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Musiktheater
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Salome

Musikdrama in einem Aufzug
Libretto von Richard Strauss nach Oscar Wildes gleichnamigem Schauspiel
Musik von Richard Strauss

in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 1h 45' (keine Pause)

Premiere im Großen Haus des Theater Münster am 18. Mai 2013

              
Logo: Theater Münster

Theater Münster
(Homepage)
„Ohne Richard Strauss gibt es kein Hollywood“

Von Ursula Decker-Bönniger / Fotos von Jochen Quast

„Ich habe deinen Mund geküsst, Jochanaan“ fantasiert Salome - sich beständig wiederholend, selbst bestätigend. Dabei blickt sie verklärt ins Publikum und hält liebevoll den abgeschlagenen Kopf des Jochanaan an ihren Körper gedrückt. Rechts und links von ihr zwei weitere Tote, darunter der Page, der von viel Schreibpapier umgeben eine Dichterfigur der symbolistischen Pariser Salonkultur des 19. Jahrhunderts darstellen könnte. Salome hat sich inzwischen mit ihrem Kopf in die Badewanne zurückgezogen. Derweil erhebt sich Herodias aus ihrem Rollstuhl und beginnt die ersten aufrechten Gehversuche - vorsichtig, mit einem zarten Lächeln auf den Lippen.  Und schließlich wird Herodes selbst zum Mörder seiner Stieftochter. Von plötzlichem Hass und Überdruss übermannt hält er ihren Kopf unter Wasser mit den Worten „Man töte dieses Weib.“

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Die Verführung des Herodes, Szene aus dem Tanz der sieben Schleier

Packend wie ein guter Film ist die münstersche Neuinszenierung des 1905 uraufgeführten Beziehungsdramas Salome von Richard Strauss. Mit einfühlsamer, differenzierter Personencharakterisierung und bewegenden Bildern, die immer die Straußsche Komposition aus sprechenden Klangfarben und Leitmotiven im Blick behält, hat Regisseur Georg Köhl ein anrührendes Gesamtkunstwerk gezaubert, das den Spannungsbogen nicht abreißen lässt. Die Inszenierung ist dem im April 2013 verstorbenen Kollegen Peter Werner gewidmet, der auch in Münster für Kostüme und Bühnenbild verantwortlich zeichnet. Er hat die Bühne in einen Zerstörung, Brüchigkeit und Auflösung symbolisierenden, weißen Raum verwandelt. Köhl stellt der in verführerischem, leicht durchsichtigen Glitzerkleid gewandeten jungen Frau die kleine Salome an die Seite. Szenen von Amour fou wechseln mit Bildern kindlicher Unschuld. Zu Beginn der dritten Szene belauert sie ihn, kriecht, robbt an ihn heran, liegt unter ihm, um ihn ganz nah zu betrachten. Und auch Jochanaan ist anfangs von ihrer kindlich-naiven Neugier fasziniert, kniet vor ihr nieder oder hält ihre Hand. Am Ende dieses langen Liebes- und Hassduetts ist die Nähe einer dem Gegenüber und Ich entfremdeten, getriebenen Amour fou gewichen.

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Herodes versucht seine Stieftocher von ihrem grausamen Wunsch abzubringen, während Herodias ihr aufmunternde Blicke zuwirft.

„Das Geheimnis der Liebe ist mehr als das Geheimnis des Todes“. In diesem Sinne widmet sich Köhl auch dem Beziehungsgefüge der übrigen Personen. Kippa und Gebetsmantel der Juden werden von Karnevalshütchen und Luftschlangen überdeckt. Herodias ist die von Männern begehrte, von Herodes in den Rollstuhl zurückgedrängte Grande Dame der Gesellschaft, die von Suzanne McLeod bruchlos zwischen herrischem Sprechton und Gesang wechselnd interpretiert wird. Narraboth wird von Youn-Seong Shim mit hell timbriertem, lyrischen Tenor dargestellt. Er verkörpert den in Salome verliebten jungen, sensiblen Hauptmann, während Lisa Wedekind mit wohlklingendem, lyrischen Mezzosopran die Rolle des ihn begehrenden Pagen der Herodias übernimmt. Herodes ist ein zwischen karnevaleskem Spiel und Wahnvorstellung changierender dekadenter Mensch, der von Adrian Xhema flexibel und differenziert gestaltet wird - Jochanaan, ein von Gregor Dalal stimmgewaltig präsentierter Rufer in der Wüste.

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Szene aus dem Liebes- und Hassduett von Jochanaan und Salome

Höhepunkt des grotesken Gesellschaftsgefüges ist der Tanz der sieben Schleier, den Köhl benutzt, um ein atemloses Salomepsychogramm – eine fesselnde, dadaistische Traumcollage aus asketischer Körperübung, angstbesetzten Alpträumen und romantischer Vereinigung zu entfalten. Das Ensemble wird dabei von zwei Tänzern bereichert, die die Darstellung des Jochanaan und Herodes übernehmen. Stars dieser fesselnden Inszenierung sind Fabrizio Ventura mit dem Sinfonieorchester Münster und die mit faszinierender schauspielerischer und sängerischer Bühnenpräsenz ausgestattete Annette Seiltgen als Salome. Ihr allein, ihrer facettenreichen,  komplexen Salome-Persönlichkeit galt zu Recht der erste Vorhang der Premiere. Dazu der die verschiedenen Leitmotive hervorhebende, farben- und kontrastreiche Klangrausch, den das Sinfonieorchester Münster unter der Leitung Fabrizio Venturas entfesselt. Wie Filmmusik kündigt sie an, zeigt Wendepunkte, konterkariert, überlagert und interpretiert das Geschehen. „Ohne Richard Strauß gibt es kein Hollywood.“ Dieser Satz Volker Schlöndorffs findet hier seine beeindruckende Umsetzung.

FAZIT

Eine Musik, Regie und Bühne gleichermaßen betreffende, stimmige, faszinierende Interpretation, Inszenierung und Darbietung des Musikdramas


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Produktionsteam


 

Musikalische Leitung
Fabrizio Ventura

Inszenierung
Georg Köhl

Bühne und Kostüme
Peter Werner (†)

Choreografie
Hans Henning Paar

Dramaturgie
Margrit Poremba

 

Statisterie
des Theater Münster

Sinfonieorchester Münster

Solisten

Herodes
Adrian Xhema

Herodias
Suzanne McLeod

Salome
Annette Seiltgen

Jochanaan
Gregor Dalal

Narraboth
Youn-Seong Shim

Page der Herodias
Lisa Wedekind

1. Jude
Mark Bowman-Hester

2. Jude
Jin-Chul Jung

3. Jude
Jaean Koo

4. Jude
Enrique Bernardo

5. Jude / 2. Soldat
Plamen Hidjov

1. Nazarener / 1. Soldat
Lukas Schmid

2. Nazarener
Lars Hübel

Cappadocier
Hee-Sung Yoon

Sklavin
Eva Lillian Thingbø

Double Herodes
Armin Biermann

Double Jochanaan
Tsutomu Ozeki

Die kleine Salome
Emma Heeke /
Janis Anna Schritt


Weitere Informationen

erhalten Sie vom
Theater Münster
(Homepage)



Da capo al Fine

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