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Il barbiere di Siviglia (Der Barbier von Sevilla)

Komische Oper in drei Akten
Libretto von Cesare Sterbini
Nach Beaumarchais´ Le Barbier de Séville
Musik von Gioachino Rossini


In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere im Theater und Konzerthaus Solingen am 9. Juni 2012

Logo: Wuppertaler Bühnen

Wuppertaler Bühnen
(Homepage)
Weiße Wander-Wände und rosa Zettelwirtschaft

Von Michael Cramer / Fotos Sonja Rothweiler (© Wuppertaler Bühnen)

Man kann streiten, ob eine Wiederaufnahme nach neun Jahren als Premiere bezeichnet werden kann, aber sei's drum – das Werk passt natürlich hervorragend in den „Länderschwerpunkt Spanien“ der Oper Wuppertal für die kommende Saison. Johannes Weigand, Hausherr und Regisseur auch der Aufführung von 2003, hat das Stück in vielen kleinen Details und Nuancen aufgefrischt, wenn auch Bühnenbild, Kostüme und das Konzept geblieben sind. Nun hat sich in dieser Zeit bezüglich „Operngeist“ ja auch nicht wirklich Neues getan.

Die Bühne von Moritz Nitsche besteht aus zwei großen weißen, knickbaren Wänden, welche die Straße vor dem Hause des Doktor Bartolo, das Musikzimmer einschließlich eines Nebenraums in unterschiedlichen Konstellationen zeigen, man singt außen und innen oder auf Leitern quasi vom Balkon. Zwei Stühle und ein Spinett sind das einzige Accessoire der kargen Bühne, unsichtbar herangeschafft durch eine versteckte Bodenklappe, den auch die Sänger und Bühnenarbeiter, welche die Elemente bewegten und auch vom Gewitter durchschütteln ließen, als heimlichen Zugang nutzen. Eine pfiffige, originelle und auch der finanziellen Lage des Hauses durchaus angepasste Konstruktion, wenn auch ein handlungsbezogener Sinn der wechselnden „Hintergrundbeleuchtung“ wie auch des Sternenhimmels und Monduntergangs während der Ouvertüre dem Rezensenten verborgen blieb.

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Heimlichkeiten vor dem Hause des Don Basilio

Eine solche Bühne bedarf allerdings einer sehr intensiven Personenführung, woran es glücklicherweise nicht haperte. Judith Fischer hatte die Akteure in historisierende und einfallsreiche hübsche, fast überzogene Kostüme gesteckt. Lange Gehröcke, Roben und schicke Uniformen stellten die Typenkomödie des Beaumarchais umso nachdrücklicher nicht als tiefenpsychologisches Handlungsgeflecht, sondern als ideenreiche Commedia Dell 'arte heraus; Rosinas elegantes rotes Kleid kontrastierte zum blauen futuristisch anmutenden Outfit des glatzköpfigen Barbiers. Ein Hinweis auf die immer währende Aktualität des Werkes?

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Intrigenplanung beim Friseur

Die Aktion auf der Bühne ließen die quasi nicht vorhandene Ausstattung fast vergessen, die Rollenpräsenz war vorzüglich, die Charaktere gut beleuchtet, wenngleich einige altbackene Mätzchen in den Bewegungen oder das oftmalige heftiges Niesen der Akteure schon ein wenig aufgesetzt wirkten. Entzückend aber das Schattenspiel zur Verleumdungsarie des Basilio, der den Doktor zu Boden zwingt, ebenso der Kampf „Regenschirm gegen Degen“ oder die Idee, aus den vom Gewitter durchgeschüttelten Bäume es anstatt Blätter riesige Massen von rosa Zetteln regnen zu lassen, genau wie die des verliebten Briefwechsels Rosina/Lindoro.

