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Das schlaue Füchslein
(P
říhody lišky Bystroušky)


Oper in drei Akten
basierend auf der Novelle von Rudolf T
ěsnohlídek, deutsche Übersetzung von Peter Brenner
Musik und Libretto von Leoš Janáček

in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 1h 35' (keine Pause)

Premiere im Opernhaus Wuppertal am 12. Mai 2012


Logo: Wuppertaler Bühnen

Wuppertaler Bühnen
(Homepage)
Zauber in einer Theaterruine


Von Thomas Molke / Fotos von Uwe Stratmann

Leoš Janáčeks spätes Opernschaffen ist zum einen stark von biographischen Ereignissen geprägt. So lernte er 1915 die 38 Jahre jüngere Kamila Stösslová kennen, die als unerreichte Geliebte und Muse in den Titelfiguren seiner Opern ihren Niederschlag fand. Zum anderen durchzieht ein regelrechter Hauch der mährischen Natur die musikalische Sprache seiner Werke, wodurch sich Janáčeks Sehnsucht nach seinem Heimatdorf Hukvald ausdrückt. Es heißt, dass Janáček umfangreiche Studien betrieben habe, um die Laute der Tiere im Wald in seinen Kompositionen umsetzen zu können. Während in seinen bekannten Opern Jenůfa und Katja Kabanowa jedoch eine konkrete Frau im Mittelpunkt der tragischen Handlung steht, verhält es sich bei seinem Spätwerk Das schlaue Füchslein ein wenig anders. Die Sehnsucht der Männer des Dorfes bezieht sich auf eine Frau, Terynka, die als Person in der Oper gar nicht vorkommt und für die die Füchsin Schlaukopf lediglich eine Projektionsfläche bietet, die somit die beiden Hauptaspekte in Janáčeks Schaffen miteinander verbindet: unerfüllbare Liebe und Sehnsucht nach der Natur.

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Der Förster (Derrick Ballard, rechts) schläft in der Natur, umgeben von Grille (Ute Temizel, links), Heuschrecke (Jaroslaw Nowaczek, links), Libelle (Assia Schneider, oben), Mücke (Se-hyuk Im, Mitte) und Eule (Michaela Mehring, rechts).

Die Handlung geht zurück auf eine Novelle, die der Schriftsteller Rudolf Těsnohlídek zunächst als Tiergeschichte in 51 Folgen zu Federzeichnungen des Malers Stanislaw Lolek für die Zeitung Lidové noviny verfasste. Ein Förster erblickt im Wald eine junge Füchsin, die ihn dermaßen fasziniert, dass er sie einfängt und auf seinem Hof domestizieren will. Doch die Füchsin fühlt sich nicht wohl. Die Försterin sieht in ihr eine Konkurrentin, die Kinder quälen sie und der verliebte Dackel wird recht zudringlich. Als die Füchsin versucht, die vom Hahn unterdrückten Hühner zu befreien, kommt es zum Eklat, und sie flieht vom Hof. Zurück im Wald trifft sie auf einen Dachs, der seine Arbeiterinnen für den Bau einer Höhle schuften lässt. Die Füchsin befreit die Arbeiterinnen und vertreibt den Dachs. Anschließend trifft sie auf den Goldfuchs, verliebt sich in ihn und gründet mit ihm eine Familie. Nach vielen Jahren glücklichen Lebens im Wald erscheint der Wilderer Haraschta. An dieser Stelle weicht Janáčeks Version nun von der Novelle ab. Während in der literarischen Vorlage die Füchsin mit ihrer Familie entkommt, lässt Janáček die Füchsin vom Wilderer erschießen und zu einem Muff für seine Geliebte Terynka verarbeiten, die er damit für sich gewinnen kann. Der Förster irrt immer noch auf der Suche nach der Füchsin durch den Wald, erkennt in der neuen jungen Füchsin, der Tochter der Füchsin Schlaukopf, den ewigen Kreislauf der Natur und schläft versöhnt mit seinem Leben glücklich im Wald ein.

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Der Hahn (Julia Klein, Mitte) mit seinen Hennen (Frauenchor).

Das Regie-Team um Aurelia Eggers schafft für die Verbindung von Tier- und Menschenwelt eine Art Zwischenebene, in der die personifizierten Tiere als Artisten und Künstler erscheinen. Der Wald ist eine verfallene Theaterruine, die sich die Natur zurückerobert hat. Bühnenbildner Stephan Mannteuffel mag sich hierbei an der mährischen Burgruine in Hukvald orientiert haben. Vor einem Bühnenprospekt mit der grünlich schimmernden Ruine befindet sich ein Halbkreis, zu dem Stufen wie in eine Manege herabführen. Hier bewegen sich Künstler längst vergangener Zeiten. Eine Art eiserner Vorhang trennt diese Natur von dem Dorf ab, in dem die Menschen leben und das mit den grauen Theaterlogen auf der rechten und linken Bühnenseite steril und farblos wirkt. Eine Schaukel in der Mitte des Halbrunds, die aus dem Schnürboden herabgelassen wird, symbolisiert die Freiheit der Füchsin in der Natur. Auf ihr wird sie als junges Tier durch ihre Unerfahrenheit gefangen. Hier erlebt sie innige Momente mit dem geliebten Goldfuchs. Auf ihr nimmt der Förster ganz am Ende der Oper Platz, nachdem er den Kreislauf der Natur akzeptiert und sich mit seinem Leben ausgesöhnt hat. Auch rote Theatervorhänge als Überbleibsel einer vergangenen Zeit spielen für die Figuren eine große Rolle. So klammert sich die Füchsin zu Beginn an einen roten Vorhang, um von der harten Realität der Menschenwelt nicht aus ihrer Kunstwelt der Artisten herausgerissen zu werden. An diesen roten Vorhängen nähen die Arbeiterinnen des Dachses im zweiten Akt, können damit das Theater aber nur bruchstückhaft wieder herstellen, da die Vorhänge von den Menschen später wieder heruntergerissen werden.

