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Musiktheater
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Turandot

Damma lirico in drei Akten (Fragement)
Libretto von Giuseppe Adami und Renato Simoni nach Carlo Gozzi
Musik von Giacomo Puccini

in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 45' (zwei Pausen)


Premiere am 3. Dezember 2011 an der Bayerischen Staatsoper München




Bayerische Staatsoper München
(Homepage)

Wenn der grüne Bambus wieder sprießt

Von Joachim Lange / Fotos von Wilfried Hösl
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Prinzessin in 3D

Für Zubin Mehta war das ein Heimspiel. Er war lange genug der Chef in diesem Graben, um schon deshalb begeistert empfangen zu werden. Und mit Puccinis unvollendetem Opernmonstrum über die chinesische Prinzessin Turandot ist er obendrein bestens vertraut, hat er doch deren perverse Rätselshow schon in New York, Valencia und sogar in Peking, sozusagen vor Ort, in all ihrem Bombast erklingen lassen. Was er mit dem Staatsorchester bot, war denn auch der überzeugendste Teil der aktuellen Show in Nikolaus Bachlers Münchner Haus.

Foto

Niemand schlafe – eine Skyline aus Asien

Denn das vor allem war es und sollte es wohl auch sein: eine große Show mit ein paar über die Rampe geschmetterten Hits, einer Prise Artistik, Tanzeinlagen zwischen Brake dance und Schattenboxen, bunten Kostümen und zwei Pausen für das amüsierwillige Münchner Premierenpublikum. Was nach Andre Heller klingt, war aber nur ein spanisches Holliday oder besser terrible days on Ice. Carlus Padrissa von der spanischen Theatergruppe La Fura dels Baus setzte das Ganze knallig, bunt, bombastisch und streckenweise sogar in 3D auf die Bühne. Wobei dabei spätestens nach der Avatar-Erfahrung im Kino dem Münchner Nobelhaus etwas die Maßstäbe verrutscht sind, denn es gab nur eine Bastelbogen rot blau als Brille.

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Wenn die Schädelfelder wogen

Viel Sinn machte es eh' nicht, in den dürftigen Einlangen die asiatisch aufgeputzte Prinzessin auf ihrem Hochgerüst auch noch durch einen imaginären Tunnel mit sich drehenden Armbanduhren oder ähnlichem zu sehen. Bildschirmschonerästhetik als ziemlich dürftiger Showglückskeks. Und wenn Padrissa dann 'mal richtig zulangt, wie mit seinen Unmassen von (abgeschlagenen) Schädeln, die erst wogten und sich dann aufbäumten, schließlich als Vorhang den ganzen Bühnenhintergrund füllen, oder wenn Liu mit der besonders abgefeimten Bambusfolter gerade bestialisch ermordet wird und im Hintergrund ein malerisch grüner Bambuswald wogt, dann könnte man das auch geschmacklos oder leichtfertig finden. Schön ist die nächtliche Skyline einer asiatischen Metropole mit den wie in Leichtbauregalen übereinandergestapelten Bewohnern davor, denen der Schlaf verboten wird.

Alles in Allem ist diese Münchner Turandot ein Versuch, das Musical ästhetisch zu toppen. Mit dem Resultat, dass er die Mindeststandards zumindest des Musiktheater im deutschsprachigen soweit unterbietet, dass es diese Oper denunziert. Während Jennifer Wilson eine Turandot im (Eis-)Arenaformat in den Saal schleuderte, überzeugte der mit noch mehr Selbstbewußtsein als Höhe seinen Beifall kassierende Marco Berti als Calaf sowie Ekaterina Scherbachenko als Liù.

FAZIT

Mit dieser optisch ärgerlichen Musical-Version hat die Bayerische Staatsoper keinen Dienst am Werk Puccinis vollbracht. Musikalisch immer gab es Hörenswertes.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Zubin Mehta

Inszenierung
Carlus Padrissa
(La Fura dels Baus)

Bühne
Roland Olbeter

Kostüme
Chu Uroz

Video
Franc Aleu

Licht
Urs Schönebaum

Chöre
Sören Eckhoff

Dramaturgie
Andrea Schönhofer
Rainer Karlitschek



Chor , Kinderchor und Extrachor
der Bayerischen Staatsoper


Bayerisches Staatsorchester


Solisten

La principessa Turandot
Jennifer Wilson

L'imperatore Altoum
Ulrich Reß

Timur, Re tartaro spodestato
Alexander Tsymbalyuk

Il principe ignoto (Calaf)
Marco Berti

Liu
Ekaterina Scherbachenko

Ping
Fabio Previati

Pang
Kevin Conners

Pong
Emanuele D'Aguanno

Un mandarino
Levente Molnár

Il principe di Persia
Francesco Petrozzi


Weitere
Informationen

erhalten Sie von der

 
Bayerischen Staatsoper München
(Homepage)



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