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Romeo und Julia

Ballett von Robert North nach William Shakespeare
Musik von Sergej Prokofjew

Aufführungsdauer: ca. 2h 45' (zwei Pausen)

Repertoire-Aufführung im Theater Mönchengladbach am 29. Dezember 2012
(Premiere: 14.01.2012 im Theater Krefeld / Übernahme-Premiere im Theater Mönchengladbach am 11.11.2012)

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Theater Krefeld-Mönchengladbach
(Homepage)
Märchenhafte erste Liebe

Von Stefan Schmöe / Fotos von Matthias Stutte

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Romeo und Julia sind das vermutlich populärste Liebespaar unserer Kultur. Auch wenn in erster Linie William Shakespeare den beiden zu weltliterarischen Ehren verholfen hat, gibt es eine Reihe von älteren Varianten des Themas – das hat Robert North, Choreograph und Ballettdirektor am Theater Krefeld Mönchengladbach, darauf gebracht, den Stoff in einer nicht näher bestimmten Renaissance anzusiedeln. Dagegen ließe sich zwar einwenden, dass die Quellen ja bis in die Antike reichen (Shakespeare selbst hat die ganz ähnliche Geschichte von Pyramus und Thisbe aus Ovids Metamorphosen im Sommernachtstraum parodistisch verarbeitet), aber auf eine exakte historische Einordnung kommt es hier ohnehin nicht an. Allerdings sieht das Bühnenbild von Andrew Storer bei aller Renaissance-Motivik doch ein wenig nach Kaspertheater aus – mit ziemlich naiv und etwas zu bunt geratenen Bögen und Prospekten, die schnell im Schnürboden verschwinden können. So spielt diese Geschichte wohl doch eher in einem Märchenland.

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Das hat freilich System: Robert North hat das Ballett als hübsches Familienstück aus der Es-war-einmal-Zeit inszeniert (entstanden ist die Choreographie bereits 1990 in Genf) – mit offensichtlichem Erfolg: In der hier besprochenen (gut besuchten) Aufführung gab es viel junges und jüngstes Publikum - und stehenden Applaus nach einer mit fast drei Stunden (bei zwei Pausen) keineswegs kurzen, aber immer kurzweiligen Aufführung. North gelingt das Kunststück einer Choreographie, die sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht. Man kann dieses Ballett als spannende Erzählung mit toller Musik wahrnehmen oder auch als symbolische Geschichte einer ersten schwärmerischen Liebe.

Im ersten Pas de deux (am Schluss des ersten Aktes) erlebt man eine kindliche, bezaubernd übermütige Julia, die ihrem träumerischen Romeo immer wieder verspielt in die Arme fliegt und ihre Gefühle gar nicht begreifen will. Das ist vielleicht die stärkste Szene des Abends, und Elisa Rossignoli tanzt das mit viel jungmädchenhaftem Charme. Allessandro Borghesani ist ein träumerischer, dabei etwas unbestimmter Romeo – der hintersinnige Benvolio (Paolo Franco), noch mehr der vital draufgängerische Mercutio (Takashi Kondo) sind da die vielschichtigeren Figuren.

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Trotz der konventionellen Anlage wirkt North' Choreographie nie altbacken oder akademisch. Er verweist im Programmheft auf die weiche und fließende Darstellung von Bewegungen in Gemälden der Renaissance als stilbildendes Element, und das ist sehr schön gelungen. Es herrscht ein eleganter, sanft fließender Duktus vor, die Abläufe sind nie kraftmeierisch, und das gibt dem Abend etwas Leichtes, trotz des tragischen Stoffes (der von Shakespeare allerdings stärker satirisch gedacht worden sein dürfte und erst später seine tragische Umdeutung erfuhr).

Für eine recht kleine Compagnie (15 fest engagierte Tänzerinnen und Tänzer, hinzu kommen für diese Produktion ein paar Gäste) ist ein solches „großes“ Handlungsballett mit vielen Rollen und repräsentativen Ballszenen natürlich rein zahlenmäßig eine Herausforderung, und so erlebt man Ballettchef Robert North und Ballettmeisterin Sheri Cook als Lord und Lady Capulet sowie Dramaturgin Regina Härtling als Lady Montague auf der Bühne – nicht zuletzt das zeigt, mit welchem Engagement hier ein kleines Theater zu Werke geht. Opulenz, wie sie größere Ensemble etwa in der Ballszene zeigen können, ist in diesem Rahmen natürlich nicht möglich, was aber nicht allzu sehr ins Gewicht fällt.

Einstudiert hatte das Stück seinerzeit der damalige Generalmusikdirektor Graham Jackson, der im Sommer nach schwerer Krankheit verstorben ist. Am Pult der sehr gut aufgelegten Niederrheinischen Sinfoniker stand am hier besprochenen Abend Kapellmeister Andreas Fellner, der die Aufführung jederzeit souverän leitet. Dass er ein wenig die Wucht der Musik schuldig bleibt, passt zum Gestus der Inszenierung. Sehr schön hörbar werden dagegen die vielfältigen Klangfarben Prokofjews, und auch in den kleinen Notenwerten bleibt die Musik plastisch und konturiert.


FAZIT

Robert North choreographiert Romeo und Julia als sehenswertes und spannendes, ein bisschen harmloses Stück für die ganze Familie.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Alexander Steinitz
* Andreas Fellner

Choreographie
Robert North

Bühne und Kostüme
Andrew Storer

Choreographie-Assistenz
Sheri Cook

Dramaturgie
Regina Härtling


Ballett des Theaters
Krefeld und Mönchengladbach

Die Niederrheinischen Sinfoniker


Solisten

* Besetzung der rezensierten Aufführung

Julia Capulet
* Elisa Rossignoli /
Karine Andrei-Sutter /
Camilla Matteucci

Romeo Montague
Razvan Craciunescu /
* Alessandro Borghesani

Mercutio
Takashi Kondo

Tybalt
Emmerich Schmollgruber

Benvolio
Paolo Franco

Paris
* Razvan Craciunescu /
Alessandro Borghesani

Lady Capulet
Sheri Cook

Lord Capulet
Robert North

Amme
Alicia Fossati

Commedia dell' arte
Razvan Craciunescu /
* Camilla Matteucci /
Alessandro Borghesani /
* Abine Leao Ka /
Karine Andrei-Sutter /
* Fabio Toraldo

Einwohner
Razvan Craciunescu /
Alicia Fossati /
* Victoria Hay /
* Camilla Matteucci /
Elisa Rossignoli /
Alessandro Borghesani /
Abine Leao Ka /
* Jorge Yen /
* Teresa Levrini /
Karine Andrei-Sutter /
* Yasuko Mogi /
* Fabio Toraldo /
Malina Fettkenheuer /
* Polina Petkova /
Luca Ponti /
* Stefanie Ringler /
* Amelie Pichlkastner
* Raphael Peter





Weitere
Informationen

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Theater Krefeld-
Mönchengladbach

(Homepage)



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