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Götterdämmerung

Dritter Tag des Bühnenfestspiels Der Ring des Nibelungen
Text und Musik von Richard Wagner


Aufführungsdauer: ca. 5h (zwei Pausen)

Koproduktion Koproduktion mit der Oper Halle
Premiere am 30. November 2012 im Theater im Pfalzbau Ludwigshafen

Homepage

Theater im Pfalzbau Ludwigshafen
(Homepage)

Nichts Neues hinterm Stichwortvorhang

Von Joachim Lange / Fotos von Gerd Kiermeyer


Das kommt davon, wenn man vor der Zeit wissen will, wie es ausgeht! In Halle dauert es ja noch eine Weile, bis die Götterdämmerung den Nibelungen-Ring rundet. Denn diesmal war wieder, wie schon beim Rheingold, der Kooperationspartner Ludwigshafen mit der Premiere dran. Doch wer sich nun nach dem originellen Rheingold-Einstieg, der furios durchstartenden Walküre und dem alles in allem soliden Siegfried auf eine Götterdämmerung freute, die vielleicht noch eine deutliche Blickerweiterung ins Politische oder ein reflektierendes Resümee, jedenfalls etwas über eine bloße Variation der eingeführten Bilder, Zeichen und Figuren hinausgeht, hoffte, wurde enttäuscht.

Szenenfoto

Siegfried (Andreas Schager) und Brünnhilde (Lisa Livingston)

Natürlich ist der Ring ist ein besonders schwieriges Unterfangen und kaum ein Exemplar kann in allen seinen Teilen ein gleichmäßig hohes musikalisch szenisches Niveau für sich reklamieren. Da geht es München und Frankfurt nicht anders zu als eben in Halle oder Ludwigshafen. Wobei die Wagnerianer in Ludwigshafen im drei Kilometer entfernten Mannheimer Theater eine Alternative mit Achim Freyers gerade beim Siegfried angekommenen Ring quasi vor der Haustür. Und die Hallenser müssen nur eine halbe Stunde bis nach Dessau, wo eine Art Bauhaus-Ring mit der Götterdämmerung begonnen hat. Das Jahr 2012 bietet diesen deutschen Wagner Luxus jedenfalls noch – der viel beschworene Kulturinfarkt lässt sich damit nicht belegen.

Szenenfoto

Immerhin erfüllte Andreas Schager alle Erwartungen, die er mit seinem fulminanten Siegfried im gleichnamigen Ring-Teil geweckt hatte, auch hier. Es ist an sich schon eine Ausnahmeleistung, dass ein Sänger beide Siegfried-Partien in einer Produktion stemmt. Hier ist es ein Glücksfall - auch für die Bundes-Reserve an deutschsprachigen Wagnertenören - dass Schager auch den Götterdämmerungs-Siegfried hochsouverän bewältigt. Strahlkraft und Eloquenz ohne Konditionsschwäche, Spielfreude und darstellerisches Charisma vereinen sich bei ihm aufs Beste. Schade nur, dass er bei Hansgünther Heyme etwas einseitig auf den Sonnyboy mit nackter Brust und langem Mantel festlegt und ihn damit darstellerisch notorisch unterfordert.

Doch leider macht eben ein Siegfried der Extraklasse noch keine Götterdämmerung aus. Auch wenn er eine kraftvolle und sich im Schlussgesang beeindruckend steigernde Brünnhilde wie Lisa Livingston und ein eingespieltes Ensemble anführt. Mit Gerd Vogel etwa, der natürlich als Gibichung Gunther seine ganze darstellerische Präsenz einbringt, stellenweise sogar seinen scheußlichen rotem Morgenmantel vergessen lässt und stimmlich bis an seine Grenzen geht. Wobei er auch noch den Alberich bei dessen raunender Begegnung mit seinem finsteren Sohn Hagen singt und dieses „Schläfst du, Hagen, mein Sohn?“ zu einem Kabinettstück macht. Auch Anke Berndt als Siegfrieds kurzzeitige Braut Gutrune und Christoph Stegemanns sehr wohlklingender, stimmlich allerdings etwas zu klein dimensionierter Hagen und die eloquente Gundula Hinz als Waltraude werfen sich (ebenso wie die Nornen und Rheintöchter) für diese „Götterdämmerung“ vehement ins Zeug.

