Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musiktheater
Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum



Don Giovanni

Dramma giocoso in zwei Akten
Text von Lorenzo Da Ponte
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart

in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3h 15' (eine Pause)


Premiere im Theater Hagen am 5. Mai 2012

Logo: Theater Hagen

Theater Hagen
(Homepage)
Erotikarm und ohne Mobilar

Von Michael Cramer / Fotos von Stefan Kühle (© Theater Hagen)

Zu Mozarts „Don Giovanni“ vermeldet die Hagener Opernzeitung: „Rasanteste Kriminalgeschichte und eines der tiefschürfendsten Psychogramme der Opernliteratur“; ein hoher Anspruch - nur war davon leider wenig zu spüren.

Don Giovanni (Raymond Ayers) war hier kein erotischer, unverbesserlicher Weiberheld, zwar mit klangschönem, fülligem und runden Bariton, der sich im 2. Akt noch erfreulich steigerte. Aber ein Verführer ? Kaum ausgestattet mit rollengemäßer Bühnenpräsenz, stand der Titelheld meistens fast schüchtern und bescheiden herum. Die Sitznachbarin in der Pause: „… keine Chance bei mir“.

Vergrößerung in neuem Fenster 1003 Verflossene allein in Spanien (Don Giovanni: Raymond Ayers, Leporello: Rainer Zaun)

Ansonsten war eine fast ausstattungsfreie Inszenierung des Hausherrn Norbert Hilchenbach zu goutieren, beinahe nichts gab es bis auf zwei große verschiebbare Bühnenelemente (Jan Bammes), glatt auf der einen und mit angedeuteten Säulen auf der Gegenseite, durch welche die verschiedenen Spielorte andeutet werden sollten und der auch als Hohlraum für die Höllenfahrt des chronischen Frauenverführers verhalf. Weder ein Tötungsinstrument für den Komtur (er wurde mit dem Kopf an die Wand geknallt), noch Gläser bei der Bauernhochzeit, weder irgendwelche szenische Ausstattung und Möbel noch Waffen für die Häscher, die durch Taschenlampen ersetzt waren. Nur beim Fest des Giovanni sah man ein wenig Partyzubehör und Alkoholisches in Weihwasserbecken ähnlichen Behältnissen. Und natürlich das Büchlein des Leporello und zahlreiche Polaroidfotos der Verflossenen.

Vergrößerung in neuem Fenster

Familienfoto der Bauernhochzeit (Masetto: Orlando Mason, Zerlina: Maria Klier)

Auch bei der abschließenden Einladung des Komtur zum Abendessen reichte es nicht mal zu einer Statue, sondern nur zu einem Stuhl, einem Dosengetränk und einer Tüte mit Chips, die an ein Bild des Eingeladenen an der Stuhllehne verfüttert wurden, ansonsten von den Protagonisten fröhlich auf die Bühne gespuckt wurden. Sollte all dies etwa als eine Anspielung auf die dräuende Etatkürzung des Hauses verstanden werden?

Es kann ja durchaus reizvoll sein, nur die Figuren und die geniale Musik Mozarts die Geschichte erkenntnisreich und spannend erzählen zu lassen; allerdings – da muss halt auf der Bühne mehr passieren. Das ist das Manko dieser ansonsten gesanglich und orchestral durchaus sehr ansprechenden und vom vollen Hause stehend bejubelten Premiere gewesen.

Vergrößerung in neuem Fenster Große Party beim Grafen (Don Giovanni: Raymond Ayers, Donna Anna: Jaclyn Bermudez, Don Ottavio: Jeffery Krueger, Donna Elvira: Noa Danon, Masetto: Orlando Mason, Zerlina: Maria Klier)

Es gehört deutlich mehr Aktion auf die Bretter, um die Charaktere der Personen und ihr seelisches Gepräge suffizient herauszustellen. Denn zumeist stand man nur 'rum, vor allem, wenn man nicht selbst etwas zu singen hatte. Und die wenigen Einzelaktionen reichten nicht für flüssige Gedanken- und Handlungsstränge zu verdeutlichen. Denn auch Kostüme (Yonne Forsters) trugen nicht zur Erhellung bei, die durchgängig moderne, teilweise recht schicke 50er-Jahre-Kleidung ließ die Standesunterschiede und Herkunft aller Akteure verschwimmen. Gerade im Don Giovanni wie auch im Figaro hatte Mozart - genial kaschiert - seine Kritiken am Adel und der herrschenden Paare untergebracht – hier ist leider wenig davon zu spüren.