Musikalisch begann es eher mäßig mit Rundungen statt mit Ecken, manchen unsauberen Einsätzen und verstrichenen Phrasierungen; auch beim berühmten musikalische Gewitter dachte man nur an einen kräftigen Regen. Florian Frannek hatte die Musiker - in Solingen spielt nicht das Sinfonieorchester Wuppertal (das eigentliche "Hausorchester" der Wuppertaler Bühnen), sondern die Bergischen Symphoniker Solingen - Remscheid - dann aber zunehmen besser im Griff, zauberte durchaus klassische Rossini´sche Opernklänge mit Wohlklang und Spannung. Wenn da nicht die vertrackten und auch für die Sänger sauschweren Koloraturen und schnellen Tutti-Szenen wären, die auch großen Häusern mit berühmter Besetzung arge Schwierigkeiten machen können; da muss man natürlich an einem kleinen Hause Abstriche machen und darf nicht die CD als Referenz hinzuziehen. Das sahen auch die Zuschauer im sehr gut gefüllten Hause ebenso und applaudierten lange und im Stehen.

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Macho Macho über alles

Die Stars des Abends waren zweifellos die Titelfigur und seine angebetete Rosina. Elena Fink glänzte mit sehr beweglichem, makellosen hellen Sopran, klangschön, sehr sicher und gut geführt und mit nur gelegentlicher leichter Schärfe in den Spitzentönen. Gut gelungen ihr temporeiches Spiel, Gestik und Mimik. Thomas Laske, der den Figaro europaweit singt, stand Rosina in Wohlklang und Darstellung in nichts nach; er ließ wunderbar den Macho heraushängen, sehr selbstbewusst nicht nur im Spiel, sondern auch in der Führung seines kernigen soliden Baritons. Ein absoluter Hör- und Sehgenuss, nicht nur in seiner bekannten Auftrittsarie „Largo al factotum“ sondern auch in den Ensemblenummern.

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Parteienkampf mit ungleichen Mitteln

Dariuzs Machej als Bartolo agierte sehr spielfreudig, bühnenpräsent und mit einer schönen Mittellage, wenn er auch die Schwärze in der Stimme etwas vermissen lies und mit den Koloraturen kleine Probleme hatte. Christian Sturm als Graf Almaviva hatte vielleicht einen schlechten Tag erwischt; er klang unsicher, wenig lyrisch und mit kratziger Höhe, besserte sich allerdings zusehend. Für die berühmte Verleumdungsarie des Musikmeister Don Basilio (Martin Js. Ohu) fehlt dem sonst angenehm zu hörenden und herrlich tölpelig spielenden jungen Koreaner noch ein wenig stimmliche Substanz, auch das Orchester begleitete hier eher ruhig. Die Comprimarii, voran Joslyn Rechter als resolute Berta, ebenso der präzise singende und agierende Chor (Einstudierung Jens Bingert) waren ohne Tadel.


FAZIT

Ein unterhaltsamer Abend, einfach nett anzuschauen, mit Abstrichen hübsch gesungen und gespielt und ohne verkrampfte psychologische Deutungsversuche, dieser Barbier der Wuppertaler Oper. Wenn auch nicht unbedingt eine weite Anfahrt wert, es sei denn, um Elena Fink und Thomas Laske anzuhören.



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Florian Frannek

Inszenierung
Johannes Weigand

Bühne
Moritz Nitsche

Kostüme
Judith Fischer

Chor
Jens Bingert

Dramaturgie
Ulrike Olbrich


Chor der Wuppertaler Bühnen

Die Bergischen Symphoniker


Solisten

Graf Almaviva
Christian Sturm

Figaro
Thomas Laske

Rosina
Elena Fink

Don Basilio
Martin Js.Ohu

Doktor Bartolo
Dariusz Machej

Berta
Joslyn Rechter

Fiorillo
Javier Zapata Vera

Ein Offizier
Hak-Young Lee

Ambrogio
Hedie Rzgar


Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Wuppertal Bühnen
(Homepage)




Da capo al Fine

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