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Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
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| Das romantisch bewegte Seelendrama einer verheirateten Frau Von
Ursula
Decker-Bönniger /
Fotos von Michael Hörnschemeyer Kein
Wolgaufer, kein russisches Provinzdorf schmückt das symbolhaltig
reduzierte Bühnenbild Heinz Balthes’, kein Bildnis
Iwan des Schrecklichen, auf dessen Sittenkodex für die
verheiratete Frau Janaceks Tragödie Katja Kabanowa anspielt.
Eingerahmt von einem leuchtend dunkelblauen Halbrund wird uns als Zeit
und Ort der Begegnung, der tragisch-romantischen Selbstentdeckung
Katjas das Wasser der Wolga und eine darüber führende
Jugendstil-Hängebrücke in verschiedenen Variationen vor Augen
geführt. Umzingelt von einem hängenden Stangenwald aus
Brückenkonstruktionsteilen, die sich zu Beginn des dritten Aktes
in breite, schwarze Trauerstreifen verwandeln, bilden die
Brückenbretter bspw. den Boden für die Art
déco-Sitzmöbel im Zimmer oder der Arbeitsstube im
Kabanowschen Hause und sind im Schlussbild des zweiten Aktes der
Untergrund für die Bank und das sommernächtliche Stelldichein
am Flussufer. Leos
Janaceks 1921 im Nationaltheater in Brünn uraufgeführte Oper Katja Kabanowa, dessen romantische,
1859 entstandene Schauspielvorlage vom Komponisten selbst gekürzt
und als Libretto umgeschrieben wurde, ist momentan an den
Städtischen Bühnen Münster in einer stimmigen
Inszenierung von John Dew zu erleben – eine Inszenierung, die
zunächst im April 2009 in Göteborg Premiere feierte und in
der letzten Spielzeit in Darmstadt zu sehen war. Kudrjasch und
Barbara beim nächtlichen Rendezvous
Katja Kabanowa, mittlerweile die meistgespielte Janacek-Oper, stellt die Selbstfindung einer jungen, unglücklich verheirateten Ehefrau dar, die von ihrer Schwiegermutter tyrannisiert wird, sich aus einem erdrückenden Sittenkodex für die verheiratete Frau zu befreien glaubt und ihr Sehnen nach erfüllter Liebe in einer außerehelichen Beziehung sucht. Auch Tichon, ihr Ehemann, wird von seiner Mutter drangsaliert. Allerdings weiß er sich in Dews Interpretation schlussendlich durch den Tod Katjas von dem mütterlichen Joch zu befreien. Janacek zeichnet ein sensibles, expressives musikalisches Porträt. Viele Metaphern wie das Davonfliegen oder erwartungsfrohe Sinnestaumel werden musikalisch aufgegriffen, weitergeführt und von Anfang an von dunklen Todesahnungen kontrastiert, z.B. von Bassostinati eingefärbt oder von Bläsern dissonant verfremdet. Regisseur John Dews gelungene Personenführung und –konstellationen und Balthes’ geschickt ausgeleuchtetes Bühnenbild liefern die Hinweise für das Verständnis des Seelendramas, ohne den Raum für subjektive Assoziation und Interpretation zu vernachlässigen.
Katja, zum Selbstmord entschlossen Passend
dazu die transparente, plastisch differenzierte Gestaltung des
Sinfonieorchester Münster. Ob der Cello getragene, erste
B-Moll-Akkord wie aus der Stille erwächst, Tonwiederholungen mit
einem leichten Crescendo versehen werden, kontrastierende Tempi und
Ausdruck nahtlos aufeinander folgen, unter der Leitung Fabrizio
Venturas entsteht eine schillernde psychologische Klangrede, ein ganz
vom Atemstrom des Maestro geführtes, spannungsvolles, ja geradezu
fesselndes Musikerlebnis. Plamen
Hidjov stellt einen herrisch zurechtweisenden, lüsternen Dikoj
dar. Boris, sein Neffe, wird von Daniel Brenna wiedergegeben. Sein
jugendlich kraftvoller, direkter, klarer Tenor findet für die
anfänglich schwärmende Bewunderung Katjas auch lyrisch weiche
Töne, während die Todessehnsucht Katjas gegen Ende des
zweiten Aktes mit einem lauten Aufschrei beantwortet wird. Andrea Shin
verkörpert engagiert und solide Katjas charakterschwachen Ehemann
Tichon, Judith Gennrichs hell timbrierter, leichter, metallisch
schwingender Sopran passt gut zur vergnügt das Leben
genießenden Pflegetochter Barbara. Fritz Steinbacher ist ein
spritzig leichter, textverständlich singender Wanja Kudrjasch.
Nadine Secunde verkörpert eine metallisch schillernde, reiche
Kaufmannswitwe, eine herausragende Kabanicha, die ihre tyrannisch
erregte, dramatische Klangrede mit expressiven, sprachmelodischen
Anteilen zu würzen weiß. Auch Hyuna Koh überzeugt –
wenn auch ohne stimmlich lyrische Zerbrechlichkeit - als
unglückliche Katja Kabanowa. Schauspielerisch differenziert die
verschiedenen Stimmungen ausleuchtend gestaltet sie mit kraftvollem,
überwiegend schlank geführtem, hin und wieder auch lyrisch
schwingenden Sopran ein einfühlsames Porträt dieser jungen
Ehefrau.
Eine sehens- und hörenswerte Inszenierung. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
ProduktionsteamMusikalische
Leitung
Regie
Bühne
Kostüme
Chor
Dramaturgie
Solisten* Besetzung der rezensierten AufführungDikoj
Boris
Kabanicha
Tichon
Katja
Kudrjasch
Barbara
Kuligin
Glascha
Fekluscha
Eine
Frau aus dem Volk
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- Fine -