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Wagners Ring in der Kurzfassung
Von Thomas Molke
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Fotos von Foto Kühle (Rechte Theater Hagen)
Zum 100-jährigen Jubiläum sollte es in Hagen einen ganz besonderen Höhepunkt auf der Bühne geben, und da man bei der derzeitigen Haushaltslage Wagners monumentales Werk hier nicht hätte stemmen können, hatte man aus der Not eine Tugend gemacht und Loriots Bearbeitung der Tetralogie auf den Spielplan gesetzt. Diese Variante hatte bereits beim Theater Krefeld und Mönchengladbach in der vergangenen Spielzeit großen Erfolg gehabt, und auch Hagen kann sich rühmen, einen Großteil der Partien mit Ensemble-Mitgliedern aus dem eigenen Haus hochkarätig zu besetzen. Da hätte es nur noch gefehlt, dass Johan Botha, der seine Verbundenheit zu dem Haus über viele Jahre immer wieder unter Beweis gestellt hat, für das Jubiläum als Siegmund angereist wäre, den er im letzten Jahr des Dorst-Ringes in Bayreuth so erfolgreich verkörpert hat. Aber sein Terminplan hat es sicherlich nicht zugelassen, erneut einen Abstecher in die Volme-Stadt zu machen. Dafür konnte aber Stefan Adam, der langjährigen Theaterbesuchern noch als stimmgewaltiger Bariton in Erinnerung sein dürfte, für einige Vorstellungen als Wotan / Wanderer gewonnen werden. Hartmut Volle als Sprecher auf dem obligatorischen Sofa. Loriots Idee zu einer Kurzfassung der Tetralogie entstand bei der Vorbereitung seiner ersten Mannheimer Spielzeit 1992. Dort war eine Aufführung des gesamten Zyklus in konzertanter Form geplant, weil aufgrund einer bühnentechnischen Sanierung des Hauses eine szenische Aufführung nicht möglich war. In diesem Zusammenhang verfasste Loriot einen ursprünglich als Einführung geplanten Text, in der er alle für das Verständnis wesentlichen Abschnitte der vier Musikdramen berücksichtigte und der einerseits sehr liebevoll, andererseits aber auch sehr ironisch die vieldeutige Tiefe der Ring-Tetralogie erklärte. Mit dieser Fassung wolle er, so Loriot, bei den Freunden der Wagner-Musik Lust auf mehr wecken und den Gegnern auch endlich Gründe für ihre Ablehnung der Musik präsentieren. Aufgrund des überwältigenden Erfolgs dieser Produktion in Mannheim entstand 1993 eine CD-Aufnahme, bei der Auszüge aus den Jahren 1967 bis 1970 von den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Herbert von Karajan mit so namhaften Sängern wie Dietrich Fischer-Dieskau als Wotan, Jon Vickers als Siegmund, Karl Ridderbusch als Hagen und vielen anderen eingespielt wurden. Die Rheintöchter Floßhilde (Nicole Nothbaar, links), Wellgunde (Kristine Larissa Funkhauser, zweite von links) und Woglinde (Jaclyn Bermudez, Mitte) spotten über Alberich (Rainer Zaun) (im Hintergrund: Florian Ludwig mit dem Philharmonischen Orchester Hagen). In Hagen durfte nun Hartmut Volle, der in der vergangenen Spielzeit als Professor Higgins in My Fair Lady glänzte, die beinahe schwierigste Partie übernehmen und in die Fußstapfen des großen Loriot treten, um auf dem obligatorischen Sofa Platz zu nehmen und das Publikum mit Loriots pointierter Betrachtung von Wagners Ring durch den Abend zu führen. Dabei entwickelte er einen eigenen Stil, in dem er das Publikum zum einen verständlich durch die komplexe Handlung der Tetralogie führte, zum anderen mit leichten ironischen Hieben auf die abenteuerlichen Figurenkonstellationen im Ring und Auswüchse des Regietheaters bei der Umsetzung des Werkes zum Schmunzeln brachte. Hinter ihm war das Philharmonische Orchester Hagen unter der Leitung des GMD Florian Ludwig auf der Bühne platziert. Der Orchestergraben war soweit heruntergefahren, dass man wie bei Kabarett-Veranstaltungen noch zusätzliche Reihen im Saal hätte aufbauen können. Leider war dies bei der besuchten Aufführung nicht nötig, da, vielleicht bedingt durch den Wochentag, doch einige Plätze frei geblieben waren. Jon Ketilsson als Siegmund und Siegfried. Nach einer kurzen Einführung begann das Philharmonische Orchester Hagen mit dem berühmten Es-Dur des Rheins, wobei die Blechbläser bei diesem anspruchsvollen Vorspiel an ihre Grenzen stießen. Florian Ludwig schaffte es zwar, den Rhein ganz langsam in seinem Flussbett emporkommen zu lassen, das Blech wirkte aber an zahlreichen Stellen sehr unpräzise. Beim folgenden Gesang der Rheintöchter überzeugten vor allem Jaclyn Bermudez als Woglinde mit kräftigem Sopran und Kristine Larissa Funkhauser als Wellgunde mit wohl-timbriertem Mezzo und klarer Diktion. Rainer Zaun als Alberich merkte man förmlich an, dass er den Nachtalben gerne szenisch auf die Bühne