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Don Giovanni
Dramma giocoso in zwei Akten
Libretto von Lorenzo Da Ponte
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart

in italienischer Sprache mit italienischen oder englischen Untertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3h 15' (eine Pause)

Premiere am 7. Dezember 2011 im Teatro alla Scala, Milano


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Teatro alla Scala
(Homepage)
Vom Balkon aus

Von Roberto Becker / Fotos: Brescia/Amisano – Teatro alla Scala

Eigentlich hat der Chef der Mailänder Scala, Stephane Lissner, diesmal alles richtig gemacht. Was gerade in diesem Opernhaus, das wohl noch mehr von seinem glorreichen Mythos als von seiner im Bunga-bunga Land bedrohten Wirklichkeit lebt, fast unmöglich ist. Jedes Jahr am 7. Dezember muss er nämlich an seinem Haus eine große Opernpremiere herausbringen und die Kulisse für (immer noch) das gesellschaftliche Ereignis im Mutterland der Oper liefern. Wobei sich Italien in den Berlusconi-Jahren längst selbst auf den dürftigen Status eines Stiefmutterlandes herabgestuft hat. Aber die Scala in Mailand wird schon (und sei es mit Sponsorengeldern) überleben.

Szenenfoto

Auftakt mit Furor: Don Giovanni springt auf die Bühne und reist den Vorhang herunter

Neben der aktuellen Opernpremiere ist die Inaugurazione stets auch der Rahmen für den großen Auftritt des Publikums selbst. Dabei hat es durchaus eine politische Komponente, wenn das hemmungslos aufgetakelte Premieren-Mailand, dem greisen, aber wachen Ex-Kommunisten an der Spitze des Staates, Giorgio Napolitano, spontan und herzlich, stehend applaudiert. So nach dem Motto: Der Spuk ist vorbei. Zusammen mit dem neuen, opernaffinen Premier Mario Monti sah die Spitze der Republik in Mailand diesmal jedenfalls erfreulich unspektakulär und „normal“ aus. Lissner musste weder einen drohenden Streik abwenden, noch gab es einen dramatischen Überlebens-Hilferuf vor dem Vorhang.

Szenenfoto

Don Giovanni blickt von oben, hinter den Kulissen, auf die Bauernhochzeit herab

Das alles aber nur Schein sein könnte, ein Spiel mit Verkleidungen und Spiegeln, mit Prospekten und falschen Perspektiven, das war dann das Hauptmotiv in der Don Giovanni - Inszenierung von Robert Carsen. Der steht ja eigentlich für das große Bildertheater, das man in Mailand so liebt, übertreibt es nie mit seinen Hinterfragungen, verwendet aber in der Regel so viel Grips auf seine Deutungen, dass er zur Opulenz auch die Portion interpretierenden Hintersinn mitliefert, die ihn von den szenischen Scala Hausgöttern wie Zefirelli, aber auch von Patrice Chereau, deutlich abheben.

Szenenfoto

Einmal Verkleiden und zurück – zum Ende des Festes bei Don Giovanni verschwinden die Prospekte und der rote Samt der Kostüme wieder

Doch Carsen und sein Team (Michael Levine, Bühne und Brigitte Reiffenstuel, Kostüme) verlegen sich diesmal allzu sehr nur auf ein mittlerweile wohlfeiles Theater-auf-dem-Theater Spiel. Sie variieren im Grunde nur eine Bühnenbild- und Kostümidee und verkleinern damit ausgerechnet diese Oper. Als Don Giovanni bleibt Peter Mattei, vom ersten Sprung auf die Bühne und dem folgenden Herunterreißen des Vorhangs, bis zum lässigen Abschiedsblick, des nach seinem Theatertod wiederauferstandenen Spielmachers seiner eigenen Lust, der eher eindimensionale, gar nicht unsympathische Lebemann. Trotz der Donnerworte des Komturs Kwangchul Youn vom Balkon aus. Und das ganz gleich, wie viele Striche sein (auch stimmlich etwas zu) handfest proletarischer Bühnenarbeiter-Leporello Bryn Terfel da noch auf den Rückseiten der fünf Kulissenwände anbringt, die das permanente Spiel von Täuschung  und Schein einrahmen. 

Szenenfoto

Nutzloses Machtwort aus der Präsidentloge – Der Komtur im Spiegel neben dem Staatspräsidenten

Dass dann auch noch Anna Netrebko (die gerade der Semperoper ihre Zusage fürs Silvesterkonzert mit Thielemann gekanzelt hat) hier die Donna Anna ist, mehr als gut aussieht und mit dramatischem Format singt, Anna Prohaska und Stefan Kovac ein überzeugendes Paar Zerlina und Masetto abliefern und auch Barbara Frittoli doch noch zu überzeugender Donna Elvira – Form findet und Daniel Barenboim das Ganze im Graben souverän und ohne experimentelle Risiken oder interpretatorische Hakenschläge musikalisch zusammenhält, kann Lissner das Ganze wohl als Erfolg für sein Haus verbuchen. Neu erfunden haben sie die Oper der Oper in Mailand diesmal allesamt nicht.


FAZIT

Die aktuelle Inaugurazione-Premiere der "Scala" bot - alles in allem - einen ziemlich „normalen“ Don Giovanni. Was für Italien einerseits beruhigend ist, andererseits aber auch ein bisschen schade.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Daniel Barenboim

Inszenierung
Robert Carsen

Bühnenbild
Michael Levine

Kostüme
Brigitte Reiffenstuel

Licht
Robert Carsen
Peter van Praet

Choreographie
Philippe Giraudeau

Chor
Bruno Casoni



Chor und Orchester des
Teatro alla Scala


Solisten

Don Giovanni
Peter Mattei

Il Commendatore
Kwangchul Youn

Donna Anna
Anna Netrebko

Don Ottavio
Giuseppe Filianotti

Donna Elvira
Barbara Frittoli

Leporello
Bryn Terfel

Masetto
Stefan Kocán 

Zerlina
Anna Prohaska



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Teatro alla Scala
(Homepage)



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