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Ein Maskenball (Un ballo in maschera)

Oper in drei Akten
Text von Antonio Somma nach dem Drama Gustave III ou le Bal Masqué von Eugène Scribe
Musik von
Giuseppe Verdi

in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 45' (eine Pause)

Premiere im Opernhaus Wuppertal am 24. Februar 2013


Logo: Wuppertaler Bühnen

Wuppertaler Bühnen
(Homepage)
Maskenball ohne Schnickschnack


Von Thomas Molke / Fotos von Uwe Stratmann

Auch die Wuppertaler Bühnen leisten ihren Beitrag zum großen Verdi-Jubiläumsjahr. Fast genau 154 Jahre nach der Uraufführung in Rom gibt es im Opernhaus ein Werk, das heutzutage nicht mehr aus dem Repertoire wegzudenken ist und bei dem man kaum noch nachvollziehen kann, welche Steine die damalige Zensur Verdi in den Weg legte, bevor die Oper nach endlosen Streitereien mit den Behörden, die zu zahlreichen Änderungen führten, schließlich doch noch am 17. Februar 1859 unter dem Titel Un ballo in maschera zur Aufführung gelangte. Dabei wurde aus dem schwedischen König Gustaf III., der 1792 an den Folgen eines während eines Maskenballs verübten Attentats starb, Riccardo Conte di Warwick, der Gouverneur von Boston zur Zeit der englischen Herrschaft, der von seinem besten Freund Renato, in der historischen Vorlage René Anckarström, auf einem Maskenball erschossen wird, weil dieser fälschlicher Weise glaubt, dass seine Frau Amelia ihn mit Riccardo betrogen habe, und sich deshalb mit den Verschwörern verbündet.

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Riccardo (Felipe Rojas Velozo, vorne) freut sich darauf, auf dem Maskenball Amelia wiederzusehen (im Hintergrund vordere Reihe von links: Tom (Martin Js. Ohu, zweiter von links) und Samuel (Olaf Haye), mittig: Oscar (Elena Fink), hinten links vom Thron: Renato (Kay Stiefermann) mit dem Chor und Extrachor).

Während seit 1935 immer mal wieder der Versuch gewagt wird, die Handlung nach Schweden zurückzuverlegen und die Urfassung unter dem Titel Gustavo III. zu spielen, und in Zeiten des Regietheaters hin und wieder eine psychologische Umdeutung des Werkes zu erleben ist, verzichtet das Regie-Team um den Opernintendanten der Wuppertaler Bühnen, Johannes Weigand, auf eine spektakuläre Neuinterpretation und begnügt sich damit, die Geschichte relativ librettonah zu erzählen. Damit sorgt man zwar vielleicht nicht für große Schlagzeilen in der überregionalen Presse, stellt aber den größten Teil des Publikums zufrieden, was in Zeiten eines ständig geringer werdenden Kulturetats nicht unterschätzt werden sollte. Schließlich ist gerade für den Erhalt eines Theaters mit allen Sparten die Solidarität des Publikums von großer Bedeutung, wenn die Frage gestellt wird, wie viel Kultur und welches Angebot eine Stadt denn eigentlich benötigt. Von daher ist es von Weigand sehr geschickt, nicht nur einen Renner wie den Maskenball auf den Spielplan zu stellen, sondern auch noch eine Inszenierung zu präsentieren, die die Erwartungen des Publikums erfüllten dürfte.

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Ulrica (Zdravka Ambric) beschwört die Geister der Unterwelt (im Hintergrund: Chor und Silvano (Miljan Milović)).

Die Kostüme von Judith Fischer sind dabei opulent und nahezu historisierend gehalten. Welche Vielfalt sie beim Maskenball im letzten Akt mit weißen Barockperücken und den obligatorischen schwarzen Masken auf die Bühne stellt, ist für den Betrachter eine wahre Augenweide. Der blaue Samtmantel mit weißem Fellkragen lässt Riccardo im ersten Akt regelrecht königlich erscheinen, während Fischer bei den anderen Figuren mit Ausnahme von Oscar auf leuchtende Farben verzichtet und diese in tristem Grau oder dunklen Farbtönen ausstattet. Die Wahrsagerin Ulrica wirkt mit der wilden Lockenmähne und ihrem mit braunem Fell besetzten langen Kleid wie ein Fremdkörper in dieser Gesellschaft. Die Opulenz der Kostüme sucht man im Bühnenbild von Moritz Nitsche allerdings vergeblich. Ein bisschen gewinnt man den Eindruck, dass hier wieder demonstriert werden soll, dass das Haus kein Geld zur Verfügung hat. Natürlich erwartet man keine Ausstattung wie an der Met, aber muss man denn unbedingt auf die nackten Wände der Theaterbühne schauen? Muss dem Zuschauer denn durch die sichtbare Technik im Hintergrund die Illusion geraubt werden, die durch die Kostüme aufgebaut wird? Ein paar einfache schwarze Vorhänge hätten doch gereicht, so wie der kunstvoll angebrachte grüne Vorhang im ersten Bild des dritten Aktes, der von Renatos Zimmer, in dem er die Verschwörer empfängt, in die hinteren Gemächer führt, oder die nach hinten ansteigenden Rahmen im ersten Akt, die den Palast Riccardos mit einem mondänen Thron einrahmen.

