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Musiktheater
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Ein Liebestraum

Dreiteiliger Ballettabend von Mario Schröder und Silvana Schröder

I. Wesendonck-Lieder

Musik von Richard Wagner nach Gedichten von Mathilde Wesendonck
Choreographie von Silvana Schröder

II. Lieder eines fahrenden Gesellen

Musik und Text von Gustav Mahler
Choreographie: Mario Schröder

III. Vorspiel aus Tristan und Isolde

von Richard Wagner

Corrente II für Orchester

von Magnus Lindbert

Liebestod aus Tristan und Isolde

von Richard Wagner, Orchesterfassung
Choreografie: Mario Schröder


In deutscher Sprache

Aufführungsdauer: ca. 1h 45' (eine Pause)

Premiere am am 12. April 2013 im Opernhaus Leipzig
(rezensierte Aufführung: 14. April 2013)


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Oper Leipzig
(Homepage)

Im Schatten der Erkenntnis

Von Roberto Becker / Fotos: Bettina Stöß

Auch in Leipzig kommt das Wagnerjahr langsam auf Touren. Die Entschlossenheit, mit des Meisters Feen ein frühes Opernkuriosum auszugraben, hat zwar nicht zu großem Kritikerlob, aber (wie man hört) zu ausverkauften Vorstellungen geführt. Wo man fast überall Parsifal oder gar den kompletten Ring zu hören bekommt (die Leipziger haben vor ihrer Haustür sogar zwei in Halle und Dessau), da erfüllt man den Wagnerianern offenbar einen Herzenswunsch nach Vollständigkeit, wenn man sich auch der Noch-nicht-Geniestreiche annimmt. Außerdem startet in Kürze der auf den letzten Jubiläumsjahr-Drücker doch noch angesetzte eigene Ring, der schon einiges bieten muss, um aus dem Schatten der kongenialen Nibelungen-Großtat von Joachim Herz aus den 70er-Jahren zu treten.

Szenenfoto Bei Mario Schröder füllt die Choreografie den gesamten Raum

Als Atempause liefert jetzt das Ballett seinen Tribut mit dem Dreiteiler Ein Liebestraum als geschwisterliches Gemeinschaftswerk von Mario und Silvana Schröder. Er ist der Ballettdirektor und Chefchoreograf in Leipzig, sie führt das Thüringer Staatsballett in Gera-Altenburg. Im ersten und zweiten Teil suchen erst sie in den autobiographisch aufgeladenen, von Katrin Göring gesungenen Wesendonck-Liedernund dann er in den vom Bariton Jonathan Michie interpretierten Liedern eines fahrenden Gesellen von Gustav Mahler nach jenen Spuren, die eigene Liebeserlebnisse der Komponisten in ihrer Musik hinterlassen haben.

Szenenfoto

Fang Yi Liu

Mario Schröder riskiert dann im dritten Teil mit dem Schritt ins so diffuse, eigentlich nur fühlbare Tristanland, an die Grenzen des Darstellbaren dieser Musik zu stoßen. Damit ringen auch die meisten Inszenierungen des gesamten Liebesopus von „Tristan und Isolde“ mehr oder weniger erfolglos. Aber es gelingt ihm erstaunlich gut, weil er sich in die Musik einfühlt, und für das magisch brodelnde Aufeinander-zu und Voneinander-weg der Liebenden eine optische Vision zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem findet. Das sieht dann so aus, dass beim musikalischen Einatmen des Orchesters erst „Sie“ (sagen wir: Isolde) in einem Lichtkegel kurz auftaucht, um gleich darauf wieder zu verschwinden, und „Er“ (sagen wir: Tristan) beim Ausatmen folgt. Wenn das Orchester dann auf die Liebesnacht des zweiten Aktes verweist, sieht man plötzlich alle Tänzer in einem warmen Licht nach dem Motto „Verweile doch, du bist so schön“ erstarrt verharren.

Szenenfoto Die Tristan-Musik wird zur Bewegung

Das ist offenbar von der Tag-und-Nacht-Metaphorik inspiriert, die bei dieser exemplarischen Liebe ja eine so große Rolle spielt. Es sind sehr schöne, unmittelbar aus dem musikalischen Pulsschlag erwachsende Bilder, die sich einprägen. Als Orchesterversion der Tristan-Musik Vorspiel und Liebestod zusammen als pars pro toto zu präsentieren, ist nichts Ungewöhnliches. Doch Schröder füllt den imaginären Abgrund zwischen Vorspiel und Liebestod mit einem Stück moderater Moderne. Magnus Lindbergs Corrente II für Orchester überbrückt mit seiner dunkel dräuenden, schlagwerklastigen Vitalität den betörend traurigen Anfang und die verklärende Weltflucht aus Liebe durchaus selbstbewusst, doch ohne Fremdeln.

Auch bei den Mahler-Liedern gelingt es Schröder, der bloßen Illustration des gesungenen Wortes zugunsten einer allgemeingültigeren tänzerischen Reflexion der Grundstimmung auszuweichen und den hochästhetisch abstrakten Raum von Peter Zoller adäquat zu vermessen.

Szenenfoto

Der fahrende Geselle aus Gustav Mahlers Liedern liegt erschöpft am Boden

Beim Auftakt des Abends mit den Wesendonck-Liedern trägt der magisch leuchtende Neon-Rahmen, der sich anhebt und dann langsam verformt, zur konzentrierten Wirkung der kammerspielartigen Annäherung des exemplarischen Paares bei. Fang Yi liu und Oliver Preiß erweisen sich hier als ausdrucksstarke Solisten. Fan Yi Liu verkörpert auch im zweiten Teil den Part eines personifizierten Gedankens im Wechselspiel mit den Ensemblegruppen „Reflexionen“, „Gesellen“ und „Die Frauen“. Im dritten Teil dann spielt das gesamte Ensemble aus lauter Paaren die Hauptrolle. Neben der Musik natürlich, die wie es sich gehört, live aus dem Graben kommt und von William Lacey am Pult des Gewandhausorchesters sensibel mit der Bühne koordiniert wird.


FAZIT

Mit dem dreiteiligen Abend Ein Liebestraum von Mario und Silvana Schröder überzeugt das Ballett mit einem ersten Beitrag zum Wagner-Schwerpunkt der Oper Leipzig im Jubiläumsjahr.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
William Lacey

Choreographien
Mario Schröder
Silvana Schröder

Bühne und Kostüme
Paul Zoller

Licht
Michael Röger

Dramaturgie
Johanna Mangold

Gewandhausorchester Leipzig

Solisten

I. Wesendonck-Lieder

Mezzosopran
Kathrin Göring

Tänzerin
Fang Yi Liu

Tänzer
Oliver Preiß

II. Lieder eines fahrenden Gesellen

Bariton
Jonathan Michie

Tänzerin „Ein Gedanke“
Fang Yi Liu

Ballett-Ensemble

III. Vorspiel aus Tristan und Isolde /
Corrente 2 / Isoldes Liebestod

Ballett-Ensemble





Weitere
Informationen

erhalten Sie von der
Oper Leipzig
(Homepage)



Da capo al Fine

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