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Maskerade

Komische Oper in drei Aufzügen
Libretto von Vilhelm Andersen nach Ludvig Holberg
Deutsche Übersetzung von C. Rocholl, revidiert von Willy Dähnhardt
Musik von Carl Nielsen

in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 40' (eine Pause)

Premiere im Theater Krefeld am 12. Mai 2012
(rezensierte Aufführung: 29.05.2012)

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Theater Krefeld-Mönchengladbach
(Homepage)
Maskenball mit Unterwasserwelt

Von Thomas Molke / Fotos von Matthias Stutte

Obwohl Carl Nielsen bloß zwei Werke für die Opernbühne komponiert hat, gilt der außerhalb Dänemarks doch eher unbekannte Komponist mit seiner zweiten Oper Maskerade für die Dänen als Schöpfer ihrer Nationaloper, und so zögerte man auch nicht, die Musikakademie in Odense auf der Insel Fünen nach ihm zu benennen. Das Interesse im deutschsprachigen Raum an diesem Werk erwuchs nahezu erst 90 Jahre nach der Uraufführung in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts, als das Tiroler Landestheater in Innsbruck die deutschsprachige Erstaufführung präsentierte. Das Theater Krefeld und Mönchengladbach ist nun nach dem Staatstheater Kassel, dem Theater Vorpommern in Greifswald / Stralsund  und den Bregenzer Festspielen die fünfte Bühne, die sich der dänischen Opernrarität widmet und dieses stellenweise recht operettenhaft wirkende Werk in einer fantasievollen Inszenierung auf die Bühne bringt.

Jeronimus (Hayk Dèinyan, links) glaubt, seine Familie (von links: Henrik (Tobias Scharfenberger), Leander (Michael Siemon) und Magdelone (Satik Tumyan)) fest im Griff zu haben.

Die Handlung der Oper basiert auf einer gleichnamigen Komödie des dänischen Nationaldichters Ludwig Holberg aus dem Jahr 1724. Der einflussreiche Kopenhagener Bürger Jeronimus möchte seinen Sohn Leander mit Leonora, der Tochter seines Nachbarn Leonard verheiraten. Doch Leander hat sich bei seinen abendlichen Besuchen eines Maskenballs anderweitig verliebt und droht, mit seiner Weigerung den geplanten Ehebund platzen zu lassen. Folglich sperrt Jeronimus seinen Sohn am kommenden Abend im Haus ein, um zu verhindern, dass dieser durch den schlechten Einfluss einer weiteren Maskerade auf dumme Gedanken kommt. Doch Leander ist nicht der einzige, der dem tyrannischen Vater entfliehen möchte. Auch Jeronimus' Ehefrau Magdelone liebäugelt damit, auf dem Maskenball ihrer Lebenslust freien Lauf zu lassen. So wird Arv, den Jeronimus als Wächter vor die Haustür gestellt hat, von Leanders Diener Henrik ausgetrickst, und alle können sich verkleidet zum Maskenfest begeben. Als Jeronimus bemerkt, dass das Haus leer ist, schleicht auch er zur Maskerade und kann nach einigen Verwicklungen beruhigt feststellen, dass die junge Frau, in die sich sein Sohn verliebt hat, Leonards Tochter Leonora ist. Henrik hat derweil mit Leonoras Zofe angebandelt, und auch Magdelone kehrt nach ihrem nächtlichen Abenteuer wieder befriedigt in ihr trautes Heim zurück.

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Geschäftliche Verhandlungen in der Sauna: Jeronimus (Hayk Dèinyan, rechts) mit Leonard (Walter Planté, links) und Arv (Markus Heinrich, Mitte).

