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Der Ring an 1 Abend

Musik und Dichtung von Richard Wagner
Texte von Loriot



in deutscher Sprache
Aufführungsdauer: ca. 3h 20' (eine Pause)

Übernahme-Premiere im Theater Krefeld am 14. Januar 2011

(Premiere im Theater im Nordpark in Mönchengladbach am 19. Juni 2010)



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Theater Krefeld-Mönchengladbach
(Homepage)
Konzertanter Wagner mit ironischen Zwischentexten

Von Thomas Molke / Fotos von Matthias Stutte

Es sollte ein ganz großes Projekt zum Abschied des Intendanten Jens Pesel am Ende der Spielzeit 2009 / 2010 werden: "Das Rheingold" als Auftakt zu einem kompletten Ring im Theater Krefeld und Mönchengladbach. Doch leider scheiterte dieses Projekt am Geld. Also machte man aus der Not eine Tugend und erwarb als erstes Theater nach dem Nationaltheater Mannheim die Aufführungsrechte an Loriots Ringfassung für einen Abend. Und vielleicht ist dem Theater Krefeld und Mönchengladbach mit dieser Entscheidung der noch größere Wurf gelungen, zumal fast alle Partien, mit Ausnahme von Erin Caves als Gast, von Ensemble-Mitgliedern, bzw. mit Blick auf Kerstin Brix von ehemaligen Ensemblemitgliedern, auf sehr hohem Niveau gesungen wurden und eine Zuschauerin im Foyer auch voller Überzeugung ihrer Freundin mitteilte, dass dreieinhalb Stunden ja wohl auch besser als 15 Stunden Ring-Tetralogie  seien.

Loriots Idee zu einer solchen Fassung entstand bei der Vorbereitung seiner ersten Mannheimer Spielzeit 1992. Dort war eine Aufführung des gesamten Zyklus  in konzertanter Fassung geplant, weil das Haus bühnentechnisch saniert werden musste und folglich eine szenische Aufführung nicht möglich war. In diesem Zusammenhang verfasste Loriot einen ursprünglich als Einführung geplanten Text, in dem er alle für das Verständnis wesentlichen Abschnitte der vier Musikdramen berücksichtigte und der einerseits sehr liebevoll, andererseits aber auch sehr ironisch die vieldeutige Tiefe der Ring-Tetralogie erklärte. Mit dieser Fassung wolle er, so Loriot, bei den Freunden der Wagner-Musik Lust auf mehr wecken und den Gegnern auch endlich Gründe für ihre Ablehnung der Musik präsentieren. Dieser Ring an 1 Abend wurde in Mannheim ein so überwältigender Erfolg, dass schon 1993 eine CD-Aufnahme entstand, bei der die Aufnahmen von Herbert von Karajan und den Berliner Philharmonikern aus den Jahren 1967 bis 1970  mit so namhaften Sängern wie Dietrich Fischer-Dieskau als Wotan, Jon Vickers als Siegmund, Karl Ridderbusch als Hagen und vielen anderen eingespielt wurden.

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Jens Pesel verliest als Sprecher Loriots Texte zu Wagners Ringtetralogie.

In Krefeld (wie auch in Mönchengladbach) durfte nun Jens Pesel als Sprecher auf dem berühmten Loriot'schen Sofa Platz nehmen. Mit einer großen Wagner-Büste und einer  Teekanne und einer Tasse aus feinem Porzellan auf dem Beistelltisch verlas er mit sehr noblem Ton Loriots Text, der das Potpourri aus Wagners Ring-Tetralogie einrahmte, und brauchte sich hinter dem Verfasser nicht zu verstecken. Ohne Loriot absichtlich zu imitieren, fand er zu einer sehr ruhigen und zurückhaltenden Diktion, die den feinsinnigen Humor des Textes wunderbar transportierte und mit der er dem Verfasser des Textes im Vortrag durchaus ebenbürtig wurde. Hinter ihm hatten die Niederrheinischen Sinfoniker unter der Leitung des GMD Graham Jackson Platz genommen. Vor dem Orchester präsentierten sich die Sänger in Abendgarderobe, um einzelne Passagen aus der Tetralogie zu Gehör zu bringen. Mit Ausnahme von Erin Caves, der für den Siegfried recht kurzfristig eingesprungen war, wurde dabei nicht vom Blatt gesungen, sondern auswendig vorgetragen.

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Woglinde (Debra Hays), Wellgunde (Isabelle Razawi) und Flosshilde (hier: Uta Christina Georg, Darstellerin in Mönchengladbach) (Damen von links) spielen mit Alberich (Hayk Dèinyan).

