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Tannhäuser und der Sängerkrieg
auf Wartburg


Romantische Oper in drei Akten
Dichtung vom Komponisten
Musik von Richard Wagner
Dresdner Fassung


in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3h 45' (zwei Pausen)

Premiere im Opernhaus Düsseldorf am 4. Mai 2013

Besuchte Vorstellung:
Konzertante Aufführung am 30. Mai 2013


Homepage

Deutsche Oper am Rhein
(Homepage)
Nochmal Tannhäuser

Von Thomas Tillmann /

Ziemlich blass ist die Kopie der Pressemitteilung vom 8. Mai, die neben dem Besetzungszettel und den Künstlerbiografien ins Programmheft eingelegt ist, in dem man noch die Fotos aus der Inszenierung sehen kann, die Christoph Meyer nach der Premiere abgesetzt hat (siehe dazu unseren Premierenbericht und Kommentar). Am Vorstellungsabend wird kaum mehr über diese Entscheidung geredet, alle sind sich einig, dass es der Hausherr ist, der beschädigt aus der Geschichte herausgegangen ist, während beim Regisseur vermutlich das Telefon nicht stillsteht und er sich vor Angeboten nicht retten kann, denn es gibt so manches Haus, dass ebenfalls darauf spekulieren mag, sich durch ein Skandälchen beim großen Feuilleton in Erinnerung zu rufen, wenn es aufgrund der künstlerischen Arbeit nicht recht gelingen will. Dabei hat dieser Tannhäuser musikalisch manches zu bieten, wie der Besuch einer dieser "konzertanten" Folgevorstellungen zeigt. Allerdings muss man darüber hinwegsehen, dass so mancher Platz leer bleibt (gekaufte Karten können umgetauscht werden) und der finanzielle Schaden kein geringer sein dürfte, zumal man ja auch beim Einkauf von reichlich Gästen ordentlich in die Tasche gegriffen hat (gab es im ja nicht kleinen Rheinopernensemble wirklich keine Elisabeth oder Venus und keinen Wolfram?). Und darüber, dass Sängerinnen und Sänger in Abendkleid und Frack auf der Bühne nach eigenem Gutdünken an der Rampe, am Souffleurkasten und zwischen den für die Chöre auf Podesten aufgestellten Stuhlreihen agieren und damit einen merkwürdigen semikonzertanten künstlerischen Zwitter kreieren.

Vieles hatte man inzwischen gehört über das musikalische "Wundertier" mit Rocksängervergangenheit, das man für die Titelpartie ausfindig gemacht hatte, und tatsächlich ist Daniel Frank ein faszinierender Sänger mit einer bemerkenswert legatostarken, geschmeidigen, sehr angenehm timbrierten Tenorstimme, die die Baritonvergangenheit nicht mehr erkennen lässt, die einige Durchschlagskraft entwickelt, die aber nicht zuletzt in den vielen zarten, lyrischen Momenten überzeugt, in denen sie erfreulicherweise nicht an Gehalt und Intensität verliert. Der Schwede ist klug genug, sich in den dramatischen Momenten nicht zum Schreien verleiten zu lassen, sondern kühlen Kopf zu bewahren, und vermutlich weiß er selber sehr gut, dass er hier zwar auf hohem Niveau eine Heldentenorpartie singt, aber (noch) nicht die entsprechende Stimme besitzt (im Programmheft liest man sonst von Tamino, Janaceks Laca und Don José), und so wünscht man ihm viel Widerstandskraft angesichts der jetzt sicher eintreffenden Angebote (den Tannhäuser etwa wird er demnächst auch in Bogota und Lima singen, von Tristan und den Siegfrieden kann man ihm nur abraten, während ich ihm einen guten Lohengrin viel eher zutraue als etwa Corby Welch, dessen Tenor zwar nachgedunkelt ist und zu einiger Lautstärke zu bewegen ist, aber in dem einen oder anderen Moment als Walther auch bereits etwas verbraucht klingt).

