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reprise.01

Marsch, Walzer, Polka

Ballett von Martin Schläpfer
Musik von Johann Strauß (Sohn) (Walzer An der schönen blauen Donau und Annen-Polka), Josef Strauß (Walzer Sphärenklänge) und Johann Strauß (Vater) (Radetzky-Marsch)

Forellenquintett

Ballett von Martin Schläpfer
Musik von Franz Schubert (Quintett A-Dur D667 Forellenquintett)

Reformationssymphonie

Ballett von Martin Schläpfer
Musik von Felix Mendelssohn-Bartholdy (Symphonie d-Moll op. 107 Reformationssymphonie)

Aufführungsdauer: ca. 2h 45' (zwei Pausen)

Repertoireaufführung am 21. April 2012 im Theater Duisburg


Homepage

Ballett am Rhein / Rheinoper
(Homepage)
Ein romantischer Abend mit dem großen Tänzer Jörg Weinöhl

Von Stefan Schmöe / Fotos von Gert Weigelt

Auf insgesamt elf meistens mehrteilige Ballettabende hat es Martin Schläpfer in seiner Zeit als Chef des Düsseldorf-Duisburger „Ballett am Rhein“ gebracht (der zwölfte wird im Juni 2012 folgen). Als eine Form der Rückbesinnung stellt er jetzt unter dem Motto reprise einzelne Arbeiten neu zusammen – das darf man wohl nicht nur als Wiederaufnahme betrachten, sondern auch auf neue Spannungsfelder hoffen, die aus der Wechselbeziehungen der Stücke entstehen. Unter diesem Blickwinkel gesehen steht reprise.01 unter dem Motto „Romantik“ – jedenfalls vereint die Zusammenstellung durchweg Kompositionen der Romantik.


Vergrößerung Marsch, Walzer, Polka: Anna Tsybina, Alexandre Simões (Foto © Gert Weigelt)

Den Auftakt macht Marsch, Walzer, Polka zu Musik der Strauß-Dynastie (ursprünglich 2006 entstanden für das ballettmainz). Mit dem Konzertwalzer An der schönen blauen Donau, der Annen-Polka und dem Radetzky-Marsch hat Schläpfer mit bösen Hintergedanken drei der populärsten Werke der Wiener-Walzer-Ära und des Konzertbetriebs überhaupt zusammengestellt (hinzu kommt der Walzer Sphärenklänge von Josef Strauß). Diese Sinnbilder einer Epoche sind nämlich keinesfalls als rauschende Opernball-Nummern choreographiert, sondern in geradezu grotesker Manier als Symbole eines fast mechanisch ablaufenden Gesellschaftsbetriebs gestaltet. In Unterwäsche gekleidet verfehlen sich Tänzerinnen und Tänzer, agieren wie Marionetten und sind im harten Streiflicht quasi ohne Bühnenbild, dem realen Raum enthoben, Figurinen, die dem schönen hoffnungslos hinterher hecheln. Den Abschluss bildet eine Pantomime des charimatischen Jörg Weinöhl, der zum Radetzky-Marsch das Gehabe eines hoch dekorierten Generals parodiert. So witzig und pointiert, auch so konkret mit einem außertänzerischen Sujet spielend wie in diesem Stück hat man Martin Schläpfer am Rhein sonst wohl kaum gesehen. Leider ignorieren die recht ruppigen Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Christoph Altstaedt den Charme der Musik weitgehend.


Vergrößerung

Forellenquintett: Ensemble (Foto © Gert Weigelt)

Schuberts Forlellenquintett, hier sehr achtbar gespielt von Mitgliedern der Duisburger Philharmoniker und Christoph Altstaedt am Klavier, ist 2010 vom Ballett am Rhein uraufgeführt worden. Das Tanzensemble ist in hautenge, den ganzen Körper bedeckende Anzüge gekelidet, die Damen mit ineinander fließenden Farben, die Herren in Schwarzweiß-Tönen, und das alles spielt sich vor gestaffelten Vorhängen mit weich fließenden, horizontal verlaufenden Streifen – das ist eine abstrahierte, kaum fassliche Unterwasserwelt, die Ausstatter Keso Dekker da geschaffen hat, und zugleich Spielwiese für allerlei kreative Tanzformen. Eine romantische Ideallandschaft des Schönen, auch wenn Schläpfer natürlich ein paar ironische Widerhaken einbaut. Ein wenig verliert sich das Stück im Unbestimmten, hat Längen, auch weil der Zusammenhang zur Musik weniger zwingend ist als im Wien-Ballett zuvor. Natürlich geht es auch um die Liebe, um die Beziehung zwischen Mann und Frau. Kernstück des Ballets ist der Variationssatz über das Lied „Die lustige Forelle“, die dem Quintett den Namen gegeben hat; wieder ist es Jörg Weinöhl, der hier aus dem Tanzkosmos ausbricht und mit Gummistiefeln mehr bewaffnet als bekleidet die Forelle, sprich: eine hübsche Tänzerin, jagen und fangen darf.


