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Musiktheater
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Street Scene

American Opera in zwei Akten
Libretto von Elmer Rice und Langston Hughes nach dem gleichnamigen Schauspiel von Elmer Rice
Deutsche Übertragung von Lys Smonette
Musik von Kurt Weill

in deutscher Sprache

Aufführungsdauer: ca. 2 h 30' (eine Pause)

Eine Kooperation mit der Bayerischen Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater und der Hochschule für Musik und Theater München.

Premiere im Großen Haus des Musiktheaters im Revier am 22. September 2012


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Musiktheater im Revier
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Eine Oper vom Broadway

Von Ursula Decker-Bönniger / Fotos von Pedro Malinowski (© Musiktheater im Revier)


Gibt es eine amerikanische Oper? In den 1920/30er Jahren hätte diese Frage einen Musiktheater begeisterten Amerikaner irritiert, vielleicht sogar erschreckt. Galt doch die Oper als "absolute Musik", als europäisches Kulturgut, während das Musiktheater der Amerikaner aus einem unterhaltsamen Gemisch von Musik und Theater, von Schauspiel, Operette, Revue und Varieté, von Liedern, Songs, Jazz und Ballett, kurz aus "musical plays", also Musicals bestand.

SzenenfotoHier werden alle wichtigen Neuigkeiten verhandelt: Greta Fiorentino (Christa Platzer, l.), Emma Jones  (Anke Sieloff) und Olga Olsen (Almuth Herbst)

Als Kurt Weill, aus Nazideutschland am 31. März 1933 vertrieben, im September 1935 in die USA emigrierte, war eines seiner großen Anliegen, die amerikanische Musiktradition um die Erfindung der amerikanischen Oper zu bereichern. Es galt eine "Broadway Opera" zu schaffen, ein "Volkstheater", dass thematisch ein sozial engagiertes, aktuelles Bild der amerikanischen Gesellschaft zeichnet und musikalisch die Gesetzmäßigkeiten der Oper ebenso berücksichtigt wie die des Musicals. Mit Ausnahme des Rezitativs sollten Arien, Duette etc., Ensembles, Orchesterzwischenspiele, Songs, Tanz und Dialoge so verknüpft und in die Handlung integriert sein wie in der Oper.

SzenenfotoFamilienaufstellung: Frank Murrant (Joachim G. Maaß) mit Tochter Rose (Dorin Rahardja) und Frau Anne (Noriko Ogawa.Yatake)

Mit der Komposition des 1947 erfolgreich uraufgeführten Werkes Street Scene ist Weill nicht nur dieses "Formproblem" gelungen. Zugleich benutzt er eine breite Stilvielfalt, ein wunderbar ineinanderfließenden Mix aus E- und U-Musik, aus Jazz, Blues, Musical-Stil und großer Oper. So erinnern bspw. die plakativen, dramatischen Akkordfolgen zu Beginn an Puccini-Opern, gehen über in jazzige, an Bebop erinnernde, zerrissene Passagen,  um im Blues-Stil die musikalisch passende Ausdrucksform für Hitze und Mattigkeit zu finden. Ebenso greift Weill durch die musikalische auch die ethnische Vielfalt und Charaktere der Protagonisten auf, zeichnet anschauliche Szenen über Alltag und soziales Miteinander eines heruntergekommenen New-Yorker Mietshauses.

Gil Mehmert, Heike Meixner und Steffi Bruhn verlegen die Szenen in eine nicht näher bezeichnete, mögliche Nachbarsiedlung um die Ecke.
Das wunderbar plakative Bühnenbild stellt eine umgekippte, ansteigende, grau verputzte Hauswand dar. Sie ist verfremdende, atmosphärisch ausgeleuchtete Tanz- und Spielfläche für die Kommunikation und Auseinandersetzung der Hausbewohner und Treppenhaus zugleich, um über Fenster und Balkone in die jeweilige Privatwohnungen einzusteigen. Auf ihr präsentieren sich die Protagonisten.

SzenenfotoLiebe ohne Zukunft: Rose Murrant (Dorin Rahardja) und Sam Kaplan (Lars-Oliver Rühl)

Oben im vierten Stock wohnen Maurrants, eine Etage tiefer auf der linken Seite schwingt Vater Kaplan sozialistisch-kommunistische Thesen vom Balkon, zeigt sich Tochter Shirley besorgt um die Karriere ihres Bruders, während Sohn Sam, Jurastudent, Bücherwurm und hoffnungslos verliebt, seine von der Familie unerwünschte Rose Maurrant vor dem Haus erwartet. In der ersten Etage rechts stört der werdende Vater Buchanan mit angstvollen Hilferufen die vor dem Haus klatschen- und tratschenden "Weiber" Greta Fiorentino, Emma Jones und Olga Olsen. Eingebettet in dieses "soziale Miteinander" erhält man auch Einblick in die Fluchtversuche und -wünsche der Jugendlichen, das Leiden und die Erniedrigungen, mit denen Ehemann Frank Maurrant seine Frau Anna verletzt und nicht zuletzt das schwierige Unterfangen der Tochter Rose, sich den Zudringlichkeiten ihres Vorgesetzten zu erwehren.