Jürgen Kirner hat für die Inszenierung ein sehr fantasievolles Bühnenbild entworfen. Auf einem schwarzen Prospekt wird eine weiße Häuserfront angedeutet, bei der das mittlere Haus sich als Jeronimus' Heim entpuppt. Wie in einer Puppenstube erhascht man einen Blick in unterschiedliche Räume, die mittels Drehbühne jeweils sichtbar gemacht werden. Das Mobiliar in der Küche und in Leanders Zimmer ist in der Farbwahl und mit den elektrischen Geräten eher modern gehalten, was zum gesungenen Text einen gewissen Bruch darstellt. Die Sauna im Badezimmer, in der Jeronimus mit seinem Nachbarn Leonard über die anzubahnende Ehe verhandelt, mag eine Anspielung des Regisseurs Aron Stiehl auf Geschäftsabschlüsse sein, die Firmenbosse angeblich in irgendwelchen Sauna-Clubs tätigen. Der zweite Akt zeigt viele kleine Häuschen, die wie ein Setzkasten aufgebaut sind und jeweils aus einem Schlafzimmer bestehen, in denen sich der Chor befindet, bevor er abends zur Maskerade aufbricht. Wenn Leander auf Leonora trifft, werden die Häuschen auf der Hebebühne nach oben und unten bewegt, um anzudeuten, dass das Leben im Dorf aus den Fugen gerät. Eine Telefonzelle auf der linken Bühnenseite, in der die Figuren zur Maskerade verschwinden, mag eine Anspielung auf die Matrix-Trilogie oder Harry Potter sein, da in beiden Werken auch häufig eine harmlos wirkende Telefonzelle in eine ganz andere Welt führt. Für den dritten Akt hat Kirner ein überdimensionales Bett auf die Bühne gestellt, in dem sich die Figuren tummeln. Das Bullauge an der Bühnenrückwand deutet mit den vorbeiziehenden Fischen an, dass man sich in einer Unterwasserwelt befindet.

Während die Kostüme von Dietlind Konold im ersten Akt recht modern gehalten sind, wird bei der Maskerade im dritten Akt aus dem Vollen geschöpft. Da ist von Comic-Figuren wie Popeye und Olivia, Miss Piggy und Kermit, Mickey und Minnie Maus, über historische Figuren wie Caesar und Cleopatra bis zu Film-Idolen wie Leonardo di Caprio und Kate Winslet aus Titanic so gut wie alles vertreten. Besonders gelungen ist Jeronimus' Verkleidung als aufgeplusterter Gockel, der von seinem Diener Arv als Küken in einem Ei begleitet wird. Witzig ist auch die Idee Magdelone als Blume zu verkleiden, die von Leonard als Biene umschwirrt wird. Das Adam- und Evakostüm von Henrik und Pernille machen wie das überdimensionale Bett deutlich, worum es bei diesen Maskeraden eigentlich geht. Vielleicht ist das auch der Grund, warum Konold im zweiten Akt alle Figuren in weißen Schlafanzügen mit hellblauen Punkten auftreten lässt. Man begibt sich aus der Gegenwart auf eine erotische Reise in das Land der Phantasie.

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Entsetzt beobachtet Jeronimus (Hayk Dèinyan, links), wie seine Frau Magdelone (Satik Tumyan) auf dem Maskenball mit Leonard (Walter Planté, Mitte) anbandelt.

Gelungen sind auch die von Ballettdirektor Robert North choreographierten Tanzeinlagen im dritten Akt. Takashi Kando, Albine Leao Ka und Luca Ponti machen als balzende Strandjungs mit großen Schwimmflossen eine gute Figur, wenn sie die reizenden Damen Teresa Levrini, Yasuko Mogi, Camilla Matteucci umwerben und ein heiteres Bäumchen-wechsel-dich-Spiel veranstalten. Überzeugend gelingt ihnen auch die Darbietung der Liebesgeschichte um Venus, Mars, Hephaistos und Bacchus. Als Langusten im Gefolge des Festordners (Matthias Wippich) zeigen sie in ihren Bewegungen großes komisches Talent. Auch der Chor des Theaters Krefeld und Mönchengladbach beweist bei der Maskerade in den diversen Kostümen große Spielfreude. Leider hapert es bisweilen an den Tempi in der Abstimmung mit der Musik aus dem Orchestergraben, was insofern verwunderlich ist, da Maria Benyumova, die den Chor einstudiert hat, an diesem Abend auch die musikalische Leitung über die Niederrheinischen Sinfoniker innehat.

