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Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
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Nacht muss es sein,
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Von Roberto Becker
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Fotos von Hans Jörg Michel
Es ist längst Mode geworden, dass soziale Randgruppen nicht nur den Konversationston im Fernsehen verhunzen, sondern auch auf den Theaterbühnen zu Wort kommen. Werden sie dabei zur Personifizierung gesellschaftlicher Widersprüche, dann ist das eine der ureigenen Angelegenheiten der moralischen Anstalt. Kommen sie aber unter dem Logo neuer Theaterformen selbst zu Wort, also ohne die Übersetzung von Leben in Kunst durch die Interpreten, besteht durchaus die Gefahr vom rechten Theater-Wege abzukommen. Auch auf der Opernbühne ist der Blick auf die Welt von ganz unten nach den großen Verismo-Opern, spätestens aber nach Bergs Wozzeck, nichts Neues.
Anna Radziejewska, Thomas Lichtenecker, Thomas McManus
Dem erfolgreichen italienischen Komponisten Salvatore Sciarrino ist gleichwohl mit seiner jüngsten, in Mannheim als Auftragswerk uraufgeführten Oper Superflumina das Kunststück gelungen, zugleich der finsteren Realität eines Lebens in der Obdachlosigkeit und dem poetischen Reiz des Genres Oper auf faszinierende Weise nahezukommen. Ohne jede falsche wohlstandsbürgerliche Anteilnahme stellt er eine obdachlose Frau und ihr Leben am Rande der Gesellschaft in den Mittelpunkt. Seine Oper gliedert sich in vier Bilder, zwei Intermezzi mit originalen italienischen Bahnhofsdurchsagen und drei Liedern in der Mitte des Werkes. Die Frau ist in einem Bahnhof gestrandet, sieht von den Menschen vor allem die Schuhe, beobachtet in der Nacht die Ausbrüche von Gewalt, versteht es aber gleichwohl die zweite, poetische Natur hinter den Dingen zu sehen.
Anna Radziejewska, Thomas Lichtenecker, Bewegungschor
Bei Sciarrino wird dabei ein filigranes, der Stille abgerungenes Klanggewebe immer wieder von harten Signalen unterbrochen, die der Wirklichkeit entspringen. Da zerreißen metallische Maschinentöne für Momente das Gespinst aus Klängen, die wie in einem impressionistischen Nachtbild hingetupft sind. Da klirrt es wie zerspringendes Glas. Und da schwirren die mitgeschnittenen Ansagen aus italienischen Bahnhöfen von heute durch eine Komposition, die es versteht, sich selbst die einzuverleiben. Und irgendwann in der Mitte brechen aus dieser Frau drei betörend schöne Lieder heraus, die sie, ihre triste, dunkle Bahnsteigwelt und den Zuhörer für Momente des puren musikalischen Glücks in eine betörend utopische Mittsommernacht entführen.
Anna Radziejewska, Thomas Lichtenecker, Artur Janda, Bewegungschor
Ganz unmittelbar und ohne jeden Anflug von abgehobener Kunstbehauptung. Vielleicht muss man, wie Sciarrino, Italiener sein, um das so unprätentiös hinzubekommen. Obendrein ist ihm als sein eigener Librettist ein hochpoetischer Text gelungen, bei dem sich das Mitlesen der deutschen Übertitelung des italienischen Gesanges lohnt. Bei Sciarrino wir die Mischung aus Bahnhofsrealität, Bibeltext (Das Hohelied Salomos) und einer Romanvorlage von Elisabeth Smart etwas verzaubernd Eigenes. Die betörend souverän mit Sciarrions perlendem Vokalstil umgehende Sopranistin Anna Radziejewska schafft es, dass man hinter der dunklen und kalten Fassade dieser Welt, die Poesie erkennt, die die Dinge auch haben könnten, wenn man sich aus den Zwängen löst, die die anderen Menschen über die Schrägen von Anne Neusers unspektakulär passendem Bühnenbahnsteig treibt, oder sie davon abhält sich an den nächtlichen Gewaltausbrüchen zu beteiligen, die die Frau nachts zwangsläufig vor ihrer imaginären Haustür mitbekommt. Regisseurin Andrea Schwalbach sorgt für einen sinnvollen szenischen Rahmen, sie lässt die Assoziationen ins Hier und Heute schwingen, ohne mit der Betroffenheitskeule herumzufuchteln. Und weil auch am Pult des Mannheimer Orchesters mit Tito Ceccherini ein mit Sciarrino-Partituren bestens vertrauter Landsmann stand, ist ein rundherum gelungener Uraufführungsabend zu vermelden.
Salvatore Sciarrino ist mit seinem neuen Werk ein überzeugendes poetisches Nachtstück gelungen, das in Mannheim in hoher künstlerischer Qualität uraufgeführt wurde. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Choreografie
Dramaturgie
Chor
Solisten
La donna
Un passante/un poliziotto
Un giovane / Voce lontana
Tänzer
Durchsagestimme männlich
Durchsagestimme weiblich
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