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Superflumina

Opera in un atto
Musik und Libretto von Salvatore Sciarrino

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 1h 45' (keine Pause)

Uraufführung am 20. Mai 2011 am Nationaltheater Mannheim



Homepage

Nationaltheater Mannheim
(Homepage)
Nacht muss es sein,…..

Von Roberto Becker / Fotos von Hans Jörg Michel



Foto kommt später Anna Radziejewska, Bewegungschor

Es ist längst Mode geworden, dass soziale Randgruppen nicht nur den Konversationston im Fernsehen verhunzen, sondern auch auf den Theaterbühnen zu Wort kommen. Werden sie dabei zur Personifizierung gesellschaftlicher Widersprüche, dann ist das eine der ureigenen Angelegenheiten der moralischen Anstalt. Kommen sie aber unter dem Logo neuer Theaterformen selbst zu Wort, also ohne die Übersetzung von Leben in Kunst durch die Interpreten, besteht durchaus die Gefahr vom rechten Theater-Wege abzukommen. Auch auf der Opernbühne ist der Blick auf die Welt von ganz unten nach den großen Verismo-Opern, spätestens aber nach Bergs Wozzeck, nichts Neues.


Foto kommt später

Anna Radziejewska, Thomas Lichtenecker, Thomas McManus

Dem erfolgreichen italienischen Komponisten Salvatore Sciarrino ist gleichwohl mit seiner jüngsten, in Mannheim als Auftragswerk uraufgeführten Oper Superflumina das Kunststück gelungen, zugleich der finsteren Realität eines Lebens in der Obdachlosigkeit und dem poetischen Reiz des Genres Oper auf faszinierende Weise nahezukommen. Ohne jede falsche wohlstandsbürgerliche Anteilnahme stellt er eine obdachlose Frau und ihr Leben am Rande der Gesellschaft in den Mittelpunkt. Seine Oper gliedert sich in vier Bilder, zwei Intermezzi mit originalen italienischen Bahnhofsdurchsagen und drei Liedern in der Mitte des Werkes. Die Frau ist in einem Bahnhof gestrandet, sieht von den Menschen vor allem die Schuhe, beobachtet in der Nacht die Ausbrüche von Gewalt, versteht es aber gleichwohl die zweite, poetische Natur hinter den Dingen zu sehen.


Foto kommt später

Anna Radziejewska, Thomas Lichtenecker, Bewegungschor

Bei Sciarrino wird dabei ein filigranes, der Stille abgerungenes Klanggewebe immer wieder von harten Signalen unterbrochen, die der Wirklichkeit entspringen. Da zerreißen metallische Maschinentöne für Momente das Gespinst aus Klängen, die wie in einem impressionistischen Nachtbild hingetupft sind. Da klirrt es wie zerspringendes Glas. Und da schwirren die mitgeschnittenen Ansagen aus italienischen Bahnhöfen von heute durch eine Komposition, die es versteht, sich selbst die einzuverleiben. Und irgendwann in der Mitte brechen aus dieser Frau drei betörend schöne Lieder heraus, die sie, ihre triste, dunkle Bahnsteigwelt und den Zuhörer für Momente des puren musikalischen Glücks in eine betörend utopische Mittsommernacht entführen.


Foto kommt später

Anna Radziejewska, Thomas Lichtenecker, Artur Janda, Bewegungschor

Ganz unmittelbar und ohne jeden Anflug von abgehobener Kunstbehauptung. Vielleicht muss man, wie Sciarrino, Italiener sein, um das so unprätentiös hinzubekommen. Obendrein ist ihm als sein eigener Librettist ein hochpoetischer Text gelungen, bei dem sich das Mitlesen der deutschen Übertitelung des italienischen Gesanges lohnt. Bei Sciarrino wir die Mischung aus Bahnhofsrealität, Bibeltext (Das Hohelied Salomos) und einer Romanvorlage von Elisabeth Smart etwas verzaubernd Eigenes. Die betörend souverän mit Sciarrions perlendem Vokalstil umgehende Sopranistin Anna Radziejewska schafft es, dass man hinter der dunklen und kalten Fassade dieser Welt, die Poesie erkennt, die die Dinge auch haben könnten, wenn man sich aus den Zwängen löst, die die anderen Menschen über die Schrägen von Anne Neusers unspektakulär passendem Bühnenbahnsteig treibt, oder sie davon abhält sich an den nächtlichen Gewaltausbrüchen zu beteiligen, die die Frau nachts zwangsläufig vor ihrer imaginären Haustür mitbekommt.

Regisseurin Andrea Schwalbach sorgt für einen sinnvollen szenischen Rahmen, sie lässt die Assoziationen ins Hier und Heute schwingen, ohne mit der Betroffenheitskeule herumzufuchteln. Und weil auch am Pult des Mannheimer Orchesters mit Tito Ceccherini ein mit Sciarrino-Partituren bestens vertrauter Landsmann stand, ist ein rundherum gelungener Uraufführungsabend zu vermelden.


FAZIT

Salvatore Sciarrino ist mit seinem neuen Werk ein überzeugendes poetisches Nachtstück gelungen, das in Mannheim in hoher künstlerischer Qualität uraufgeführt wurde.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Tito Ceccherini

Inszenierung
Andrea Schwalbach

Bühne
Anne Neuser

Kostüme
Stephan von Wedel

Choreografie
Thomas McManus

Dramaturgie
Regine Elzenheimer

Chor
Tilman Michael



Statisterie und Bewegungschor des
Nationaltheaters Mannheim

Chor und Orchester des
Nationaltheaters Mannheim


Solisten

La donna
Anna Radziejewska

Un passante/un poliziotto
Artur Janda

Un giovane / Voce lontana
Thomas Lichtenecker

Tänzer
Thomas McManus

Durchsagestimme männlich
Francesco Damiani

Durchsagestimme weiblich
Ludovica Bello



Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Nationaltheater Mannheim
(Homepage)



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