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Hochzeitsnacht bei Vollmond: Füchslein Schlaukopf (Dorothea Brandt, Schaukel vorne) und Goldfuchs (Joslyn Rechter, Schaukel hinter) umgeben von den Tieren des Waldes (Chor, hinter dem Mond: Libelle (Assia Schneider)).

Für die Tiere des Stückes findet Veronika Lindner fantasievolle Kostüme, die einen Bezug zu gewissen Künstlergruppen herstellen. Da ist zunächst die Libelle (Assia Schneider), die in der Luft mit zwei Ringen oder Tüchern und diversen Salti faszinierende Akrobatik vorführt und wie ein fliegendes Geschöpf wirkt. Besonders romantisch ist das Bild im zweiten Akt, wenn sie in der Liebesnacht der beiden Füchse als Schatten hinter der riesigen Scheibe des Mondes tanzt. Die Mücke (Se-hyuk Im) "sticht" als eine Art General im weißen Anzug ständig mit einem Degen, und Heuschrecke (Jaroslaw Nowaczek) und Grille (Ute Temizel) wirken mit ihrem Grammophon und den alten Ballkostümen wie Relikte einer längst vergangenen Zeit. Die junge Füchsin tritt in einer Hose und einem Kapuzenpullover in Orange auf und tauscht mit dem Erwachsenwerden dieses Outfit gegen ein orangefarbenes Kleid ein. Besonders gelungen sind auch die Hühner auf dem Hof des Försters, die mit ihren weißen Federn auf den glitzernden Kostümen und den roten Strümpfen wie Revue-Girls wirken, die dem Hahn (Julia Klein als Dompteur mit weißer Hose und rotem Glitzersakko) Folge zu leisten haben.

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Goldfuchs (Joslyn Rechter, vorne links) und Füchslein Schlaukopf (Dorothea Brandt, vorne rechts) mit ihren Kindern (Kinderchor im Hintergrund).

Musikalisch gelingt es dem Sinfonieorchester Wuppertal unter der Leitung von Hilary Griffiths, die lyrischen und lautmalerischen Klangbögen Janáčeks sauber umzusetzen und den Zuhörer in Sehnsucht nach unberührter Natur im Wald regelrecht schwelgen zu lassen. Dorothea Brandt gibt mit leuchtendem Sopran und beweglichem Spiel eine stimmlich und darstellerisch in jeder Hinsicht überzeugende Titelfigur. Gleiches gilt für Joslyn Rechter, die mit kräftigem Mezzo in der Hosenrolle als Goldfuchs brilliert und erneut mit Brandt in Wuppertal ein stimmlich und optisch harmonierendes Traumpaar abgibt. Für die Rolle des Försters ist Derrick Ballard vom Münchner Gärtnerplatztheater als Gast engagiert worden, der mit durchschlagendem Bariton für Gänsehaut sorgt. In den kleineren Partien gefallen Michaela Mehring als Försterin und Eule mit, Olaf Haye als Wilderer Haraschta und Julia Klein als arroganter Hahn und als Eichelhäher. Die anderen Darsteller bleiben stimmlich eher ein bisschen blass, so dass es gut ist, dass die Oper übertitelt wird, da sonst textlich sicherlich nicht alles zu verstehen gewesen wäre. Das Publikum quittiert den Abend mit lang anhaltendem Applaus.


FAZIT

Eine stimmige Inszenierung, die szenisch und musikalisch größtenteils überzeugt.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Hilary Griffiths

Inszenierung
Aurelia Eggers

Bühne
Stephan Mannteuffel

Kostüme
Veronika Lindner

Licht
Henning Priemer

Choreinstudierung
Jens Bingert

Dramaturgie
Ulrike Olbrich

 

Opern- und Kinderchor
der Wuppertaler Bühnen

Sinfonieorchester Wuppertal


Solisten

*Premierenbesetzung

Füchslein Schlaukopf
Dorothea Brandt

Goldfuchs
Joslyn Rechter

Förster
Derrick Ballard

Försterin / Eule
Michaela Mehring

Schulmeister / Dackel
Boris Leisenheimer

Pfarrer / Dachs
Ks. Ulrich Hielscher

Haraschta
Olaf Haye

Hahn / Eichelhäher
Julia Klein

Pasek
Andreas Heichlinger

Gastwirtin
Katrin Natalicio

Seppl
Ji-Young Hong

Franzl
Yuliya Tabankova

Schopfhenne
Barbara Pickenhahn

Mücke
Se-hyuk Im

Heuschrecke
Jaroslaw Nowaczek

Grille
Ute Temizel

Specht
Diane Claars

Libelle
Assia Schneider

Junges Füchslein
*Lisa Bergmann /
Anne Derichs

Frosch
Adriano Mocellin /
*Kai Selbach


Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Wuppertaler Bühnen
(Homepage)



Da capo al Fine

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