Die reifste, beglückendste musikalische Leistung steuerte zweifellos Markus Eiche bei, dem ich im Januar nach seinem Wolfram in Zürich schon eine Hymne geschrieben habe: "Hatte ich vor zwei Jahren noch gedacht, man könnte den Wolfram kaum besser singen als Michael Volle es tat, so belehrte mich Markus Eiche nun eines Besseren: was für eine weiche, entspannte Tongebung, welche stimmliche Schönheit, welche Eleganz in der Phrasierung, welche Legatokultur, welch perfekte mezza voce, welche Textdeutlichkeit (ohne allzu "pädagogisch" zu werden), welche darstellerische Tiefe!" Dem ist absolut nichts hinzufügen - jede Phrase von ihm lohnte den Besuch der Vorstellung.

Elisabet Strid gibt keine mädchenhafte Landgrafennichte, sondern eine junge Frau, die in ihrem Leben bereits einige Trauer erlebt hat und die sich energisch ins Geschehen wirft mit ihrer durchdringend-kraftvollen Stimme, ich finde sie genau richtig in dieser Partie, die gern zu leicht besetzt wird, und gerade die zweite Arie profitiert sehr davon, dass sie keine falsche Mädchenhaftigkeit bemüht. Elena Zhidkova, deren Venus ich bereits in Essen und Köln ertragen musste, profitiert vermutlich von dem Umstand, dass es nicht viele Sängerinnen gibt, die sich mit der schweren, aber nicht besonders dankbaren Partie belasten mögen. Ihr Deutsch ist nach wie vor über manche Strecken unverständlich, ihr schauspielerischer Einsatz reichlich gewöhnlich und outriert, scharf, metallisch und flackernd in der zwar lauten, aber nicht intensiven Höhe ist die sopranlastige Stimme, die wenig Volumen in Mittellage und Tiefe aufweist.

Thorsten Grümbel war ein Landgraf comme il faut, der ganz in der Tradition der großen Bassisten deutscher Schule steht und der weder bei hohen Tönen noch in der Extremtiefe in Schwierigkeiten kam und trotz seines jugendlichen Aussehens auch darstellerisch große Autorität entwickelte. Thomas Jesatko, vom Nationaltheater Mannheim bestens bekannt, machte viel aus der kleineren Partie des Biterolf (der ursprünglich vorgesehene Stefan Heidemann aus dem hauseigenen Ensemble musste die Partie krankheitsbedingt abgeben), Johannes Preißinger und Lukasz Konieczny ergänzten die Sängerregie kompetent, Svenja Lehmann sang sich mit frischer, noch etwas unfertiger, aber Potential erkennen lassender Mädchenstimme in die Herzen des Publikums, und auch bei den Edelknaben gab es keinen Ausfall. Die Damen und Herren des Chores, ihrer darstellerischeren Aufgaben beraubt, konnten sich nun ganz auf die musikalische Seite konzentrieren und präsentierten sich erwartungsgemäß auf hohem Niveau.

Energisch, farbenreich, sinnlich, an manchen Stellen aber auch etwas polternd, vordergründig, arg martialisch-bracchial und hinsichtlich der Balance der Gruppen unausgewogen, so empfand ich das Spiel der Düsseldorfer Symphoniker, da könnte doch manches noch etwas geschmeidiger und raffinierter klingen, aber eine große Leistung ist Axel Kober am Pult da durchaus zu bescheinigen, besonders der zweite Aufzug hatte allererstes Niveau.


FAZIT

Das war ein großer Wagnerabend mit vielen wunderbaren Momenten.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Axel Kober

Chor
Gerhard Michalski



Chor und Extrachor der
Deutschen Oper am Rhein

Düsseldorfer
Symphoniker

Harfen
Fabiana Trani
Sophie Schwödiauer

Englischhorn
Manfred Hoth


Solisten

Heinrich,
Landgraf von Thüringen
Thorsten Grünbel

Tannhäuser
Daniel Frank

Wolfram von Eschenbach
Markus Eiche

Walter von der Vogelweide
Corby Welch

Biterolf
Thomas Jesatko

Heinrich der Schreiber
Johannes Preißinger

Reinmar von Zweter
Lukasz Konieczny

Elisabeth, Nichte
des Landgrafen

Elisabet Strid

Venus
Elena Zhidkova

Ein junger Hirte
Svenja Lehmann

Vier Edelknaben
Sandra Michaela Diehl
Helena Günther
Angela Froemer
Franziska Walter






Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Deutsche Oper am Rhein
(Homepage)



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