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Musiktheater
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Lohengrin

Romantische Oper in drei Akten
Text und Musik von Richard Wagner

in deutscher Sprache mit Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 4h 40' (zwei Pausen)

Premiere am 15. April 2012 an der Deutschen Oper Berlin
Besuchte Aufführung: 16. März 2013


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Deutsche Oper Berlin
(Homepage)
Ein wunderbares fürchterliches Weib

Von Thomas Tillmann

Zu der Lohengrin-Produktion von Kasper Holten hat mein Kollege damals (ziemlich streng) hier alles Wesentliche gesagt. Etwas mehr und dann plausiblere Ideen hätten es schon sein dürfen, etwas mehr Psychologie auch und etwas weniger Herumsteherei. Und mehr Konsequenz beim Zuendeführen der paar wirklich brauchbaren Ideen: Natürlich ist etwa Krieg ein Thema, das man aufgreifen kann, dann aber bitte konsequent und spannend und nicht nur en passant.

Immerhin, solche Inszenierungen eignen sich prima fürs Repertoire, da hatte auch Günther Groissböck, der laut Ansage erst am Vorabend eingetroffen war, keine Probleme, sich als König Heinrich einzufinden, und auch vokal war er mit seinem glänzend fokussierten, kompakten, viril-jugendlichen Bass ein echter Gewinn. Klaus Florian Vogts Stimme dagegen bleibt Geschmackssache, mein Fall ist die helle, metallische, etwas eindimensionale Stimme nicht, auch wenn sie an Durchschlagskraft und Lautstärke (was natürlich kein Qualitätsmerkmal ist) mit den Jahren gewonnen hat. Dennoch schlägt man angesichts der ausgewählten Partien auf der aktuellen CD, die der Künstler nach der Vorstellung zu signieren sich angeboten hatte, die Hände über dem Kopf zusammen. Der an vielen Ecken in den Pausen geführte Vergleich mit den Kollegen Kaufmann und Botha indes führt nur bedingt weiter. Ich konnte Vogts Singen durchaus Positives abgewinnen, die Legatostärke etwa, das Unverkrampfte des Tonansatzes, die Leichtigkeit in der Höhe; dass ich ein dunkleres, virileres, farbigeres, weniger gleichförmiges Timbre auch in dieser Partie lieber habe, steht auf einem anderen Blatt.

Zur Premierenbesetzung hatte auch schon Ricarda Merbeth gehört, an deren heller, lyrischer, etwas gläserner, klingelnder und nicht mehr ganz frischer Stimme sich wohl auch die Geister scheiden: Zwar kann sie sie zu bemerkenswerter Lautstärke bewegen, aber es fehlt ihr doch an Wärme und Rundung und vor allem an Kraft und Farbe in der Mittellage, was spätestens im Brautgemach zu hören war, und ich fand auch das Spiel der Künstlerin in den beiden ersten Akten allzu aufgesetzt.

Eine Zumutung als Friedrich war für mich Gordon Hawkins, den ich vor etwa zehn Jahren häufiger an der Rheinoper in italienischen Rollen gehört habe, die Diktion war (offenbar) so schlecht und lieblos wie in der Premiere, die Stimme an sich klang dazu verbraucht und grau und war von einem gemeinen Wobbel und heiseren Nebengeräuschen entstellt, die Darstellung pauschal und ungelenk. Dabei hatte er in Christine Goerke eine mehr als inspirierende Partnerin, die sich bei ihrem Deutschlanddebüt nicht nur mit Wagners Text erheblich mehr Mühe gab als ihr Landsmann, sondern wie schon bei ihrer sensationellen Färberin in Amsterdam vor einem Monat vokal aus dem Vollen schöpfen konnte. Ich habe wenig Sängerinnen diese vertrackte Partie mit solcher Souveränität bewältigen hören, mit solch dunklem, vollen, aufregend vibrierendem, samtigen Ton weit entfernt von hysterischem Keifen, mit solch elektrisierenden Spitzentönen (allein die Fermate am Ende der "Entweihten Götter" hätte den Besuch der Vorstellung gelohnt), mit einer so eleganten Phrasierung und so viel Sorgfalt bei der Ausführung von Feinheiten, die vermutlich Ergebnis ihrer Erfahrungen mit Mozartpartien und Rollen des italienischen Fachs ist. Bei sorgsamer Karriereplanung könnte Christine Goerke die führende Hochdramatische der nächsten Jahre werden, man darf gespannt sein etwa auf ihre Elektra in London, ihre Eboli in Toulouse und ihre Färberin an der Met.

Bastiaan Everink war erneut ein sehr präsenter, attraktiver und kraftvoll auftrumpfender Heerrufer. Auch bei den brabantischen Edlen und den Edelknaben gab es keine Ausfälle. Herausragend aber war die Leistung der Chöre, die sehr konzentriert und klangschön musizierten und weit mehr als überrumpelnde Lautstärke anzubieten hatten. Letztere war für mein Empfinden das vorherrschende Merkmal der Wagnerdeutung von Donald Runnicles am Pult des grundsätzlich hochkarätig, aber doch etwas pauschal, knallig und nicht besonders differenziert spielenden Orchesters der Deutschen Oper Berlin, da fehlte es doch an der einen oder anderen Stelle an Ruhe und Tiefgang.


FAZIT

Ein wirklich großer Lohengrin war das meines Erachtens nicht, wegen einzelner Sängerleistungen und namentlich der Ortrud von Christine Goerke aber doch einer, der die Anreise aus Düsseldorf gelohnt hat, zumal man sich die Pausen mit einer gut sortierten Ausstellung anlässlich des 100. Geburtstags von Martha Mödl die Zeit spannend vertreiben konnte.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Donald Runnicles

Inszenierung
Kasper Holten

Spielleitung
Claudia Gotta

Bühne und Kostüme
Steffen Aarfing

Licht
Jesper Kongshaug

Chor
William Spaulding

Dramaturgie
Miriam Konert



Der Chor der
Deutschen Oper Berlin

Das Orchester der
Deutschen Oper Berlin


Solisten

Heinrich der Vogler
Günther Groissböck

Lohengrin
Klaus Florian Vogt

Elsa von Brabant
Ricarda Merbeth

Friedrich von Telramund
Gordon Hawkins

Ortrud
Christine Goerke

Der Heerrufer des Königs
Bastiaan Everink

1. Brabantische Edler
Paul Kaufmann

2. Brabantischer Edler
Matthew Peña

3. Brabantischer Edler
Marko Mimica

4. Brabantischer Edler
Andrew Harris

1. Edelknabe
Rosemarie Arzt

2. Edelknabe
Angelika Nolte

3. Edelknabe
Heidrun Hässner

4. Edelknabe
Saskia Klumpp







Weitere
Informationen

erhalten Sie von der
Deutschen Oper Berlin
(Homepage)



Da capo al Fine

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