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Wenn der grüne Bambus wieder sprießt
Von Joachim Lange /
Fotos von
Wilfried Hösl
Prinzessin in 3D
Für Zubin Mehta war das ein Heimspiel. Er war lange genug der Chef in diesem Graben, um schon deshalb begeistert empfangen zu werden. Und mit Puccinis unvollendetem Opernmonstrum über die chinesische Prinzessin Turandot ist er obendrein bestens vertraut, hat er doch deren perverse Rätselshow schon in New York, Valencia und sogar in Peking, sozusagen vor Ort, in all ihrem Bombast erklingen lassen. Was er mit dem Staatsorchester bot, war denn auch der überzeugendste Teil der aktuellen Show in Nikolaus Bachlers Münchner Haus.
Niemand schlafe eine Skyline aus Asien Denn das vor allem war es und sollte es wohl auch sein: eine große Show mit ein paar über die Rampe geschmetterten Hits, einer Prise Artistik, Tanzeinlagen zwischen Brake dance und Schattenboxen, bunten Kostümen und zwei Pausen für das amüsierwillige Münchner Premierenpublikum. Was nach Andre Heller klingt, war aber nur ein spanisches Holliday oder besser terrible days on Ice. Carlus Padrissa von der spanischen Theatergruppe La Fura dels Baus setzte das Ganze knallig, bunt, bombastisch und streckenweise sogar in 3D auf die Bühne. Wobei dabei spätestens nach der Avatar-Erfahrung im Kino dem Münchner Nobelhaus etwas die Maßstäbe verrutscht sind, denn es gab nur eine Bastelbogen rot blau als Brille.
Wenn die Schädelfelder wogen Viel Sinn machte es eh' nicht, in den dürftigen Einlangen die asiatisch aufgeputzte Prinzessin auf ihrem Hochgerüst auch noch durch einen imaginären Tunnel mit sich drehenden Armbanduhren oder ähnlichem zu sehen. Bildschirmschonerästhetik als ziemlich dürftiger Showglückskeks. Und wenn Padrissa dann 'mal richtig zulangt, wie mit seinen Unmassen von (abgeschlagenen) Schädeln, die erst wogten und sich dann aufbäumten, schließlich als Vorhang den ganzen Bühnenhintergrund füllen, oder wenn Liu mit der besonders abgefeimten Bambusfolter gerade bestialisch ermordet wird und im Hintergrund ein malerisch grüner Bambuswald wogt, dann könnte man das auch geschmacklos oder leichtfertig finden. Schön ist die nächtliche Skyline einer asiatischen Metropole mit den wie in Leichtbauregalen übereinandergestapelten Bewohnern davor, denen der Schlaf verboten wird. Alles in Allem ist diese Münchner Turandot ein Versuch, das Musical ästhetisch zu toppen. Mit dem Resultat, dass er die Mindeststandards zumindest des Musiktheater im deutschsprachigen soweit unterbietet, dass es diese Oper denunziert. Während Jennifer Wilson eine Turandot im (Eis-)Arenaformat in den Saal schleuderte, überzeugte der mit noch mehr Selbstbewußtsein als Höhe seinen Beifall kassierende Marco Berti als Calaf sowie Ekaterina Scherbachenko als Liù. FAZITMit dieser optisch ärgerlichen Musical-Version hat die Bayerische Staatsoper keinen Dienst am Werk Puccinis vollbracht. Musikalisch immer gab es Hörenswertes. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Video
Licht
Chöre
Dramaturgie
Solisten
La principessa Turandot
L'imperatore Altoum
Timur, Re tartaro spodestato
Il principe ignoto (Calaf)
Liu
Ping
Pang
Pong
Un mandarino
Il principe di Persia
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