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La Fanciulla del West
(Das Mädchen aus dem goldenen Westen)


Oper in drei Akten
Libretto von Guelfo Civinini und Carlo Zangarini
nach dem Drama The Girl of the Golden West
von David Belasco
Musik von Giacomo Puccini

in italienischer Sprache

Aufführungsdauer: ca. 3h 15' (zwei Pausen)

Wiederaufnahme im Opernhaus Züricham 14. November 2010


(Premiere: 5. Juli 1998)


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Opernhaus Zürich
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Ambivalente Rollendebüts

Von Thomas Tillmann / Fotos von Suzanne Schwiertz


Wie einen Stummfilm präsentiert David Pountney Puccinis unterschätztes Werk, auf einer Projektionswand werden die einzelnen Akte und das Ende in englischer Sprache angekündigt (mehr gibt es nicht zu lesen, aus technischen Gründen ließen sich keine Übertitel realisieren, was den Zuschauern, die das Stück nicht gut kennen und die kein Italienisch verstehen, natürlich sehr geholfen hätte), und auch im hinteren Teil der Bühne wechseln sich riesige Fotos und Einspieler aus historischen Western ab. Der Intendant der Bregenzer Festspiele erzählt ziemlich schnörkellos die Geschichte (ohne erzwungene Aktualisierungen und vermeintlich die Vorlage aufwertende Mätzchen, Puccini tritt nicht auf, die tiefenpsychologische Trickkiste bleibt geschlossen) und verlässt sich dabei im Wesentlichen auf die Wirkung der wuchtigen, von Jürgen Hoffmann exzellent ausgeleuchteten Bühnenbilder von Stefanos Lazaridis, die freilich auch zwei lange Pausen nötig machen, was die Mehrheit der Zuschauer aber gern in Kauf nahm, zumal man auf der Terrasse im ersten Rang herrlich das beinahe frühlingshafte Wetter genießen konnte. Nicht unerwähnt bleiben sollen die traditionellen Kostüme von Sue Willmington und die Verdienste der Spielleiterin Aglaja Nicolet, die offenbar mehr getan hat als für reibungslose Abläufe zu sorgen, denn das Ensemble zog sie am Ende vor den Vorhang und überreichte ihr Blumen.


Vergrößerung Sie ist der Star in der "Polka": Wirtin Minnie (Emily Magee).

Massimo Zanettis Wiedergabe der wunderbaren Partitur förderte einen nicht enden wollenden Reichtum an Farben und Stimmungen zutage, seine ausgewogenen Tempi und die kontrollierte Dynamik machten es dem Bühnenpersonal nicht allzu schwer, sich gegenüber dem Orchester der Oper Zürich durchzusetzen, das sich einmal mehr in großer Form präsentierte und gerade auch in den ruhigeren Momenten seine Klasse bewies. Ansonsten hatte der Maestro über weite Strecken damit zu tun, Ruggero Raimondi als Jack Rance zu unterstützen, indem er diesem nämlich überdeutlich jeden einzelnen Einsatz gab und auch das eine oder andere Mal einen falschen verhinderte. Unterstützung fand der verdiente Bariton auch bei der rührigen maestra suggeritore Caterina Gallioto, die so deutlich und laut jedes einzelne Wort vorgab, dass eigentlich jeder, der die Partie musikalisch drauf hat, den Text aber nicht gelernt hat, hätte mitwirken können. Bei allem Respekt vor der Lebensleistung des Sängers, dessen Stimme insgesamt etwas fahler als erinnert klingt, der aber nach wie vor imposante, kraftvolle Töne vor allem in der Vollhöhe zur Verfügung hat und damit auch interpretatorische Akzente setzte: Auf ein (spätes, aber nicht zu spätes) Rollendebüt an einem der wichtigsten Opernhäuser der Welt, das sicher keine schlechten Gagen zahlt, muss man sich ein bisschen gewissenhafter vorbereiten. Und auch darstellerisch hätte ich etwas mehr erwartet als die augenfällige Suche nach Punkten auf der Bühne, an denen man sich anlehnen oder hinsetzen kann.


Vergrößerung

Er ist in Minnie verliebt, aber bekommt sie nicht: Sheriff Jack Rance (Ruggero Raimondi).

