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Die Walküre

Erster Tag des Bühnenfestspiels
für drei Tage und einen Vorabend
Der Ring des Nibelungen

Libretto und Musik von Richard Wagner

In deutscher Sprache mit niederländischen und englischen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 5h (zwei Pausen)

Premiere der ersten Vorstellungsserie im Muziektheater Amsterdam am 31. Januar 1998

Premiere dieser Wiederaufnahmeserie am 20. April 2013


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De Nederlandse Opera
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Von Thomas Tillmann / Fotos von Marco Borggreve


Richard Wagners Geburtstag ist auch an der Amstel ein großes Ereignis, die Wiederaufnahme der legendären, damals ersten Inszenierung des Ring des Nibelungen ist dabei ein wichtiger Bestandteil, eine Aufführung der Meistersinger von Nürnberg folgt noch im Frühjahr. Im April nun stand Die Walküre in illustrer Besetzung auf dem Spielplan.


Vergrößerung Siegmund (Christopher Ventris) entdeckt das Schwert, das der Vater ihm verhieß.

Catherine Foster ist eine hervorragende, klug disponierende, stets um eine schlanke Tongebung bemühte Sängerin mit einem trotz vieler Einsätze im schweren Fach noch immer sehr jugendlich klingenden Sopran, der nach wie vor zu schönen Pianotönen fähig ist. Ihr gelingen auch wunderbar präzise Hojotohos ohne Mogeln, aber erst in den letzten Minuten des dritten Aufzugs ließ sie so richtig los und empfahl sich für die dramatischen Passagen der letzten Brünnhilde. Leider ist die Britin keine wirklich faszinierende Darstellerin, was in einer solch von allen Äußerlichkeiten befreiten Inszenierung schmerzlich auffällt, und ihre Textbehandlung ist trotz großer Rollenerfahrung nicht durchgängig überzeugend, auch da gibt es Handlungsbedarf bis zu den Bayreuther Festspielen im Sommer.


Vergrößerung

Siegmund (Christopher Ventris) und Sieglinde (Catherine Naglestad) halten Nothung in den Händen; in Kürze blüht Wälsungenblut.

Die berührendste Leistung des Abends kam für mein Empfinden von Catherine Naglestad, die nicht nur die Tiefe für den Beginn ihrer Erzählung hatte, sondern insgesamt den richtigen dunkel leuchtenden, fraulichen (nicht mädchenhaften) Ton, ein hervorragendes Legato, ein gehaltvolles Piano, aber auch zupackendes Forte und Strahlkraft an den entscheidenden Stellen, und sie ist sowohl eine sorgfältige Gestalterin als auch eine sehr natürliche, tiefgründige Darstellerin. Doris Soffel hat nach wie vor ihre Momente als Fricka und die ihr eigene Intensität, aber da registriert man auch viele außermusikalische Tricks, die manchen davon ablenken, dass die immer eher helle, schlanke Stimme in der unteren Mittellage kaum noch zu vernehmen ist und dass die Lagen nicht mehr ausreichend miteinander verbunden sind. Christopher Ventris ist ein erfahrener Interpret des Siegmund mit kraftvollem, tragfähigem, nicht zu baritonalen, vor allem in der Höhe strahlenden Heldentenor und großer schauspielerischer Präsenz. Er betreibt bei den Wälserufen erfreulicherweise keine Kraftmeierei, wie er überhaupt durch manch sensibles Detail überrascht, dass nicht jeder Fachkollege bietet.


Vergrößerung Schlimm – fürchtet Brünnhilde (Catherine Foster) - schloss der Streit zwischen Fricka (Doris Soffel) und Wotan (Thomas Johannes Mayer).

Eher enttäuschend fand ich Thomas Johannes Mayer als Wotan, da hörte man viel Vibrato und großen Kraftaufwand beim Erreichen der extremen Töne der Partie, manches Piano war einfach nur flach und fahl, manche Passage wurde eher gebrüllt als gesungen, nur in der ersten Hälfte des dritten Aufzugs erreichte er die gewünschte Expressivität und tonliche Konzentration. Insgesamt aber ist der Deutsche leider auch kein so faszinierender Interpret, dass man ihm bei den langen Erzählungen wirklich an den Lippen hängen würde. Günther Groissböck, dessen König Heinrich mir in Berlin neulich so gut gefiel, war bei seinem Hausdebüt bei der DNO auch als Hunding ein großer Gewinn, denn er war weitaus mehr als ein grobschlächtiger, polternder, unsympathischer Klotz, sondern ein auch optisch attraktiver, gefährlicher Konkurrent Siegmunds, der seine Frau durch seine Präsenz und Berührungen demütigt, und auch vokal überzeugte er mit hoher Textverständlichkeit und dem konzentrierten Ton seiner schlanken, "modernen" Bassstimme.


Vergrößerung

Die Walküren versuchen Brünnhilde (Catherine Foster) vor Wotans Wut zu schützen.