Besonders fantasievoll gestaltet ist die Szene, in der die Studenten der Folkwang Universität der Künste Essen Matthias Kumer als Dick McGann und Marie Lumpp als Mae Jones von neckendem Liebesspiel nahtlos in ballettartige, swingend leichte Tanzbewegungen auf der Hausfassade übergehen.

Da auch gesprochene Dialoge meistens melodramatisch untermalt sind, greifen - trotz des Nummerncharakters der Oper die verschiedenartig gestalteten Szenen ineinander, sodass eine abwechslungsreiche, unterhaltsame, auch Bewegungselemente miteinbeziehende Darbietung entsteht. Komik und Ernst stehen nebeneinander. Selbst die tragisch-dramatische Zuspitzung im zweiten Akt wirkt seltsam distanziert, sachlich-nüchtern erzählt. Während die Übertragung ins Deutsche in den Dialogen passende, ansprechende, jugendliche Formulierungen aufgreift, wirkt die deutsche Sprache in den musikalischen Nummern eher störend.

SzenenfotoEnsemble

Ob Swing, ob Blues, ob Arioso, Heiko Mathias Förster und die Neue Philharmonie Westfalen lassen die verschiedenen musikalischen Ausdrucksformen transparent und tempodifferenziert aufleuchten. Zwar werden die Sänger teilweise verstärkt und die Kinderrollen in dieser Inszenierung von Erwachsenen übernommen, was diese jedoch durch witziges, lebendiges Spiel ausgleichen. Anke Sieloff, Almuth Herbst und Christa Platzer sind ein munteres, bissiges, klangfarblich allerdings sehr ähnliches  Klatschtrio. Thomas Weber-Schallauer ist ein knorriger Abraham Kaplan. E. Mark Murphys heller Tenor stellt anschaulich den ängstlichen, werdenden Vater dar. Lars-Oliver Rühl überzeugt mal schlank intonierend, mal zart vibrierend als verliebter Sam. Joachim G. Maaß gibt ausdrucksstark den reaktionären,  im betrunkenen Zustand gewalttätigen Ehemann und späteren Amokläufer Frank. Noriko Ogawa-Yatake überzeugt als leidende, sich nach Liebe sehnende Anna Maurrant. Dorin Rahardjas weich grundierter, lyrischer Sopran charakterisiert ausdrucksstark die empfindsame Rose.



FAZIT

Zur wunderbaren Musik Kurt Weills gesellt sich eine passende, zwischen Ernst und Komik changierende Inszenierung.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Heiko Mathias Förster

Inszenierung
Gil Mehmert

Bühne
Heike Meixner

Kostüme
Steffi Bruhn

Choreografie
Ramses Sigl

Chor
Daniela Günther

Dramaturgie
Johanna Mangold
Juliane Schunke


Statisterie des Musiktheaters im Revier

Neue Philharmonie Westfalen


Solisten

Frank Maurrant
Joachim G. Maaß

Anna Maurrant
Noriko Ogawa-Yatake

Rose Maurrant
Dorin Rahardja

Willie Maurrant/ Mae Jones/ Polizist
Marie Lumpp*

Emma Jones
Anke Sieloff

George Jones/ Polizist/ ein Mann
Wolf-Rüdiger Klimm

Vincent Jones/ Marshall James Henry/ Polizist
Oliver Morschel*

Olga Olsen
Almuth Herbst

Carl Olsen/ Polizist
Michael Tews

Abraham Kaplan
Thomas Weber-Schallauer

Sam Kaplan
Lars-Oliver Rühl

Shirley Kaplan
Silvia Oelschläger

Lippo Fiorentino
William Saetre

Greta Fiorentino
Christa Platzer

Laura Hildebrand
Wiltrud Maria Gödde

Jennie Hildebrand/ Mrs. Buchanan
Silvia Oelschläger

Charly Hildebrand/ Polizist
Richard Salvador Wolff*

Henry Davis
Charles E. J. Moulton

Homeless Woman/ eine Frau
Sabina Detmer

Dick McGann/ Fred Cullen/ Polizist
Matthias Kumer*

Harry Easter/ Dr. John Wilson/ Officer Murphy
Michael Dahmen

Steve Sankey
Mark Weigel

Daniel Buchanan
E. Mark Murphy

Kindermädchen 1/ Frau von der Heilsarmee
Elise Kaufmann

Kindermädchen 2/ Frau von der Heilsarmee
Birgit Brusselmans

Myrtl/ Graduationsgirl
Katrin Bewer

Joan/ Graduationsgirl
Ann-Kristin Kuhn

Joanna/ Graduationsgirl/ Violinschülerin/ Polizist
Inga Krischke*

Grace/ Polizist
Yvonne Forster*

Joe/ Polizist
Matthias Günzel


*Studenten der Folkwang Universität der Künste Essen


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