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Renato (Kay Stiefermann) ist überzeugt, dass Amelia (Melba Ramos) ihn mit Riccardo betrogen hat.

Musikalisch lässt der Abend keine Wünsche offen. Felipe Rojas Velozo wird zwar als stark erkältet angesagt, meistert die Partie des Riccardo allerdings mit tenoralem Glanz, auch wenn sich die grippale Angeschlagenheit nicht ganz verbergen lässt. Mit großer Leidenschaft präsentiert er im ersten Akt seine Arie "La rivedrà nell'estasi", in der er seiner Freude darüber Ausdruck verleiht, die von ihm begehrte Amelia auf dem Maskenball wiederzusehen. Auch das Duett mit Melba Ramos im zweiten Akt, in dem sich Riccardo und Amelia ihre Liebe gestehen, entwickelt sich zu einem musikalischen Höhepunkt des Abends, wobei Weigand die Personenregie allerdings hier recht statisch ansetzt. Die große Arie im dritten Akt, in der Riccardo beschließt, auf Amelia zu verzichten und sie stattdessen mit Renato nach England zurückzuschicken, transponiert Velozo mit Rücksicht auf seine Erkältung nach unten und schafft es so, diese Szene ebenfalls musikalisch und szenisch eindringlich zu gestalten. Elena Fink präsentiert als Page Oscar einen quirligen Gegenpart zu Riccardo und punktet mit treffsicheren Koloraturen und überzeugendem Spiel.

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Riccardo (Felipe Rojas Velozo, Mitte liegend) nimmt sterbend Abschied von seinem Gefolge (links von ihm: Oscar (Elena Fink), rechts daneben: Renato (Kay Stiefermann), auf der rechten Seite: Amelia (Melba Ramos), im Hintergrund: Chor und Extrachor).

Zdravka Ambric begeistert als Ulrica mit hervorragenden Tiefen bei ihrer Beschwörung der Geister der Unterwelt. Interessant ist Weigands Ansatz, Riccardo mit seinem Gefolge aus dem Bühnenboden zu Ulrica emporsteigen zu lassen, während sie an der Rampe steht. Somit wird die Wahrsagerin vor den anderen erhöht und ihrer Prophezeiung ein größeres Gewicht eingeräumt. Ensemblemitglied Kay Stiefermann kann mit der Partie des Renato seinem umfangreichen Repertoire nach dem Holländer eine weitere großartige Charakterpartie hinzufügen. Neben seinem fulminanten Bariton begeistert vor allem der bewegende Wandel vom treu ergebenen Freund zum erbitterten Feind, nachdem er sich selbst als Betrogener sieht. Als Amelia konnte Melba Ramos gewonnen werden, die nach vielen Jahren wieder an ihre alte Wirkungsstätte zurückgekehrt ist und nun Zeugnis davon ablegt, dass ihr lyrischer Sopran sich in dramatische Richtung weiterentwickelt hat. Mit großem Pathos gestaltet sie im zweiten Akt ihre Arie "Ecco l'orrido campo", wenn sie um Mitternacht das Zauberkraut sucht, das sie von ihren Gefühlen für Riccardo befreien soll. Die Interpretation ihrer Arie im dritten Akt "Morrò, ma prima in grazia", in der sie ihren Mann darum bittet, vor ihrem Tod noch einmal ihren geliebten Sohn umarmen zu dürfen, löst beim Publikum einen regelrechten Begeisterungssturm aus.

Florian Frannek zaubert mit dem Sinfonieorchester Wuppertal einen beschwingten Verdi-Klang aus dem Orchestergraben, und auch der von Jens Bingert einstudierte Chor präsentiert sich homogen und spielfreudig. Gleiches gilt auch für die weiteren kleineren Partien, aus denen vor allem Martin Js. Ohu als Verschwörer Tom mit markantem Bass hervorsticht. So gibt es am Ende lang anhaltenden und verdienten Applaus für alle Beteiligten.

FAZIT

Weigand beschert dem Publikum mit einer großartigen Besetzung einen rundum stimmigen Maskenball, der Garant für ausverkaufte Vorstellungen sein dürfte.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Florian Frannek

Inszenierung
Johannes Weigand

Bühne
Moritz Nitsche

Kostüme
Judith Fischer

Licht
Fredy Deisenroth

Choreinstudierung
Jens Bingert

Dramaturgie
Johannes Blum
 

Opern- und Extrachor der
Wuppertaler Bühnen

Studierende der Hochschule
für Musik und Tanz Köln,
Standort Wuppertal

Sinfonieorchester Wuppertal


Solisten

*Besetzung der Premiere

Riccardo, Graf von Warwick
Felipe Rojas Velozo

Renato, sein Freund und Sekretär
Kay Stiefermann

Amelia, dessen Gattin
Melba Ramos

Ulrica, eine Wahrsagerin
Zdravka Ambric

Oscar
*Elena Fink /
Dorothea Brandt

Silvano, Matrose
Miljan Milovi
ć

Samuel, Offizier, Verschworener
Olaf Haye

Tom, Offizier, Verschworener
Martin Js. Ohu

Der Oberrichter
Mario Trelles Diaz

Ein Diener Amelias
Se-Hyuk Im


Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Wuppertaler Bühnen
(Homepage)



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