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Musiktheater
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Der Operettenolymp

Eine Gala für die Operette
Musik von Jacques Offenbach, Carl Zeller, Carl Millöcker, Johann Strauss,
Emmerich Kálmán, Franz Lehár, Franz von Suppé, Robert Stolz, Edmund Eysler,
Paul Abraham, Fred Raymond und Eduard Künneke



in deutscher Sprache

Aufführungsdauer: ca. 2 h 40' (eine Pause)

Premiere im Großen Haus des Musiktheaters im Revier am 26. Juni 2011
(rezensierte Aufführung: 09.07.2011)


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Musiktheater im Revier
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Es lebe die Operette

Von Thomas Molke / Fotos von Pedro Malinowski


Nachdem man im Bereich des Musicals mit der Auswahl des Stückes Anatevka in dieser Spielzeit schon - so Generalintendant Michael Schulz - den in einer Umfrage geäußerten Wünschen des Publikums entgegengekommen war, wollte man auch zum Ende der Spielzeit, der in dieser und der letzten Saison bisher völlig vernachlässigten Gattung der Operette huldigen. Allerdings entschied man sich in Gelsenkirchen nicht dafür, ein bestimmtes Werk szenisch auf die Bühne zu bringen, sondern präsentierte in einer Gala ein Potpourri aus teils bekannten, teils äußerst selten auf dem Spielplan stehenden Werken und ging somit nicht das Risiko ein, mit einer fragwürdigen Inszenierung - erinnert sei hier an Michael Schulz' sehr umstrittene Deutung der Fledermaus 2007 - das Publikum eher zu verstören als zu unterhalten.

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"Ja, das Studium der Weiber ist schwer" (von links: Charles Moulton, Joachim G. Maass, Michael Dahmen, Lars-Oliver Rühl, Wolf-Rüdiger Klimm und Piotr Prochera, im Hintergrund: Bernhard Stengel).

Auch wenn der Titel Operettenolymp suggerierte, dass ein musikalischer Schwerpunkt auf den mythologischen Figuren eines Jacques Offenbach liegen würde, kamen aber weder Orpheus in der Unterwelt, noch Die schöne Helena in dem bunten Operettenreigen vor, und der Schwerpunkt lag stärker auf der sogenannten "Goldenen" Wiener Operette. Monty Arnold, der als Moderator für diesen Abend extra engagiert worden war, erklärte dies in seiner charmant witzigen Art so, dass man bei Speiseeis ja auch zuerst an die Italiener und nicht an die Chinesen denke, die es eigentlich erfunden hätten. Wieso der ehemalige Kabarettist und Comedian bei seinen Anmoderationen allerdings nicht auf seine Stichwortzettel verzichtete, war fraglich. Man hätte ihm durchaus frei vorgetragene Kommentare mit dem ihm eigenen komödiantischen Stil zugetraut. Stattdessen nahm er sich ganz im Sinne der Musik zurück und wirkte beinahe schüchtern.

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Michael Dahmen und Marika Carena bei dem Walzer "Küssen ist keine Sünd'".

Musikalisch schoss die Neue Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Bernhard Stengel ein regelrechtes Feuerwerk teils seliger, teils frecher Operettenmelodien ab, bei denen man den einen oder anderen Zuschauer im Saal häufiger mitsummen hörte. Der Opernchor war hinter dem Orchester etwas ungünstig platziert und hatte leichte Schwierigkeiten, über das kräftig aufspielende Orchester zu kommen. Erst als sich die Herren des Chores bei dem Csárdás und die Damen bei "Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht" aus Emmerich Kálmáns Csárdásfürstin auch szenisch vor dem Orchester ins Spiel bringen konnten, präsentierte der Gelsenkirchener Opernchor seine ihm so typische Spielfreude und wirkte sichtlich souveräner. Die szenische Umsetzung der einzelnen Nummern und der freie Vortrag der Solisten sorgten dafür, dass diese Gala eben mehr als ein einfaches Operettenkonzert war.