Szenenfoto

Und doch ist ausgerechnet der letzte der schwächste Teil der Tetralogie. Heyme setzt wieder auf das Spiel mit dem viel (respektive auf Dauer doch nicht so viel) sagenden Stichwort-Vorhang, platziert die alles zusammenfassenden Nornen an der Rampe, greift das Liebeslager für Brünnhilde und Siegfried aus der vorigen Oper wieder auf und deutet die Gibichungenhalle mit ein paar Sitz-Tribünen und einer Reihe von Reklamebannern an, auf denen die Götter überlebensgroß abgebildet sind und an denen immer dann gezogen wird, wenn von ihnen die Rede ist. Das spektakulärste am großen Weltuntergang ist dann ein ins Hintergrundfeuerchen entsorgtes Riesenfoto der Göttertruppe. Was erstaunlicherweise völlig danebengeht, sind die Massenszenen. Hagens Mannen marschieren (obendrein ziemlich unbeholfen geführt) als in Bonbon-Farben uniformierte Garde auf, die sich dann auch noch ihrer Hosen entledigt und mit den auf blond und germanisch getrimmten Chordamen eine unfreiwillig albern wirkende Orgie andeuten. Auch den Trauermarsch um den ermordeten Siegfried wird geradezu leichtfertig verschenkt. Erst reißen die beiden (hier völlig überflüssig wirkenden) Punk Kids ein Stück des Vorhangs herunter und bedecken damit umständlich den erschlagenen Siegfried. Dann marschiert der Chor eng gedrängt um die Heldenleiche herum. Die Spannung dieser grandiosen Trauermusik würde auch für sich stehen oder viel bescheidenere Gesten vertragen. Dass es selbst hier Wackler im Graben gab, war da noch das harmloseste. Auch das Schlussbild, mit dem sich dieses Ringprojekt verabschiedet, wirkt eher kraftlos. Die Kulissen zu drehen und das Ganze als Theater zu demaskieren, im Zuschauerraum das Licht angehen und dann den Chor stumm in slow-motion applaudieren zu lassen, ist eher ein Herausreden als eine Vision oder auch das Offenhalten der Fragen beim Schließen des Vorhangs.

Szenenfoto

Karl-Heinz Steffens hatte im Vorfeld davon berichtet, wie sehr sein Ludwigshafener Orchester an der Ring-Herausforderung gewachsen ist. Das mag sein, die Sänger jedenfalls überdeckte es nicht, was einen über weite Strecken wortverständlichen Gesang ermöglichte. Manchmal (wie bei Hagens Mannen-Chören) hätte man sich sogar noch etwas mehr martialische Kraft gewünscht. Das dürfte in Halle, schon durch das Haus, anders wirken. Nach der Ludwigshafener Götterdämmerung erweist es sich fürs Ganze doch als ein Vorzug (zumindest für die Zuschauer in Halle), dass ihr scheidender GMD diesen Ring mit beiden Orchestern einstudiert hat. Da müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn die Staatskapelle mit ihrem bewährten Opernstandard und der in den bisherigen drei Ringteilen erworbenen Wagnerkompetenz nicht noch einen Qualitätssprung an Sicherheit im Einzelnen und theatralischer Spannung und Geschlossenheit im Ganzen beizusteuern hätte, was dann auch über manche szenische Schwachstelle hinweghelfen dürfte. Also: zur Halleschen Premiere am 23. Februar trotzdem hingehen und sich selbst eine Meinung bilden!


FAZIT

Ein besonderer Ring ist so gut wie vollendet. Mit der Übernahme nach Halle bleibt die Chance, die musikalischen Qualitäten auch der Götterdämmerung noch besser herauszustellen. Wie schon im Siegfried ist Andreas Schagers Siegfried eine Entdeckung, die allein schon den Besuch lohnt.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Karl-Heinz Steffens

Inszenierung und Ausstattung
Hansgünther Heyme

Licht
Matthias Hönig



Chor der Oper Halle

Deutsche Staatsphilharmonie
Rheinland-Pfalz


Solisten

Siegfried
Andreas Schager

Gunther
Gerd Vogel

Hagen
Christoph Stegemann

Alberich
Gerd Vogel

Brünnhilde
Lisa Livingston

Gutrune
Anke Berndt

Waltraude
Gundula Hintz

Erste Norn
Ceri Williams

Zweite Norn
Gundula Hintz

Dritte Norn
Romelia Lichtenstein

Woglinde
Inses Lex

Wellgunde
Melanie Hirsch

Floßhilde
Sandra Maxheimer



Weitere
Informationen

erhalten Sie vom
Theater im Pfalzbau Ludwigshafen
(Homepage)

www.ring2013.de



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