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Elektra

Tragödie in einem Aufzug
Text von Hugo von Hofmannsthal nach Sophokles
Musik von Richard Strauss

in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln
Koproduktion mit Det Kongelige Teater, Kopenhagen

Aufführungsdauer: ca. 1h 45' (keine Pause)

Premiere am 16. April im Opernhaus Leipzig

rezensierte Aufführung: 24. April 2011)


Homepage

Oper Leipzig
(Homepage)
Vom Mord zum Massenmord

Von Roberto Becker / Fotos von Andreas H. Birkigt


Einige Opern von Richard Strauss hat Peter Konwitschny schon inszeniert. In Essen die Daphne, in Hamburg den Rosenkavalier, in Amsterdam die Salome. Vor sechs Jahren hatte seine Elektra die neue Oper in Kopenhagen eröffnet. Sie war anschließend in Stuttgart zu sehen und gehört jetzt in Leipzig zu den wiederaufgenommen und mit neuer Besetzung einstudierten Inszenierungen des Leipziger Chefregisseurs, die dort in den nächsten Jahren den Spielplan bestimmen.


Vergrößerung in neuem Fenster Hinter den Mägden beginnt der Countdown der Rache

Dabei lotet Konwitschny auch in dieser archaisch blutrünstigen Rachetragödie jede Szene auf ihre Komik hin aus. In den bislang ersten beiden Teilen seines für Leipzig neu inszenierten Zyklus mit Opern von Christoph Willibald Gluck hat er diese Methode soweit getrieben, dass Alkestis und Iphigenie auf einen Opern-Comic reduziert wurden. In der Elektra wirkt diese Annäherung jedoch (fast) nie als mutwillig drauf gesetzter Gag, sondern ergibt sich aus der Doppelbödigkeit und dem Untergründigen und verweist auf das dauerhaft Gültige.

Zunächst geschieht das in einer hinzuerfundenen Handlung, die die Vorgeschichte erzählt. Während die Zuschauer noch ihre Plätze suchen und die Musiker ihre Instrumente stimmen, entfaltet sich da nämlich an der Rampe vor einer Spiegelwand ein Familienspaß. Ein Mann badet ausgelassen mit seinen drei Kindern. Zwei Mädchen, ein Junge. Weil der Mann Agamemnon heißt, die Töchter Elektra und Chrysothemis und der Junge Orest, ahnt man früh, dass das Wannenband zum Blutbad wird. Durch zwei Spiegeltüren kommen die Mama mit einem Netz und ihr Liebhaber mit einem Beil. Im Anfang also war der Mord. Am Ende steht ein Massenmord.


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Elektra beschwört ihre Schwester

Wenn die Musik einsetzt, öffnen sich die Spiegelwände wie zwei große Türen. Auf der Rückwand ziehen endlos Wolken und es läuft der unerbittliche Countdown einer Digitaluhr. Bei Null ist Klytämnestra von Orest erschossen und von Elektra noch einmal mit der Axt erschlagen. Und nicht nur die Mägde, auch die vielen andern, die dann hereinströmen sinken von hörbar eingespielten Maschinengewehrsalven getroffen dahin. Auch Elektra, auch Chrysothemis – die wollte noch fliehen, aber da war der Bühnenkasten Hans-Joachim Schliekers zur tödlichen Falle geworden. Was er natürlich schon vorher war, als eine harmlose Sofaecke und die Wanne mit dem „Marat“-gerecht drapierten, aber dann auch zwischendurch mal mitspielenden Agamemnon, in ihrer bürgerlichen sitcom-Biederkeit das alltägliche Grauen hinter der archaischen Tragödie vom Rachemord an der Mutter deutlich machte.


Vergrößerung in neuem Fenster Orest und Elektra

Am Pult des Gewandhausorchesters stand bei dieser zumindest für Leipzig neuen Produktion der gerade zum neuen Intendanten der Oper berufene Ulf Schirmer. Und der übte sich nicht in dezenter Zurückhaltung, sondern ließ es krachen. Allerdings mit Methode, und die betonte, passend zur Inszenierung, vor allem das Zugespitzte, Eskalierende der Elektra-Musik. Schirmer dirigiert sie als das, was sie ja auch ist: Als eine Steigerung der Salome, die für Strauss auch der Endpunkt eines bestimmten Weges war. (Dass man die Elektra auch aus einer anderen, nämlich der Rosenkavalier-Perspektive dirigieren kann hatte Christian Thielemann in Baden-Baden demonstriert.)


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Freudenfeuerwerk der Rache

Die Oper Leipzig hatte allerdings auch die Protagonisten zur Verfügung, die es braucht, um nicht unterzugehen, sondern mit stimmlichem und darstellerischem Format der Wucht des Grabens stand zu halten. Janice Baird lief dabei in der Titelpartie zu Hochform auf, bewältigte die mörderische Partie mit beeindruckender Kondition und Leuchtkraft in der Stimme. Auch Doris Stoffel wirft sich mit Vehemenz in ihre Klytämnestra, macht deren innere Verwüstung mit Eloquenz und Textverständlichkeit glaubhaft. Gun-Brit Barkim nutzte eigene Elektra-Erfahrung für eine überzeugende Chrysothemis. Auch die Männer (Orest: Toumas Pursio, Aegisth: Viktor Sawaley) halten der Frauenpower stand.


FAZIT

Von den Sammlerstücken der zum Opern-Museum für Konwitschny-Inszenierungen avancierten Oper in Leipzig gehört die Elektra szenisch und musikalisch zu den lohnenden Neuerwerbungen.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Ulf Schirmer

Regie
Peter Konwitschny

Bühne und Kostüme
Hans-Joachim Schlieker

Licht
Manfred Voss

Choreinstudierung
Stefan Bilz



Chor der Oper Leipzig

Gewandhausorchester Leipzig



Solisten

Elektra
Janice Baird

Chrysothemis
Gun-Brit Barkmin

Klytämnestra
Doris Soffel

Orest
Tuomas Pursio

Aegisth
Viktor Sawaley

Pfleger des Orest
Roman Astakhov

Die Vertraute
Olena Tokar

Die Schleppträgerin
Ines Reintzsch /
Eliza Rudnicka

Junger Diener
Keith Boldt

Alter Diener
Bernd Zettisch

Aufseherin
Ulrike Helzel

Erste Magd
Claudia Huckle

Zweite Magd
Lena Belkina

Dritte Magd
Jean Broekhuizen /
Elisabeth Halling

Vierte Magd
Viktorija Kaminskaite

Fünfte Magd
Soula Parassidis



Weitere
Informationen

erhalten Sie von der
Oper Leipzig
(Homepage)



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