Nach einer kurzen amüsanten Einführung begann das Orchester mit dem berühmten Es-Dur des Rheins, wobei es, vielleicht aufgrund der Premierenaufregung, noch einige Ungenauigkeiten bei den Abstimmungen der Tempi gab. Man hätte sich besonders bei den Blechbläsern mehr Genauigkeit gewünscht. So machte der Rhein doch etwas merkwürdige Bewegungen. Erfreulicher war dann der Auftritt der drei Rheintöchter. Debra Hays als Woglinde, Isabelle Razawi als Wellgunde und Eva Maria Günschmann als Flosshilde überzeugten stimmlich mit einem sehr harmonischen Gesamtklang. Hervorzuheben ist auch ihre großartige Textverständlichkeit. Ihre Stimmen klangen so jugendlich frisch und anziehend, dass es nicht verwunderte, dass der Nachtalb Alberich (Hayk Dèinyan mit sehr profundem Bariton) das Bedürfnis hatte, mit ihnen zu spielen. Während Michael Kupfer als Wotan und Kerstin Brix als Fricka ebenfalls durch ihre sehr klare Diktion überzeugten, bemühte sich allein Walter Planté als Loge, die Rolle auch szenisch anzulegen. Dabei erinnerte seine Darstellung des Loge in seiner servilen Art aber eher an Mime, den er in Siegfried ebenfalls verkörperte. Dennoch durchbrach sein Auftritt das ansonsten etwas sterile Rampensingen. Der Rheingold-Querschnitt endete mit dem Einzug der Götter in Walhall. Endlich konnte das Publikum im Applaus seiner Begeisterung freien Lauf lassen.

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Alberich (Hayk Dèinyan, rechts) wird von Wotan (Michael Kupfer, links) und den listigen Loge (Walter Planté) um den Schatz gebracht.

Stimmlich auf ähnlich hohem Niveau folgte der erste Aufzug der Walküre. Auf "Winterstürme wichen dem Wonnemond" hatte man aber leider vergeblich gewartet. Auch das weitere von Jens Pesel als "Konzertstück" bezeichnete Schmankerl, der Walkürenritt, wurde nicht präsentiert. Schließlich ging es nicht um ein Best-of, sondern um eine möglichst kompakte Darstellung der Gesamthandlung. So begannen Erin Caves als Siegmund und Janet Bartolova als Sieglinde den ersten Aufzug musikalisch erst mit "O süßeste Wonne! Seligstes Weib!" Erin Caves überzeugte dabei vor allem mit strahlenden und klaren Spitzentönen. Janet Bartolova legte die Partie der Sieglinde sehr innig an, so dass das Publikum gerade zu erneutem Szenenapplaus ausholen wollte, als es von Jens Pesels Fortsetzung der Geschichte daran gehindert wurde. Es folgte Siegmunds Todverkündigung durch Dara Hobbs als Brünnhilde, die in den tieferen Lagen mit sehr großem Stimmvolumen erfreute. In den Höhen besaß sie zwar viel Durchschlagskraft, klang bisweilen aber ein wenig schrill. Aus dem letzten Aufzug durfte das Publikum dann noch die Schlussszene zwischen Sieglinde und Brünnhilde "Fort denn eile, nach Osten gewandt" genießen, bevor Michael Kupfer mit Wotans "Der Augen leuchtendes Paar" mit seinem durchschlagkräftigen Bariton und einem hier harmonisch aufspielenden Orchester für einen fulminanten Abschluss vor der Pause sorgte.

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Applaus zur Pause (von links: Brünnhilde (Dara Hobbs), Siegmund (hier: Timothy Simpson in Mönchengladbach), Graham Jackson (GMD), Sieglinde (hier: Kerstin Brix in Mönchengladbach), Wotan (Michael Kupfer) und Jens Pesel als Sprecher).