Für Emily Magees erste Minnie gilt in etwa das, was ich schon über ihre Kaiserin in der Zürcher Frau ohne Schatten angemerkt habe: Ihr "schlanker Sopran" hat "keine Probleme mit den nicht wenigen Tönen über dem System, aber sie ist kein jugendlich-dramatischer Sopran, die Stimme klingt sehr hart und wenig liebenswürdig im nichtsdestotrotz sehr präsenten Forte, die Tiefe ist viel zu schwach ausgebildet, und man könnte sich auch einen etwas mädchenhafteren, weniger kühlen Ton vorstellen (was natürlich Geschmackssache ist)". Was der Amerikanerin für diese kräftezehrende Partie, um die viele Puccini-Sängerinnen sehr bewusst einen riesigen Bogen gemacht haben, aber vor allem fehlt, ist eine tragfähige, substanzreiche Mittellage, und so hörte man hier häufig entweder Sprechgesang oder eine sehr hoch getriebene Bruststimme, was nicht sehr gesund klingt und auch die Intonation beeinträchtigt.


Vergrößerung Er raubt Minnie den Verstand: Dick Johnson alias Bandit Ramerrez (José Cura).

José Curas Singen hat stets und wird immer polarisieren: Natürlich ist das dunkle, beinahe baritonale, bronzene Timbre grundsätzlich eine Freude und absolut richtig für den Dick Johnson, und auch darstellerisch ist der Argentinier natürlich immens involviert und sieht einfach genauso aus, wie man sich die Figur vorstellt. Neben einem grundsätzlich guten Legato in bequemer Lage und einigen geradezu gemeißelten Spitzentönen (wie etwa das H im ersten Akt) wurde man aber auch mit nicht wenigen gestemmten, ziemlich viel Kraft erfordernden Tönen konfrontiert. Allerdings gelang ihm ein wirklich gutes "Ch'ella mi creda", sogar mit einigen schönen Pianotönen und imposantem B.


Vergrößerung

Der erste Kuss schweißt sie für immer zusammen: Minnie (Emily Magee) und Dick Johnson (José Cura).

Dass diese Wiederaufnahme grundsätzlich gut vorbereitet sein muss, zeigten die bemerkenswert sauberen, differenziert ausgeführten Ensembleszenen, in denen die vielen Interpreten der kleineren Partien im Verbund mit den Herren des Chores mehr Eindruck machten als in ihren Soli (auszunehmen ist hier Davide Fersini, der mit dem Lied des Jake Wallace berührte, während ich präsentere und schöner singende Nicks, Sonoras und Ashbys erinnere als Martin Zysset, Cheyne Davidson und Giuseppe Scorsin). Bettina Schneebeli steuerte als Wowkle einige bemerkenswerte Töne bei, sie sei zudem stellvertretend für die vielen Mitwirkenden aus dem Internationalen Opernstudio erwähnt.


FAZIT

Zwei mit Spannung erwartete Rollendebüts machten diesen Nachmittag in der Zürcher Oper zu einem besonderen, ein großer war es nicht, aber eben doch eine gute Möglichkeit, dieses wunderbare Werk zu hören, das selbst mancher Puccinifreund verkennt.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Massimo Zanetti

Inszenierung
David Pountney

Spielleitung
Aglaja Nicolet

Bühnenbild
Stefanos Lazaridis

Kostüme
Sue Willmington

Lichtgestaltung
Jürgen Hoffmann

Chor
Ernst Raffelsberger



Chor des
Opernhauses Zürich

Statistenverein am
Openhaus Zürich

Orchester der
Oper Zürich


Solisten

Minnie
Emily Magee

Jack Rance
Ruggero Raimondi

Dick Johnson
José Cura

Nick
Martin Zysset

Ashby
Giuseppe Scorsin

Sonora
Cheyne Davidson

Trin
Pablo Ricardo Bemsch

Sid
Tomasz Slawinski

Bello
Kresimir Strazanac

Harry
Shinya Kitajima

Joe
Boguslaw Bidzinski

Happy
Thomas Tatzl

Larkens
Aaron Agulay

Billy Jackrabbit
Thomas Forde

Wowkle,
seine Frau
Bettina Schneebeli

Jake Wallace
Davide Fersini

José Castro 
Valeriy Murga

Un postiglione 
Simon Wallfisch





Weitere
Informationen

erhalten Sie vom
Opernhaus Zürich
(Homepage)



Da capo al Fine

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