber als Sänger schlichtweg umwerfende Bryn Terfel ist als Holländer schon etwas Besonderes. Den müsste auch ein weit entfernter Erlösungsengel hören. Und sofern eine menschliche Stimme das eben kann, vermag er auch eine Vorstellung vom Zusammenkrachen der Welt zu vermitteln, die er in seinem Auftritts-Monolog beschwört. Aber das geht so weiter, denn er schachert mit einem Daland, mit dem Matti Salminen immer noch eine Bühne zu füllen vermag. Und da Anja Kampe als dramatisch sehnsuchtsvolle Senta mit von der Partie ist, werden auch der wacker durchhaltende Marko Jentzsch als Erik und die mezzosatte Liliana Nikiteanu als Frau Mary vom Pultkapitän auf hoch peitschender Holländer-See, Alain Altinoglu, einfach mitgerissen. Mag sein, dass das eigentlich alles eine Nummer zu groß dimensioniert ist, aber es sitzt und es macht Freude.

Vergrößerung in neuem Fenster Das "andere" immer fest im Blick: Senta

Der szenische Ansatz von Homoki bereichert die auf der Hand liegende Verlegung der Geschichte in das merkantil und kolonisatorisch agile 19. Jahrhundert, den man so oder so ähnlich schon oft gesehen hat, um einen Blick auf das Objekt der Seefahrerbegierde der Dalands & Co. Diese Reederei hat offenbar Afrika im Visier. Der Chef hat einen schwarzen Diener, der aussieht wie aus der Schokoladen-Reklame, und auf entsprechenden Landkarten sind all jene Plätze markiert, an denen man offenbar schon erfolgreich gelandet ist. Der Kuhhandel Schätze gegen Tochter wird hier zunächst zum Synonym für einen geschäftlichen Coup, denn die Karte, die erst den halben Kontinent zeigte, muss jetzt durch die von ganz Afrika ausgetauscht werden.

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Der Holländer - ein Fremdling in der Reedereizentrale

Doch dann, wie aus dem Unterbewussten, schlagen die Kolonisierten zurück. Zu den Geisterstimmen der Holländer Mannschaft gerät der Schwarze Kontinent in Flammen und der Diener ist plötzlich seiner europäischen Kleidung ledig ein Krieger mit Kriegsbemalung, der sich auf die eigenen Kräfte besinnt. Als Imagination ist das ebenso unheimlich wie die Bewegung, die manchmal die Wellen auf den Ölschinken an der Wand erfasst, oder das plötzliche Einfrieren der Bewegungen. Am Ende erschießt sich Senta mit Eriks Flinte. Für sie war jene andere Welt des Holländers mit ihren unerledigten Rechnungen eine viel stärkere Wirklichkeit als die Welt der Firma ihres Vaters, aus der uns Wolfgang Gussmanns holzgetäfelte Bühne nie wirklich entlässt. Das Publikum versucht sich mit einem Beifallsorkan zu bedanken. Hatte aber keine Chance gleichzuziehen.


FAZIT

Dieser Fliegende Holländer setzt in einem soliden szenischen Rahmen vor allem auf die Durchschlagskraft seiner Protagonisten. Und hat damit Erfolg.



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Alain Altinoglu

Inszenierung
Andreas Homoki

Bühne
Wolfgang Gussmann

Kostüme
Susana Mendoza
Wolfgang Gussmann

Licht
Franck Evin

Chor
Jürg Hämmerli

Dramaturgie
Werner Hintze


Chor Zugüger der Oper Zürich

Chor der Oper Zürich

Philharmonia Zürich


Solisten

Senta
Anja Kampe

Frau Mary
Liliana Nikiteanu

Holländer
Bryn Terfel

Daland
Matti Salminen

Erik
Marco Jentzsch

Steuermann
Fabio Trümpy

Dalands Diener
Nelson Egede

Weitere
Informationen

erhalten Sie vom
Opernhaus Zürich
(Homepage)



Da capo al Fine

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