Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musiktheater
Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum



Oberon  

Romantische Feenoper in drei Aufzügen     
Unter Verwendung von Texten aus Oberon von Christoph Martin Wieland, Ein Sommernachtstraum von
William Shakespeare in einer Übersetzung von Christoph Martin Wieland und dem Textbuch zur Oper von
James Robinson Planché in der deutschen Übersetzung von Theodor Hell
Bearbeitung von Wolfgang Quetes
Musik von Carl Maria von Weber    


in deutscher Sprache

Aufführungsdauer: ca. 3 h (eine Pause)

Premiere im Großen Haus der Städtischen Bühnen Münster am 17. Juni 2012

                    
Logo: Städtische Bühnen

Städtische Bühnen Münster
(Homepage)
Spartenübergreifendes Märchenspektakel zum Saisonabschluss  


Von Thomas Molke / Fotos von Michael Hörnschemeyer

Bevor unter dem neuen Intendanten Dr. Ulrich Peters in allen Bereichen des Hauses eine neue Führungsriege einziehen wird, hat sich Wolfgang Quetes zum Abschluss der Spielzeit und seiner achtjährigen Amtszeit als Intendant der Städtischen Bühnen Münster ein besonderes Projekt vorgenommen, das noch einmal alle drei Sparten des Hauses vereint: Carl Maria von Webers romantische Feenoper Oberon. Diese Mischform aus einem Schauspiel mit Musik und einer vorromantischen Nummernoper ist Webers letztes Werk, das ihm, schon von schwerer Krankheit gezeichnet, 1826 in Covent Garden noch einmal großen Ruhm bescherte. Zu der geplanten Umarbeitung des Werkes für den deutschen Geschmack mit Reduzierung des Sprechtextes kam es allerdings nicht mehr, da Weber bereits knapp zwei Monate nach der Uraufführung in London verstarb. Auch spätere Veränderungen des Librettos führten nicht dazu, dass das Werk im heutigen Repertoire an den großen Erfolg des Freischützes anknüpfen kann. Quetes hat für seine Fassung in Münster für die Sprechtexte neben dem Textbuch zur Oper von James Robinson Planché Texte aus Christoph Martin Wielands Oberon und William Shakespeares Ein Sommernachtstraum in einer Übersetzung von Wieland herangezogen.

Bild zum Vergrößern

Wieland / Droll (Benjamin Kradolfer Roth, Mitte) zwischen Titania (Christiane Hagedorn) und Oberon (Marek Sarnowski)

Die Oper handelt von dem aus dem Sommernachtstraum bekannten Streit zwischen dem Elfenkönig Oberon und der Feenkönigin Titania um einen indischen Knaben, den beide für sich beanspruchen. Allerdings ist die Voraussetzung für eine Versöhnung in der Oper, dass ein Paar gefunden wird, das sich trotz widriger Umstände die Treue hält. Die Wahl fällt auf Hüon von Bordeaux, einen Ritter von Kaiser Karl dem Großen, und Rezia, die Tochter des Kalifen von Bagdad. Nachdem Hüon Rezia vor einer Vermählung gegen ihren Willen bewahrt hat und mit ihr geflohen ist, kentern sie auf der Heimreise und werden von Piraten als Sklaven nach Tunis verkauft. Rezia landet im Harem eines Emirs. Bei dem Versuch, sie zu befreien, wird Hüon gefangen genommen und soll auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Da Rezia lieber mit Hüon sterben will als dem Werben des Emirs nachzugeben, bricht Oberon die Prüfung ab, kann Titania überzeugen, dass er in Hüon und Rezia das gesuchte Paar gefunden hat, führt auch noch Hüons Diener Scherasmin und Rezias Vertraute Fatime zusammen und versöhnt sich schließlich mit Titania, so dass einem glücklichen Ende nichts mehr im Wege steht.

Bild zum Vergrößern

Rezia (Maida Hundeling, vorne) hofft auf Erlösung (im Hintergrund: Fatime (Eva Trummer)).