Weitaus fruchtbarer geriet der musikalische Teil des Abends. Das philharmonische Orchester Hagen unter seinem agilen GMD Florian Ludwig musizierte differenziert und nuanciert, mit schönen Bläserfarben, mit Drive, Spannung und Ausspielen der unterschiedlichen Tempi. Gelegentliche Synchronisationsmängel mit den Sängern und kleinere Patzer mögen dem Premierenfieber geschuldet sein, leider erwischte es auch die berühmte Champagnerarie ganz gehörig.

Vergrößerung in neuem Fenster

Der allerletzte Händedruck (Komtur: Michail Milanov, Don Giovanni: Raymond Ayers)

Die Sängerriege war von sehr achtbarem Niveau, qualitativ aus einem Guss und ohne Ausreißer nach oben und unten; eine bedeutsame Leistung für ein Haus dieser Größe. Leporello (Rainer Zaun) mit Trenchcoat, Schirmmütze und Kamera überzeugte – anders als sein Chef – mit manchmal etwas übertriebener Spielfreude, mit einer beweglich, ausdruckvollen Stimme und einer prachtvollen Registerarie. Die beiden betrogenen Damen glänzten mit dramatischen, höhensicheren und gut geführten Stimmen. Die Rolle der Elvira hatte für die erkrankte Kristine Larissa Funkhauser kurzfristig die israelische Sängerin Noa Danon in schicken Designerklamotten und mit bemerkenswerter Sicherheit übernommen, Jaclyn Bermudez als Donna Anna stand ihr in nichts nach. Ottavio (Jeffery Krueger) musste seine große Arie „Dalla sua pace“ leider mit hängenden Schultern im Sitzen singen, sein makelloser Tenor kam so zu wenig zur Geltung. Gesanglich berückend dann das Trio mit „Protegga il giusto cielo“ vor der Ballszene wie auch das Sextett „mille torbidi“. Da schlägt einen die Genialität dieser Musik immer wieder in den Bann, unabhängig von jedweder Inszenierung.

Masetto (Orlando Mason) ist ein hünenhafter Kerl mit angenehmer Stimme, zur kleinen, einfach schön singenden Zerlina (Maria Klier) mit gefühlten gutem halben Meter Längenunterschied, die zum Hochzeitsfoto extra auf ein Podest klettern musste. Michail Milanow, ein Urgestein des Operngesangs, glänzte mit sonorem Bass in der kleinen Rolle des Komturs; leider hatte die Regie auch für seinen zweiten Auftritt eine nur sehr schlichte Aktion vorgesehen. Der kleine Chor (Einstudierung Wolfgang Müller-Salow) sang und agierte einwandfrei.


FAZIT

Die Inszenierung gibt keine neue Sicht auf Mozarts Oper, wie sollte sie auch bei tausenden von Giovanni-Inszenierungen. Aber das Konzept einer im wesentlichen ausstattungsarmen, rein personen-geführten Erzählung überzeugte nicht wirklich, da müsste die Regie noch reichlich nachlegen. Musikalisch und sängerisch ist der Abend allerdings sehr empfehlenswert, vor allem für solche Opernliebhaber, welche die Geschichte ohnehin genau kennen.



Ihre Meinung ?
Schreiben Sie uns einen Leserbrief

Produktionsteam

Musikalische Leitung
Florian Ludwig

Inszenierung
Norbert Hilchenbach

Bühne
Jan Bammes

Kostüme
Yvonne Forster

Choreinstudierung
Wolfgang Müller-Salow

Dramaturgie
Jan Henric Bogen


Chor des Theater Hagen

Philharmonisches
Orchester Hagen


Solisten

Don Giovanni
Raymond Ayers

Donna Anna
Jaclyn Bermudez

Don Ottavio
Jeffery Krueger

Komtur
Michail Milanov

Donna Elvira
Noa Danon

Leporello
Rainer Zaun

Masetto
Orlando Mason

Zerlina
Maria Klier


Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Hagen
(Homepage)




Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum
© 2012 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: oper@omm.de

- Fine -