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Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
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Von Harlekinen, Zauberern, Trotteln und anderen
Autoritäten Von Ursula Decker-Bönniger / Fotos von Pedro Malinowski Ob man sie als
gegenwartsbezogene Gaunerkomödie inszeniert wie András
Fricsay in Bremen (1989) oder sie mit der Atmosphäre
des Stummfilm verbindet und mit Lichteffekten ausstattet wie in der
Regie von Juri Ljubimow (München 1991), die Oper Die Liebe zu den 3 Orangen von
Sergej Prokofjew ist vielschichtig und lässt vielfältige
Interpretationsmöglichkeiten zu. Die von Truffaldino organisierten Belustigungen vermögen den Prinzen nicht zu heilen. Auch die Szene des
wetteifernden Kartenspiels der Hexe Fata Morgana und des Zauberers
Célio über das Schicksal der ihnen Anvertrauten
zerfällt in zur Dramatik der Musik nicht passende magisch
beschwörende Gesten der Kartenspieler und an Derwische erinnernde
Drehbewegungen der kleinen Teufelchen auf der zweiten Ebene. Unklar
bleibt auch die Funktion der Tragiker, Lyriker, Komiker, Hohlköpfe
und zehn Lächerlichen, stimmlich ganz unterschiedlich
zusammengesetzte Chöre, die im Prolog wie eine graue
Zuschauermasse unbeweglich die Treppe bevölkern, sich über
die Ausrichtung der Oper streiten und sich - je nach Szene - immer
wieder in das weitere Märchengeschehen einmischen, Kommentare
abgeben.
Unterstützt von Frisuren und Kostümen präsentiert Gehlen die Opernfiguren wie heitere Charaktermasken im Sinne der Commedia dell’arte, deren Benehmen und Allüren je nach sozialer Rolle wechseln. Spassmacher Truffaldino erscheint im Harlekin-Kostüm; der an hypochondrischer Melancholie erkrankte Prinz bspw. betritt zunächst als mit Medikamentenkästchen, rosa Schlafanzug, Bettdecke und Kopfkissen ausgestatteter Trottel die Bühne, blickt angstvoll zusammengekauert von seinem Krankenlager aus ins Publikum, während neben ihm karnevaleske Umzüge und hinter ihm unterhaltende Spiele geboten werden. Anschließend bekommt er - vor seiner Reise - einen mattgoldenen Brustpanzer übergestülpt und mutiert während derselben zu Held, Don Quichote und Liebhaber. Was an Gehlens Personenregie allerdings häufig fehlt, sind die vielen zur Commedia dell’arte gehörenden, quirligen, turbulenten, schnell wechselnden, belebenden Gesten, Körperhaltungen und schlagfertigen Kommentare, die das Publikum zum Lachen bringen.
Mit lyrischen Passagen,
scharfen Kontrasten und Akzentuierungen, mit effektvollen
Spielweisen, synkopischen Rhythmen und rhythmischen Ostinati, die sich
über den gesamten orchestralen Klangapparat ausdehnen, führen
uns die Neue Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Rasmus
Baumann die vielfältige, irrationale Welt des Gozzischen
Märchens klanglich vor Augen und lassen die bizarr groteske Komik
der Komposition Prokofjews durchscheinen.
Die passend ausgewählten Gesangssolisten präsentieren ihre breitgefächerten Vokalparts durchgängig textverständlich. Ob Lamento, Lachstaccato oder jugendlich, heldenhaft - Lars-Oliver Rühl bringt mit kräftiger, klarer Stimmführung die verschiedenen Facetten seiner Rolle zum Ausdruck.. Alfia Kamalovas klangvoll schwingender Sopran stellt dynamisch differenziert die zerbrechliche Prinzessin Ninetta dar. Überzeugend auch Nikolai Miassojedov als trauernder, liebender Vater und autoritärer Tyrann sowie der wunderbar grimassierende William Saetre als Truffaldino.
Eine
die verschiedenen Ebenen und das Spielerische betonende Inszenierung,
deren Interpretation jedoch die vielfältige Musik und
Doppelbödigkeit
der Oper zu wenig berücksichtigt Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Musikalische Leitung Inszenierung
und Bühne Kostüme
Licht
Choreinstudierung
Dramaturgie
SolistenKönig Treff
Der Prinz
Clarice
Leander
Truffaldino
Pantalone
Célio
Fata Morgana
Linetta
Nicoletta
Ninetta
Die Köchin
Farfarello
Smeraldine
Der Zeremonienmeister
Der Herold
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