Wolfgang Quetes hat als Rahmenhandlung den Textdichter Christoph Martin Wieland höchstpersönlich eingeführt, der zum einen bei der Arbeit an seinem Oberon gezeigt wird, zum anderen in die Rolle von Oberons Diener Droll schlüpft und in mehreren Verkleidungen die Handlung in die richtigen Bahnen lenkt. Seine Musen sind dabei drei Dienstmädchen, die ihn zunächst nur amüsiert bei der Arbeit beobachten, später aber ebenfalls ins Geschehen eingreifen, indem sie beispielsweise das Zauberhorn, das beim Schiffbruch auf dem Meer abhanden gekommen ist, aus den Fluten retten. Die Darstellerin des Puck ist zunächst Wielands Ehefrau, die ihren Gatten nach einer scheinbar durchzechten Nacht ermahnt, sich doch langsam wieder an die Arbeit zu begeben. Oberon (als Schauspieler) und Titania erscheinen als Fantasiefiguren, während Wieland an seinem Epos arbeitet, und präsentieren ihren Streitdialog aus dem Sommernachtstraum. Erst danach geht der Abend in Webers Oper über, wobei das Hornmotiv bereits diesen kleinen Prolog einleitet.

Bild zum Vergrößern

Titania (Christiane Hagedorn) versucht, Hüon (Wolfgang Schwaninger) zu verführen (im Hintergrund: Tanztheater der Städtischen Bühnen Münster).

Ähnlich wie bei den Meistersingern im Sommer 2003, als das Publikum vom Opernhaus zu einem Bierzelt als Festwiese zog, lässt auch Quetes die Zuschauer unterschiedliche Spielorte aufsuchen. So beginnt der Prolog im vom Foyer eingerahmten Innenhof inmitten der alten Theaterruine. Heinz Balthes hat vor die alte Theaterfassade ein Bühnenpodest gebaut, auf dem sich Wielands Stube mit einem Sessel, einer Leiter und diversen leeren Weinflaschen befindet. Die Fassade dahinter ist mit blauer Leinwand gespannt, auf der Wieland sein Epos notiert. In märchenhaften Kostümen (José Manuel Vázquez) treten nun Titania im goldenen Paillettenkleid mit aufwendigem Kopfschmuck und Oberon im silbernen Kostüm passend zur antiken Kulisse auf. Zur Prüfung des auserwählten Paares schicken sie die Zuschauer dann in den Saal des Großen Hauses. Auch zum Ende der Pause findet zunächst wieder eine Szene in der Theaterruine statt. Sowohl Oberon als auch Titania sind nun der Meinung, ihre Wette gewonnen zu haben, werden sich natürlich nicht einig und laden das Publikum erneut an, den Ausgang der Oper im Großen Haus zu verfolgen.

Bild zum Vergrößern

Scherasmin (Fritz Steinbacher, vorne) bewahrt mit dem Zauberhorn Hüon (Wolfgang Schwaninger, hinten) vor der Hinrichtung (links: Fatime (Eva Trummer) und das Tanztheater der Städtischen Bühnen Münster).

Das Bühnenbild im Theater nimmt dann die antike Kulisse aus dem Innenhof wieder auf, indem Balthes auf der rechten und linken Seite der Bühne die jeweiligen Bögen nachbildet. In der Mitte der Bühne befindet sich eine große blaue Rückwand mit Wielands Notizen, die an beiden Seiten und in der Mitte geöffnet werden kann, so dass dahinter entweder orientalische Türmchen oder ein mittelalterlicher Palast angedeutet werden können. Auf der dunkelblauen Rückwand prangt ein großer Vollmond, der gemeinsam mit den fantasievollen und historisierenden Kostümen den märchenhaften Charakter der Inszenierung unterstreicht. So bietet die Inszenierung einen regelrechten Augenschmaus und lässt über dramaturgische Schwächen des Stückes leicht hinwegsehen. Auch das Ballett wird vom scheidenden Ballettdirektor in der Sturmszene auf dem Meer und in der Haremsszene im dritten Akt optisch ansprechend in Szene gesetzt.

