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Musiktheater
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Katja Kabanowa


Oper in drei Akten
Libretto von Leos Janacek
nach Alexander Ostrowskijs Schauspiel „Gewitter“
In der deutschen Übertragung von Reinhold Schubert
Musik von Leos Janacek


in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 10' (eine Pause)

Premiere im Großen Haus der Städtischen Bühnen am 14. November 2010
(rezensierte Vorstellung: 9. Dezember 2010)


Logo: Städtische Bühnen Münster

Städtische Bühnen Münster
(Homepage)
Das romantisch bewegte Seelendrama einer verheirateten Frau

Von Ursula Decker-Bönniger / Fotos von Michael Hörnschemeyer

Kein Wolgaufer, kein russisches Provinzdorf schmückt das symbolhaltig reduzierte   Bühnenbild Heinz Balthes’, kein Bildnis Iwan des Schrecklichen, auf dessen Sittenkodex für die verheiratete Frau Janaceks Tragödie Katja Kabanowa  anspielt. Eingerahmt von einem leuchtend dunkelblauen Halbrund wird uns als Zeit und Ort der Begegnung, der tragisch-romantischen Selbstentdeckung Katjas das Wasser der Wolga und eine darüber führende Jugendstil-Hängebrücke in verschiedenen Variationen vor Augen geführt. Umzingelt von einem hängenden Stangenwald aus Brückenkonstruktionsteilen, die sich zu Beginn des dritten Aktes in breite, schwarze Trauerstreifen verwandeln, bilden die Brückenbretter bspw. den Boden für die Art déco-Sitzmöbel im Zimmer oder der Arbeitsstube im Kabanowschen Hause und sind im Schlussbild des zweiten Aktes der Untergrund für die Bank und das sommernächtliche Stelldichein am Flussufer.

Leos Janaceks 1921 im Nationaltheater in Brünn uraufgeführte Oper Katja Kabanowa, dessen romantische, 1859 entstandene Schauspielvorlage vom Komponisten selbst gekürzt und als Libretto umgeschrieben wurde, ist momentan an den Städtischen Bühnen Münster in einer stimmigen Inszenierung von John Dew zu erleben – eine Inszenierung, die zunächst im April 2009 in Göteborg Premiere feierte und in der letzten Spielzeit in Darmstadt zu sehen war.

Szenenfoto Kudrjasch und Barbara beim nächtlichen Rendezvous 

Katja Kabanowa, mittlerweile die meistgespielte Janacek-Oper,  stellt die Selbstfindung einer jungen, unglücklich verheirateten Ehefrau dar, die von ihrer Schwiegermutter tyrannisiert wird, sich aus einem erdrückenden Sittenkodex für die verheiratete Frau zu befreien glaubt und ihr Sehnen nach erfüllter Liebe in einer außerehelichen Beziehung sucht. Auch Tichon, ihr Ehemann, wird von seiner Mutter drangsaliert. Allerdings weiß er sich in Dews Interpretation schlussendlich durch den Tod Katjas von dem mütterlichen Joch zu befreien.

Janacek zeichnet ein sensibles, expressives musikalisches Porträt. Viele Metaphern wie das Davonfliegen oder erwartungsfrohe Sinnestaumel werden musikalisch aufgegriffen, weitergeführt und von Anfang an von dunklen Todesahnungen kontrastiert, z.B. von Bassostinati eingefärbt oder von Bläsern dissonant verfremdet. Regisseur John Dews gelungene Personenführung und –konstellationen und  Balthes’ geschickt ausgeleuchtetes Bühnenbild liefern die Hinweise für das Verständnis des Seelendramas, ohne den Raum für subjektive Assoziation und Interpretation zu vernachlässigen.

Szenenfoto

Katja, zum Selbstmord entschlossen

Passend dazu die transparente, plastisch differenzierte Gestaltung des Sinfonieorchester Münster. Ob der Cello getragene, erste B-Moll-Akkord wie aus der Stille erwächst, Tonwiederholungen mit einem leichten Crescendo versehen werden, kontrastierende Tempi und Ausdruck nahtlos aufeinander folgen, unter der Leitung Fabrizio Venturas entsteht eine schillernde psychologische Klangrede, ein ganz vom Atemstrom des Maestro geführtes, spannungsvolles, ja geradezu fesselndes Musikerlebnis.

Plamen Hidjov stellt einen herrisch zurechtweisenden, lüsternen Dikoj dar. Boris, sein Neffe, wird von Daniel Brenna wiedergegeben. Sein jugendlich kraftvoller, direkter, klarer Tenor findet für die anfänglich schwärmende Bewunderung Katjas auch lyrisch weiche Töne, während die Todessehnsucht Katjas gegen Ende des zweiten Aktes mit einem lauten Aufschrei beantwortet wird. Andrea Shin verkörpert engagiert und solide Katjas charakterschwachen Ehemann Tichon, Judith Gennrichs hell timbrierter, leichter, metallisch schwingender Sopran passt gut zur vergnügt das Leben genießenden Pflegetochter Barbara. Fritz Steinbacher ist ein spritzig leichter, textverständlich singender Wanja Kudrjasch. Nadine Secunde verkörpert eine metallisch schillernde, reiche Kaufmannswitwe, eine herausragende Kabanicha, die ihre tyrannisch erregte, dramatische Klangrede mit expressiven, sprachmelodischen Anteilen zu würzen weiß. Auch Hyuna Koh überzeugt – wenn auch ohne stimmlich lyrische Zerbrechlichkeit - als unglückliche Katja Kabanowa. Schauspielerisch differenziert die verschiedenen Stimmungen ausleuchtend gestaltet sie mit kraftvollem, überwiegend schlank geführtem, hin und wieder auch lyrisch schwingenden Sopran ein einfühlsames Porträt dieser jungen Ehefrau. 


FAZIT

Eine sehens- und hörenswerte Inszenierung.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Fabrizio Ventura

Regie
John Dew

Bühne
Heinz Balthes

Kostüme
José Manuel Vazques

Lichtdesign
Dieter Göckel

Chor
Donka Miteva

Dramaturgie
Jens Ponath

Statisterie der
Städtischen Bühnen Münster

Chor der
Städtischen Bühnen Münster

Sinfonieorchester
der Stadt Münster


Solisten

* Besetzung der rezensierten Aufführung

Dikoj
Plamen Hidjov

Boris
*Daniel Brenna /
Norbert Schmittberg

Kabanicha
Suzanne McLeod /
*Nadine Secunde

Tichon
Andrea Shin

Katja
Hyuna Ko

Kudrjasch
Fritz Steinbacher

Barbara
Judith Gennrich

Kuligin
Matteo Suk

Glascha
Simona Maestrini

Fekluscha
Christina Holzinger

Eine Frau aus dem Volk
Ute Hopp



Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Städtische Bühnen Münster
(Homepage)



Da capo al Fine

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