Vergrößerung Reformatiionssymphonie: Julie Thirault, Jörg Weinöhl, Helge Freiberg, Nicole Morel (Foto © Gert Weigelt)

Nach dem flirrend-eleganten, verspielt leichten Forellenquintett setzt die Reformationssymphonie markig und kraftvoll ein, nicht nur musikalisch (musiziert wird sehr wuchtig, spätromantisch inspiriert und mit großem Klang, was insgesamt sehr viel überzeugender gelingt als die Strauß-Werke zu Beginn des Abends). Das Ensemble zeigt Muskeln – es wird ein Ringen um und mit der Musik werden. Stärker als in den anderen beiden Werken des Abends droht der Tanz hier von der Komposition erdrückt zu werden. Und wieder ist es Jörg Weinöhl überlassen, das nachdrücklichste, in diesem Fall aber auch das problematischste Bildzeichen zu setzen: Auf Knien, dabei unfreiwillig komisch im Takt der Musik wippend, und die Hände zu Gebet gefaltet wird er „zu einem geradezu mittelalterlich anmutenden Bild größter Bedrängtheit“ (so beschreibt es der Aufsatz im Programmheft) – da wird Schläpfer allerdings arg pathetisch, mit gefährlicher Schlagseite zum Kitsch.


FAZIT

Ein wenig krank dieser Ballettabend daran, dass die markanteste Choreographie am Beginn, die schwächste oder zumindest angreifbarste am Ende steht – und das drei Schläpfer-Choreographien am Stück vielleicht doch etwas viel des Guten sind (nicht ohne Grund baut Schläpfer in den „normalen“ Ballettabenden gerne Stücke anderer Choreographen ein). Auf der anderen Seite: Zumindest Marsch, Walzer, Polka sollte man sich nicht entgehen lassen.


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Produktionsteam

Marsch, Walzer, Polka

Musikalische Leitung
Christoph Altstaedt

Die Duisburger Philharmoniker

Choreographie
Martin Schläpfer

Kostüme
Thomas Ziegler

Licht
Thomas Diek

Tänzerinnen und Tänzer

Sachika Abe
Ann-Kathrin Adam
Marlúcia do Amaral
Camille Andriot
Aisha L. Arechaga
Doris Becker
Mariana Dias
Feline van Dijken
Yuko Kato
So-Yeon Kim
Anne Marchand
Nicole Morel
Claudine Schoch
Virginia Segarra Vidal
Julie Thirault
Anna Tsybina
Irene Vaqueiro
Paul Calderone
Jackson Carroll
Martin Chaix
Florent Cheymol
Helge Freiberg
Marquet K. Lee
Marcos Menha
Bruno Narnhammer
Bogdan Nicula
Sascha Pieper
Boris Randzio
Ordep Rodriguez Chacon
Alexandre Simões
Remus Sucheana
Pontus Sundset
Maksat Sydykov
Jörg Weinöhl

Forellenquintett

Klavier
Christoph Altstaedt

Violine
Siegfried Rivinius

Viola
Mathias Feger

Cello
Friedemann Pardall

Kontrabass
Sigrid Jann-Breitling

Choreographie
Martin Schläpfer

Bühne, Kostüme, Video
Keso Dekker

Licht , Video
Franz-Xaver Schaffer


Tänzerinnen und Tänzer

Sachika Abe
Ann-Kathrin Adam
Marlúcia do Amaral
Camille Andriot
Aisha L. Arechaga
Feline van Dijken
Christina García Fonseca
So-Yeon Kim
Louisa Rachedi
Virginia Segarra Vidal
Anna Tsybina
Irene Vaqueiro Christian Bloßfeld
Andriy Boyetskyy
Jackson Carroll
Helge Freiberg
Philipp Handschin
Antoine Jully
Bogdan Nicula
Sascha Pieper
Ordep Rodriguez Chacon
Alexandre Simões
Jörg Weinöhl

Reformationssymphonie

Musikalische Leitung
Christoph Altstaedt

Die Duisburger Philharmoniker

Choreographie
Martin Schläpfer

Bühne
Thomas Rupert

Kostüme
Marie Thérèse Jossen

Licht
Franz-Xaver Schaffer


Tänzerinnen und Tänzer

Sachika Abe
Marlúcia do Amaral
Camille Andriot
Doris Becker
Christine Jaroszewski
Yuko Kato
Anne Marchand
Nicole Morel
Julie Thirault
Christian Bloßfeld
Helge Freiberg
Antoine Jully
Bogdan Nicula
Ordep Rodriguez Chacon
Alexandre Simões
Remus Sucheana
Pontus Sundset
Maksat Sydykov
Jörg Weinöhl



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Ballett am Rhein
(Homepage)



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