Die Titelpartie wird von Quetes mit einem Schauspieler und einem Sänger besetzt. Während Marek Sarnowski im Zusammenspiel mit Christiane Hagedorn als Titania ein überzeugendes Paar abgibt, begeistert Jeff Martin mit seinem kräftigen Tenor zwar gesanglich, wirkt in der Inszenierung aber trotz des gleichen Kostüms im Vergleich zu Sarnowski wie ein Fremdkörper, da er kaum mit den anderen Figuren in Aktion treten kann. Vielleicht wäre die Sprechrolle für Martin zu schwer gewesen, so dass Quetes sich für diese Doppellösung entschieden hat. Ein nettes Paar geben Eva Trummer und Fritz Steinbacher als Fatime und Scherasmin ab, wobei Steinbacher als jugendlicher Spieltenor gefällt und Trummer kokett ihren Charme einzusetzen versteht. Benjamin Kradolfer Roth überzeugt als Droll und Wieland ebenfalls durch eindringliches Spiel. Der von Karsten Sprenger sauber einstudierte Chor singt die Partie vom Blatt von den Rängen. Warum der Text nicht auswendig präsentiert wird, bleibt fraglich. Da der Chor aber in keiner Weise in die Inszenierung einbezogen ist, stört es auch nicht weiter.

Die beiden Hauptpartien sind im Vergleich zur restlichen musikalischen Ausgestaltung sehr anspruchsvoll, was ein weiterer Grund dafür sein mag, dass das Werk relativ selten auf den Spielplänen zu finden ist. Wolfgang Schwaninger, der in Münster in dieser Spielzeit auch als Peter Grimes zu erleben ist, stattet den Helden Hüon mit großem Tenor aus, der in den Höhen bisweilen aber etwas wackelt. Vor allem Hüons große Arie "Von Jugend auf in dem Kampfgefild'", in der er die Bedeutung von Liebe und Ehre für sein Leben besingt, bereitet ihm einige Intonationsprobleme. Dagegen erinnert Maida Hundeling als Rezia mit ihrem hochdramatischen Sopran eher an eine Wagner-Heroine, die mit ihrer voluminösen Stimme das Orchester regelrecht übertönt. Die große Ozean-Arie, die sie nach dem Schiffbruch präsentiert, wird vom Publikum heftig bejubelt, auch wenn sie dabei vielleicht ein bisschen zu dick aufträgt. Im weiteren Verlauf des Abends nimmt sie ihre Stimme ein bisschen zurück und beweist, dass sie auch differenzierte Töne anzuschlagen vermag. Das Sinfonieorchester Münster zeigt unter der Leitung von Hendrik Vestmann eine solide Leistung, so dass es am Ende großen Applaus für alle Beteiligten gibt.

FAZIT

Ein fantasievoller und märchenhafter Abschluss der Spielzeit, bei dem das Auge ein bisschen mehr auf seine Kosten kommt als das Ohr, was aber eher am Stück als an der Umsetzung liegt.

Ihre Meinung
Schreiben Sie uns einen Leserbrief
(Veröffentlichung vorbehalten)

Produktionsteam

Musikalische Leitung
Hendrik Vestmann

Inszenierung
Wolfgang Quetes

Bühnenbild
Heinz Balthes

Bühnenbild-Realisierung
Manfred Kaderk

Kostüme
José Manuel Vázquez

Lichtdesign
Matthias Hönig

Choreographie
Daniel Goldin

Chorleitung
Karsten Sprenger

Dramaturgie
Wilfried Harlandt /
Jens Ponath

 

Chor und Statisterie der
Städtischen Bühnen Münster

Sinfonieorchester Münster

Solisten

Oberon
Jeff Martin (Gesang)
Marek Sarnowski (Schauspiel)

Titania, Oberons Gemahlin
Christiane Hagedorn

Hüon von Bordeaux
Wolfgang Schwaninger

Scherasmin, Hüons Knappe
Fritz Steinbacher

Karl der Große / Harun al Rashid, Kalif von Bagdad /
Almansor, Emir von Tunis

Peter Jahreis

Rezia, Haruns Tochter
Maida Hundeling

Fatime, Rezias Zofe
Eva Trummer

Puck
Lucie Ceralova

Wieland / Droll
Benjamin Kradolfer Roth

Meermädchen
Yuan Yuan Lu

Karloman / Babekan / Abdallah
Michael Wild

Tänzerinnen und Tänzer
Hsuan Cheng
Ines Fischbach
Paul Hess
Matthias Schikora
Damiaan Veens
Hanako Yamaguchi
 

 


Weitere Informationen

erhalten Sie von den
Städtische Bühnen Münster
(Homepage)



Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Zur Musiktheater-Startseite E-mail Impressum

© 2012 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: oper@omm.de

- Fine -