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Heiß geht es her bei der Maskerade: Henrik (Tobias Scharfenberger) mit Pernille (Eva Maria Günschmann).

Auch den Solisten ist der Spaß an der Inszenierung förmlich anzumerken. Michael Siemon gefällt als Leander mit jugendlichem Tenor, der in den Höhen noch etwas ausbaufähig ist, durch sein leidenschaftliches Spiel. Tobias Scharfenberger gibt Leanders Diener Henrik mit beweglichem Buffo und hat den Schalk stets im Nacken. Mit Siemon bildet er ein Paar, bei dem man sich leicht vorstellen kann, dass diese beiden Jungen von Eltern nicht leicht zu bändigen sind. Satik Tumyan verleiht der Mutter Magdelone schauspielerisch großes Temperament. Markus Heinrich mimt den Knecht Arv herrlich trottelig. Matthias Wippich überzeugt mit kräftigem Bass als Festordner, der das Publikum in die Inszenierung mit einzubeziehen versucht, auch wenn die Reaktionen aus dem Publikum bisweilen ein wenig mau sind. Musikalisch erinnern seine Passagen an den Nachtwächter aus den Meistersingern. Debra Hays hat als Leonora große Momente im dritten Akt als Nixe im Zusammenspiel mit Siemon. Gleiches gilt für Eva Maria Günschmann als Pernille und Scharfenberger. Hayk Dèinyan als Jeronimus und Walter Planté als Leonard zeigen ebenfalls großes komödiantisches Talent. So gibt es am Ende verdienten Applaus für einen unterhaltsamen Abend und für eine recht eingängige Musik, die stellenweise stark an Offenbach erinnert.

FAZIT

Diese Inszenierung wäre sicherlich auch für eine Silvester-Aufführung geeignet. Die Frage ist nur, ob der mangelnde Bekanntheitsgrad des Werkes nicht einen Problemfaktor dabei darstellen würde. In der rezensierten dritten Aufführung am Dienstag nach Pfingsten blieben jedenfalls einige Plätze leer.

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Graham Jackson /
*Maria Benyumova

Inszenierung
Aron Stiehl

Bühne
Jürgen Kirner

Kostüme
Dietlind Konold

Choreographie
Robert North

Choreinstudierung
Maria Benyumova

Dramaturgie
Ulrike Aistleitner


Chor des Theaters
Krefeld und Mönchengladbach

Die Niederrheinischen Sinfoniker


Solisten

*rezensierte Aufführung

Jeronimus, Bürger zu Kopenhagen
Hayk Dèinyan

Magdelone, seine Frau
Satik Tumyan

Leander, sein Sohn
Michael Siemon

Henrik, Leanders Diener
Tobias Scharfenberger

Arv, Knecht
Markus Heinrich

Leonard aus Slagelse
Walter Planté

Leonore, dessen Tochter
Debra Hays

Pernille, Leonores Zofe
Eva Maria Günschmann

Nachtwächter / Festordner / Korporal Mors
Matthias Wippich

Magister
Andrew Nolen

Wachtmeister
Yasuyuki Toki /
*Jaewon Jang

Rosenverkäuferin
Marianne Thijssens /
*Pia Melenk

Junge Mädchen
Maria Gurzynska
Ursula Hennig
Christina Heuten
Anna Hollenberg
Sabine Sanz
Margriet Schlössels

Tanzensemble Damen
*Yasuko Mogi
*Camilla Matteucci
Victoria Hay
*Teresa Levrini
Leona Sivo
Malina Fettkenheuer

Tanzensemble Herren
*Takashi Kondo
*Albine Leao Ka
Jorge Yen
Fabio Toraldo
Antoine Pablo Pros
*Luca Ponti




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