Hochkarätig besetzt war das Walkürenoktett mit Marion Ammann, Martina Prins, Lien Haegeman, Julia Faylenbogen, Elaine McKrill, Wilke Re Brummelstroete, Helena Rasker und Cécile van de Sant, waren und sind doch viele von ihnen selber versierte Interpretinnen von Hauptrollen in Wagners Musikdramen an kleineren Häusern. Ihr Auftritt indes ist für mich einer der schwächeren Momente der ansonsten großartigen Inszenierung: Die Damen trippeln albern über die Bühne, schlagen die silbernen Flügel und bemühen sich unterschiedlich erfolgreich um Synchronität beim Ausführen einer in ihrer Einfalt nicht zum Abend passenden Choreografie.

Pierre Audi (dem man doch gern auch noch einmal während des Schlussapplauses für seine bemerkenswerte Arbeit gedankt hätte) konzentriert sich ganz auf die Figuren, zeigt präzis, eindringlich, aber nie reißerisch oder vordergründig etwa die Qualen, die das nicht mehr ganz blutjunge Geschwisterpaar an seiner zunächst noch nicht, dann aber unter größter Bedrohung gelebten Liebe leidet, wie die Sehnsucht stärker und unbeherrschbarer wird, lässt beide mehr und mehr von ihren Kostümteilen ablegen und schließlich die geflochtenen Haare öffnen. Sieglinde hilft Siegmund aufmerksam und einfühlsam beim Herausziehen des Schwertes - ein Beispiel für seine einfache, klare, nicht verkopfte, eindringliche Erzählweise. In Erinnerung bleibt mir auch, wie Wotan sich nach Brünnhildes Einschlafen minutenlang neben die geliebte Tochter legt, um auf seine Weise Abschied zu nehmen. Und natürlich die die Bühne beherrschende Holzscheibe mit der riesigen Aussparung fürs Orchester, die als zentrale Spielfläche dient und die Zuschauer im Parkett ganz nah am Geschehen sein lässt. Eindrucksvoll beginnt es schon im Vorspiel, wenn Wotan das Schwert in die richtige Position an der Esche Stamm bringt, der in mehrere wie Lanzen wirkende Spitzen geteilt in der Mitte der Bühne Richtung Zuschauer zeigt (und beim Betreten durch das Bühnenpersonal das eine oder andere Mal erheblich wackelt). Ansonsten gilt, was ich bereits zum Rheingold festgehalten habe, das ich freilich als noch geschlossener, noch dichter erinnere: Audis Inszenierung "hebt sich in ihrer Dezenz und Zeitlosigkeit von manch ärgerlicher, eitel idiosynkratische Ideen verfolgender, auf enervierenden Aktionismus setzender, psychologisch oder ideologisch überfrachteter, durch Auswahl einer bestimmten historischen Epoche einengender oder allzu märchenhaft ohne Tiefgang nacherzählender Werksicht wohltuend ab, lässt der Musik ihren Raum - und jedem Zuschauer für eigene Assoziationen und Erkenntnisse".


Vergrößerung Wotan (Thomas Johannes Mayer) hat Brünnhilde (Catherine Foster) in festen Schlaf verschlossen und Loge angewiesen, ihren Fels mit Feuer zu umschließen.

Hartmut Haenchen gelingt es auch an diesem Abend, ganz nah an den Sängern zu sein, sie nach Kräften zu unterstützen, und einmal mehr entwickelt er gerade durch seine unaufgeregte, ausgewogen-moderate Tempo- und Lautstärkewahl größte innere Spannung und kann so auf reißerische, überrumpelnd-vordergründige Effekte gänzlich verzichten.


FAZIT

Eine gelungene, wenn auch nicht ganz so begeisternde Wiederaufnahme des Audi-Haenchen-Ring, auf dessen Fortsetzung im September man sich freut und der zyklisch auch noch einmal Anfang 2014 zur Aufführung kommen wird. Richard Wagner erfährt in seinem Jubeljahr gewiss schwächere Ehrungen.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Hartmut Haenchen

Inszenierung
Pierre Audi

Bühne
George Tsypin

Kostüme
Eiko Ishioka
Robby Duiveman

Licht
Wolfgang Göbbel
Cor van den Brink

Video
Maarten van der Put

Dramaturgie
Klaus Bertisch



Statisterie der
Nederlandse Opera
Nederlands Philharmonisch
Orkest


Solisten

Siegmund
Christopher Ventris

Hunding
Günther Groissböck

Wotan
Thomas Johannes Mayer

Sieglinde
Catherine Naglestad

Brünnhilde
Catherine Foster

Fricka
Doris Soffel

Gerhilde
Marion Ammann

Ortlinde
Martina Prins

Waltraute
Lien Haegeman

Schwertleite
Julia Fayenbogen

Helmwige
Elaine McKrill

Siegrune
Wilke te Brummelstroete

Grimgerde
Helena Rasker

Rossweiße
Cécile van de Sant





Weitere Informationen
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