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Le Villi

Oper in zwei Akten
Text von Ferdinando Fontana
Musik von Giacomo Puccini

Suor Angelica

Oper in einem Akt
Text von Giovachino Forzano
Musik von Giacomo Puccini


in italienischer Sprache mit Übertiteln
Aufführungsdauer: ca. 2h 30' (eine Pause)

Übernahme-Premiere im Theater Mönchengladbach am 20. Januar 2013

(rezensierte Aufführung: 22. Februar 2013)


Homepage

Theater Krefeld-Mönchengladbach
(Homepage)
Putzen, Bügeln und Marienkult

Von Michael Cramer / Fotos von Matthias Stutte


Erst knapp zwei Jahre nach der Premiere (unser Bericht) der ungewöhnlichen Kombination von Puccinis Erstlingswerk Le Villi (1884) und der späten Suor Angelica (1918) war die Produktion aus Krefeld nun auch in Mönchengladbach zu erleben. Die heftigen Proteste in beiden Premieren gegenüber der amerikanischen Regisseurin Beverly Blankenship - wohl aufgrund der überhart dargestellten Nonnen, der Sex-Szenen im Kloster und der blasphemischen Darstellung einer bar- und vollbusigen Maria am Kreuz - waren in der Presse übereinstimmend beschrieben. Neugierig fragte der Rezensent vor der Aufführung zahlreiche Besucher, wieweit man sich vorab informiert und auch wie weit der Protest bekannt sei. Ergebnis: praktisch nicht, kaum jemand wusste von der Kritik an der Inszenierung. Am Schluss dann einhelliger und protestfreier Applaus des Abo-Publikums – allerdings ohne das Erscheinen des Regieteams.

Vergrößerung in neuem Fenster

Le Villi

Das lag sicherlich auch an der musikalischen Seite des Abends; es ist immer wieder erfreulich zu erleben, auf welch hohem Niveau sich Wiederholungsaufführungen in kleinen Häusern bewegen können. MihkelKütson, neuer GMD aus Estland, hatte das Orchester hervorragend präpariert und im Griff, präzise in der Synchronisation und klanglichen Abstimmung mit der Bühne, glutvoll, mit sattem Klang und dennoch durchschaubarem feinem musikalischem Gewebe und flexibler Dynamik.

Neu im Sängerteam gegenüber der Krefelder Besetzung war Johannes Schwärsky; sein beweglicher Bariton war saftig und ausdrucksstark wie auch sein Spiel, eine gelegentlich angestrengte Höhe war leicht zu verschmerzen. Die Titelrolle in Suor Angelika, sonst von der hoch gelobten Dara Hobbs dargestellt, sang am besuchten Abend die junge Polin Izabela Matula, eindrucksvoll in Stimme und Rollengestaltung der schwierigen Partie, mit höhensicherem, gut geführtem schönen Sopran. Die übrigen Neubesetzungen betrafen die kleineren Rollen, allesamt ohne Tadel.

Vergrößerung in neuem Fenster Suor Angelica: Hier Dara Hobbs als Angelica (links) und Eva Maria Günschmann als böse Tante

Auch szenisch erlebte der Rezensent einen außerordentlich eindrucksvollen Abend mit einer sehr sinnträchtigen Vereinigung der beiden Kurzopern, mit herber Kritik an hierarchischen Strukturen in Klöstern, auch optisch drastisch dargestellt durch die Kleidung und die Farbgebung, mit mahnendem Zeigefinger zu den verkrusteten und menschenverachtenden gesellschaftlichen Strukturen wie etwa dem grausigen Umgang mit ledigen Schwangeren und Müttern. Aber auch mit der Zucht, Missbrauch und Ausbeutung in Klöstern, mit ständig schrubbenden, waschenden und bügelnden jungen Frauen; der berühmte Tanz der Villi als beklemmender Reigen der Wäschestücke. Sinnfällig dann die barbusige Maria am Kreuz, erotisch wie die spitz ausgeprägten Büstenhalter der Nonnen, die einem extatischen Marienkult frönen: Jesus ist hier eigentlich nicht so wichtig. Das sichtlich beeindruckte Publikum verließ weitgehend still das Haus.


FAZIT

Eine beeindruckende Übernahme der Krefelder Produktion, szenisch, musikalisch und sängerisch auf sehr lobenswertem Niveau.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Mihkel Kütson

Inszenierung
Beverly Blankenship

Bühne
Christian Floeren

Kostüme
Susanne Hubrich

Choreographie
Teresa Rotemberg

Chor
Maria Benyumova

Dramaturgie
Andreas Wendholz


Chor des Theater
Krefeld und Mönchengladbach

Bewegungsensemble und
Statisterie des Theater
Krefeld und Mönchengladbach

Die Niederrheinischen Sinfoniker


Solisten

* Besetzung der Premiere

Le Villi

Guglielmo
Johannes Schwärsky

Anna
Janet Bartolova

Roberto
Kairschan Scholdybajew

Suor Angelica

Suor Angelica
Izabela Matula

Die Fürstin, Angelicas Tante
Satik Tumyan

Die Äbtissin
Katharina Ihlefeld

Schwester Eiferin
Margriet Schlössels

Die Lehrmeisterin der Novizen
Bong-Kil Lee

Schwester Genoveva
Lisa Katarina Zimmermann

Schwester Osmina
Ariane Gdanitz

Schwester Dolcina
Sabine Sanz

Schwester Pflegerin
Charlotte Reese

1. Almosensucherin
Maria Gurzynska

2. Almosensucherin
Birgitta Henze

Novizin
Pia Melenk

1. Laienschwester
Christina Heuten

2. Laienschwester
Nele van Deyk



Weitere
Informationen

erhalten Sie vom
Theater Krefeld-
Mönchengladbach

(Homepage)



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