gebracht hätte. So setzte er in seinem Spiel mit den Rheintöchtern und der anschließenden Entsagung der Liebe überzeugende Mimik und Gestik ein. Auch Marilyn Bennett als Fricka und Karsten Mewes als Wotan zeigten in der folgenden Auseinandersetzung großes Vergnügen dabei, die Unstimmigkeiten des Götterpaares mimisch zu präsentieren. Neben dem begeisterten Spiel überzeugte Rainer Zaun mit großem Bass bei seinem Fluch, nachdem Wotan und Loge ihm den Ring geraubt hatten. Der Einzug der Götter in Walhall gelang dem Orchester recht gut, wobei der Klang, zumindest in der zweiten Reihe schon fast ohrenbetäubend laut war. Stefanie Smits als Sieglinde (hier noch mit Textbuch) (im Hintergrund: Florian Ludwig). Aus der Walküre präsentierten im Anschluss der isländische Tenor Jon Ketilsson als Gast und Stefanie Smits, die in dieser Spielzeit auch als Rosalinde in der Fledermaus zu erleben ist, das Duett zwischen Siegmund und Sieglinde "O süßeste Wonne! Seligstes Weib!". Während Ketilsson diesen Teil noch auswendig sang, trat er in den folgenden Szenen als Siegmund und Siegfried mit Textbuch auf, was das mimische Zusammenspiel mit den anderen Solisten stark beeinträchtigte, da er stets sehr auf den Dirigenten am Bildschirm fixiert war. Allerdings sucht man auch unter den zahlreichen großen Tenorpartien, die er unter anderem in Salzburg, München, Dresden und Frankfurt verkörpert hat, die Rollen Siegmund und Siegfried vergeblich. Stimmlich gelangen ihm im Duett mit Stefanie Smits sehr innige Momente, wobei Smits als Sieglinde mit strahlendem Sopran das Publikum begeisterte. Melanie Maennl hatte ihren ersten Auftritt als Brünnhilde in der Todesverkündigung. Mit hochdramatischem Sopran gab sie die Walküre, wobei ihre Textverständlichkeit noch zu optimieren wäre. Im Folgenden konnte man in Hagen mit nur zwei Gästen sogar acht Walküren auf die Bühne stellen, die mit dem voluminösem Klang das kleine Haus fast zum Platzen brachten. Im Anschluss gelang Smits mit "O hehrstes Wunder!" ein regelrechtes Glanzstück. Karsten Mewes rundete diesen glänzenden Teil vor der Pause mit "Leb wohl, du kühnes, herrliches Kind" grandios ab, indem sein profunder Bass sich textverständlich und eindringlich gegen das fulminant aufspielende Orchester durchsetzte. Melanie Maennl als Brünnhilde. Nach der Pause ging es mit dem Gespräch zwischen Mime und Siegfried weiter, in dem Siegfried erfährt, dass er nicht mit Mime verwandt ist. Richard van Gemert klang als Mime stimmlich ein wenig belegt, gefiel aber durch eine klare Diktion und legte den Zwerg glaubhaft böse an. Gleiches galt für seine Auseinandersetzung mit Karsten Mewes als Wanderer. Gemeinsam mit dem Orchester gelang Ketilsson als Siegfried im Anschluss ein sehr inniges Siegfried-Idyll. Auch in dem folgenden Streit zwischen Siegfried und dem Wanderer wussten sowohl Ketilsson als auch Mewes stimmlich zu überzeugen. Nachdem Siegfried jedoch Brünnhilde erweckt hatte, konnte er bei "Sie ist mir ewig, ist mir immer" mit Melanie Maennls voluminösem Sopran nicht ganz mithalten und wurde von ihr lautstark übertönt. In den Auszügen aus der Götterdämmerung hatte nun Raymond Ayers seinen ersten Auftritt als Gunther. Mit weichem Bariton machte er Gunthers Unterlegenheit gegenüber seinem hinterlistigen Halbbruder deutlich. Rainer Zaun begeisterte auch in der Partie des Hagen mit schwarzem Bass und zeichnete den verbitterten Albensohn in "Hier sitz ich zur Wacht" beinahe noch düsterer als dessen Vater Alberich. Stefanie Smits vermochte auch in dem relativ kleinen Auftritt als Gutrune zu punkten. Begeistern konnte ebenfalls Almuth Herbst als Waltraute in ihrer Auseinandersetzung mit ihrer Schwester Brünnhilde. Mit kräftigem Mezzo forderte sie den Ring zur Erlösung vom Fluch. Bei Siegfrieds Tod schepperte erneut das Blech ein wenig. Ansonsten gelang aber auch diese Szene eindringlich. Gleiches galt auch für Brünnhildes Schlussgesang, der beim Publikum stürmischen Beifall auslöste.
Das Theater Hagen hat zum Jubiläum etwas gewagt und dabei gewonnen. Die Kulturpolitiker sollten erkennen, dass es notwendig ist, dieses Haus unbedingt in seinem jetzigen Umfang zu erhalten. Ihre Meinung ? Schreiben Sie uns einen Leserbrief |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Regieassistenz Dramaturgie
Solisten*rezensierte Aufführung
Sprecher
Woglinde / Helmwige
Wellgunde / Siegrune
Floßhilde / Grimgerde
Alberich / Hagen
Fricka /
Roßweiße
Wotan / Wanderer
Loge / Mime
Siegmund / Siegfried
Sieglinde / Gutrune
Brünnhilde
Ortlinde
Waltraute
Gerhilde
Schwertleite
Gunther
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