Nach der Pause wies Jens Pesel darauf hin, dass die Pause in der Handlung wesentlich länger gewesen sei, als man es vielleicht vermuten möge, da Siegfried mittlerweile ein ausgewachsener kräftiger Mann sei. Präsentiert wurde hier das Streitgespräch zwischen Walter Planté als Mime und Erin Caves als Siegfried, wobei erneut Walter Plantés intensives Spiel hervorzuheben ist. Ungewöhnlicher Weise interpretierte er den Mime nicht so servil, wie man ihn normaler Weise aus den Aufführungen gewohnt ist. Dieses Erlebnis hat man halt, wenn ein Sänger seine eigenen Vorstellungen von der Rolle ausleben darf und nicht von einem Regisseur Anweisungen auferlegt bekommt. Auch in der Rolle des Siegfried überzeugte Erin Caves mit seinem strahlenden Heldentenor, auch wenn seiner Stimme die Rolle des Siegmund etwas mehr lag. Als weitere Passagen wurden, anders als auf der 1993 erschienenen CD, nun noch Auszüge aus dem Gespräch zwischen Mime und Wotan als Wanderer zu Gehör gebracht, bevor Siegfried in das Sinnieren über seine Mutter verfiel, nicht ohne dass Jens Pesel darauf hinwies, dass Siegfried nun viele Jahre im Wald vor der Höhle des Drachen gesessen habe, bis Wagner seine Geschichte nach Vollendung des Tristan  und der Meistersinger wieder aufgenommen habe. Es folgte noch die Auseinandersetzung zwischen Wanderer und Siegfried, bevor Siegfried endlich seine Brünnhilde erwecken und gemeinsam mit ihr mit "leuchtende Liebe, lachender Tod" (Dara Hobbs in den Spitzentönen bisweilen etwas schrill) den Schluss des dritten Teils einleiten durfte. Dabei schienen Erin Caves und Dara Hobbs einen Moment unschlüssig, ob sie sich nun der Musik entsprechend in die Arme fallen sollten, entschieden sich dann aber doch für eine eher emotionslose leichte Berührung.

Aus der Götterdämmerung wurde das Orchesterzwischenspiel zwischen Nornen-Szene und der Trennung Siegfrieds von Brünnhilde präsentiert, bevor Siegfried am Gibichungenhof auf Michael Kupfer als Gunther, Matthias Wippich als Hagen und Janet Bartolova als Gutrune traf. Optisch hätte man sich Matthias Wippich eher als Gunther vorstellen können, aber als er dann "Hier sitz ich zur Wacht" präsentierte, wurde deutlich, dass er mit diesem kräftigen Bass alles andere als ein harmloser Gunther war. Seine Stimme klang jedoch noch ein wenig jung, so dass ihm bei aller Tiefe das Dämonische noch etwas fehlte. Wenn dieser Grimm zu der Stimme noch hinzukommt, dürfte er bald ein über die Grenzen hinaus gefragter Hagen-Interpret sein. Anders als auf der CD wurde auch noch der Abschluss des Gesprächs zwischen Brünnhilde und Kerstin Brix als Waltraute in sehr klarer Diktion und mit schöner Stimmführung präsentiert. Danach folgte Siegfrieds Ende mit dem anschließenden Orchesterzwischenspiel, wobei bei "Siegfrieds Tod" erneut einige Ungenauigkeiten im Orchester hörbar wurden. Erneut spielte das Blech nicht akkurat, so dass die Dramatik dieser Szene ein wenig verloren ging. Mit "Grane, mein Ross!" und dem Weltuntergang, dem, nach Jens Pesel, Horror für alle Bühnentechniker, wenn die Regie es zulasse, dass es überhaupt gemäß Libretto inszeniert werde, endete der Abend wieder fulminant in einem nicht enden wollenden Applaus des Publikums, das dem Theater dafür dankte, in nahezu dreieinhalb Stunden so gut unterhalten worden zu sein, ohne sich über irgendwelche Inszenierungs-Mätzchen ärgern zu müssen. 


FAZIT

Für den Ring-Liebhaber steigert die Inszenierung die Lust auf mehr Wagner. Für den Anfänger stellt sie einen hervorragenden Einstieg in die Tetralogie dar. Für den Ring-Gegner ist sie der beste Beweis, dass die Abneigung nicht gerechtfertig ist. Für ein Stadttheater mit kleinem Budget bietet sie die beste Möglichkeit, dem Publikum die Tetralogie in abgespeckter Version zu präsentieren, wobei der Orchesterklang noch ausbaufähig ist.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Graham Jackson

Sprecher
Jens Pesel


Die Niederrheinischen Sinfoniker


Solisten

Rheingold

Woglinde
Debra Hays

Wellgunde
Isabelle Razawi

Flosshilde
Eva Maria Günschmann

Alberich
Hayk Dèinyan

Fricka
Kerstin Brix

Wotan
Michael Kupfer

Loge
Walter Planté

 

Die Walküre

Sieglinde
Janet Bartolova

Siegmund
Erin Caves

Brünnhilde
Dara Hobbs

Wotan
Michael Kupfer

 

Siegfried

Mime
Walter Planté

Siegfried
Erin Caves

Wanderer
Michael Kupfer

Brünnhilde
Dara Hobbs

 

Götterdämmerung

Hagen
Matthias Wippich

Gunther
Michael Kupfer

Siegfried
Erin Caves

Gutrune
Janet Bartolova

Brünnhilde
Dara Hobbs

Waltraute
Kerstin Brix

 



Weitere
Informationen

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Theater Krefeld-
Mönchengladbach

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