Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musiktheater
Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum



Alcina
Dramma per musica in drei Akten
Dichtung: Unbekannter Bearbeiter
Musik von Georg Friedrich Händel


In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3 h (eine Pause)

Premiere an der Sächsischen Staatsoper Dresden am 29. Oktober 2011


Homepage

Sächsische Staatsoper Dresden
(Homepage)
Liebe mit Risiken und Nebenwirkungen

Von Joachim Lange / Fotos von Matthias Creutziger

Händels Zauberinnen-Oper Alcina hat aufgeholt. Sie ist präsenter denn je. Was nicht nur an den musikalischen Arien-Prunkstücken liegt, mit denen vor allem Interpretinnen virtuos brillieren können. Es liegt auch an der Geschichte. Sie passt einfach genau in unsere Zeit, wo es mehr um psychologisierende Doppelbödigkeiten geht, als ums Ausschmücken eines möglichst irrationalen Handlungs-Wirrwarrs, so wie zur Londoner Uraufführung von 1735 üblich.

Vergrößerung in
neuem Fenster

Alcina (Amanda Majeski ) und ihre abgelegten Liebhaber

Alcina folgt als Frau so radikal ihren Obsessionen, dass sie den Zauber der Leidenschaft zu entfesseln vermag. Und wenn sie sich längst dem nächsten Objekt der Begierde zuwendet, behält sie sogar ihre abgelegten Liebhaber als eine Art Männerzoo in ihrer Nähe. Erst als sie selbst vor der Zeit verlassen wird, büßt sie ihre Macht ein. Es gehört zu den Vorzügen der Inszenierung des für den nächsten Bayreuther Holländer engagierten Regisseurs Jan Philipp Gloger (30), dass er seine Alcina nicht zum Monster überhöht. In Dresden wird sie am Ende nicht mit großem Theaterdonner in den Orkus befördert, sondern bleibt, ganz menschlich, verletzt und allein zurück. Ihre Gegenspielerin (und Konkurrentin um die Liebe Ruggieros) Bradamante hingegen wird im Verlaufe ihrer Befreiungsmission, zu der sie (als ihr eigener Bruder getarnt) bei Alcina aufkreuzt, immer militanter.

Vergrößerung in
neuem Fenster

Alcina und ihr letzter Liebhaber

Die Sympathien sind damit nicht mehr so eindeutig verteilt, wie man es gewohnt ist. Ruggiero jedenfalls kann sich zwischen den beiden Lebens- und Liebesentwürfen, als deren Vertreterinnen Gloger die beiden exponiert, nicht mehr entscheiden. Als Pointe aus diesem Spiel mit der Wahrheit und Täuschung, der greifbaren Wirklichkeit und der Erinnerung, also einem Kampf mit sich selbst (einmal auch ganz wörtlich mit einem Doubel), vernichtet dieser Ruggiero nicht Alcina und ihre Insel, sondern erschießt sich selbst. Ohne lieto fine. Da fahren dann die riesigen Wände von Ben Baur, die zuerst immer mehr Labyrinth und dann ein Gefängnis für Alcina waren, auseinander und sie entsorgt sich traurig in die zusammengeschobenen Kulissenreste.

Vergrößerung in
neuem Fenster

Morgana und ihr Liebhaber

Glogers Inszenierung ist karg, jedoch nicht ohne dosierte Opulenz. Sie kommt ohne Mätzchen aus, bietet aber effektvolle Ambivalenzen. Und ist obendrein sängerfreundlich. Selbst wenn Alcina, als schlanke, blonde Schönheit im funkelnden Paillettenkleid, nur einsam an der Rampe leidet, stockt dem Publikum der Atem. Überhaupt die Sänger: Amanda Majeski muss keinen Vergleich mit einer der gegenwärtigen Alcina-Interpretinnen scheuen, nach einem so überzeugenden vokalen und darstellerischen Zauber muss man lange suchen. Doch auch sonst obwaltet der pure Luxus: Ob Nadja Mchantaf als ihre attraktive Schwester Morgana, ob der wunderbar strömende Ruggiero von Barbara Senator, oder Christa Mayers höchst souveräne Bradamante, der geschmeidige Simeon Esper als leichtfüßiger Morgana-Liebhaber Oronte, Markus Butters Melisso oder der Oberto von Elena Gorshunova – hier hat die Semperoper-Chefin Ulrike Hessler ein barockversiertes Ensemble aus ihrem Haus zusammengestellt, das sämtlichen Händelfestspielen das Fürchten lehren müsste.

Vergrößerung in
neuem Fenster

Die Befreier…

Im hochgefahrenen Graben dirigiert Rainer Mühlbach kein historisches Spezialensemble, sondern eine nur leicht barock aufgerüstete Formation der Staatskapelle und imitiert auch nicht den Furor, den man mit historischen Instrumenten entfesseln kann. Seine gleichwohl faszinierende Sinnlichkeit setzt vokal an und taucht von da in den Orchesterklang ein. Das mag man etwa bei Ruggieros Tiger-Bravour Arie bedauern, und es wird auch den vorherrschenden Interpretationstrend nicht umkehren, aber eine Möglichkeit der Verführung ist es allemal.


FAZIT

Die Neuinszenierung von Händels Alcina an der Semperoper ist auch jenseits der üblichen historischen Musizierweise ein klug in Szene gesetztes musikalisches Prunkstück.


Ihre Meinung
Schreiben Sie uns einen Leserbrief
(Veröffentlichung vorbehalten)

Produktionsteam

Musikalische Leitung
Rainer Mühlbach

Inszenierung
Jan Philipp Gloger

Bühne
Ben Baur

Kostüme
Karin Jud

Licht
Fabio Antoci

Bewegungscoach
Alfred Hartung

Dramaturgie
Sophie Becker



Sächsische Staatskapelle
Dresden


Solisten

Alcina
Amanda Majeski

Ruggiero
Barbara Senator

Bradamante
Christa Mayer

Morgana
Nadja Mchantaf

Oronte
Simeon Esper

Melisso
Markus Butter

Oberto
Elena Gorshunova

Chorista 1:
Manuel Günther

Chorista 2:
Michael Kranebitter



Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Sächsische Staatsoper Dresden
(Homepage)



Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Musiktheater-Startseite E-Mail Impressum
© 2011 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: oper@omm.de

- Fine -