Da ist zunächst einmal Joachim G. Maass zu nennen, der, beginnend mit einem Schulterkuss und der anschließenden Ohrfeige von Noriko Ogawa-Yatake, seine Arie "Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküsst" aus Millöckers Bettelstudent grandios in Szene setzte. Aus jedem Blick und jeder Geste sprach die Arroganz und Blasiertheit des eitlen Oberst Ollendorf. Auch stimmlich ließ er mit markantem Bass Ollendorfs Entsetzen hörbar werden. Piotr Prochera verteilte mit schmachtendem Blick und lieblichem Bariton "Dunkelrote Rosen" an Damen im Publikum. Diese Arie aus Millöckers Gasparone ist zwar eigentlich für einen Tenor komponiert, wurde von Prochera aber sehr gut umgesetzt. Almuth Herbst ließ mit laszivem Mezzo und strahlenden Höhen "Hör ich Cymbalklänge" aus Lehárs Zigeunerliebe ertönen. Dabei erinnerte sie in ihrem roten Kleid mit dem schwarzen Umhang an eine Schwester von Bizets Carmen.

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Noriko Ogawa-Yatake (links) und Marika Carena (rechts) bei "Meine Lippen, sie küssen so heiß".

Besondere Spielfreude entwickelte auch der Tenor E. Mark Murphy, wenn er als Baron Kolomán Zsupán aus Kálmáns Gräfin Mariza Dorin Rahardja als Lisa aufforderte, mit ihm "nach Varasdin" zu kommen, oder als Boni aus der Csárdásfürstin in "Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht" es sofort mit dem ganzen Damenchor aufnahm. Neben seinem leichten Tenor überzeugte er auch als Tänzer mit Marika Carena zu Robert Stolz' "Salome" und mit Karola Pavone in "Mausi, süß warst du heute Nacht" aus Paul Abrahams Viktoria und ihr Husar. Lars-Oliver Rühl schmetterte mit in den Höhen sehr sicherem Tenor souverän Octavios große Arie "Freunde, das Leben ist lebenswert" aus Lehárs Giuditta. Mit kräftigem Sopran antwortete Noriko Ogawa-Yatake in der Titelrolle aus der gleichen Operette "Meine Lippen, sie küssen so heiß". Darstellerisch nahm man ihr diese Leidenschaft allerdings nicht ganz ab, obwohl (oder weil?) ihr Marika Carena als heißblütige Tänzerin im gleichen Outfit zur Seite gestellt wurde. Vielleicht verbindet man diese Arie aber auch zu häufig mit Anna Netrebko, die sie gerne bei diversen Konzerten als Zugabe mit spielerischer Leichtigkeit präsentiert.

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"Sieben Jahre lebt' ich in Batavia" (von links: E. Mark Murphy, Joachim G. Maass, Dorin Rahardja und Lars-Oliver Rühl).

Petra Schmidt überzeugte mit großem Sopran vor allem in dem Csárdás "Heia, in den Bergen ist mein Heimatland" als Titelfigur aus Kálmáns Csárdásfürstin. Dorin Rahardja präsentierte als Julia de Weert aus Künnekes Der Vetter aus Dingsda mit schwärmerischer Leidenschaft und sehr jungem Sopran "Strahlender Mond". Für den Soubretten-Part war Karola Pavone als Gast engagiert worden. Mit sehr schönem Sopran präsentierte sie die "Christel von der Post" aus Zellers Vogelhändler. Auch als "Mausi" war sie sehr "süß". Als "Juliska aus Budapest" aus Fred Raymonds Maske in Blau hätte man sich allerdings ein bisschen mehr Paprika im Blut gewünscht. Da wirkte sie doch ein wenig zu brav. Michael Dahmen zeigte bei dem Walzerlied "Küssen ist keine Sünd'" aus Eyslers heutzutage relativ unbekannter Operette Bruder Straubinger neben ausgeprägten baritonalen Fähigkeiten im Zusammenspiel mit Marika Carena auch tänzerisches Geschick.

Ein Höhepunkt des Abends war sicherlich Künnekes "Sieben Jahr' lebt ich in Batavia" aus Der Vetter aus Dingsda, was Lars-Oliver Rühl als August Kuhbrot, Dorin Rahardja als Julia, Piotr Prochera als Onkel Josse und Almuth Herbst als Tante Wimpel nicht nur mit großem komödiantischem Talent, sondern auch so textverständlich präsentierten, wie man diesen Ohrwurm selten auf der Bühne erlebt hat. Ergänzt wurde das Quartett von E. Mark Murphy und Joachim G. Maass als Diener Hans und Karl, die bereits mit dem Champagner für die eigentlich als Abschluss des Abends gedachte Champagner-Arie aus Johann Strauss' Fledermaus auftraten. Doch die Begeisterung des Publikums war so groß, dass es die "Berliner Luft" aus Paul Linckes Frau Luna gleich zweimal als Zugabe gab.

FAZIT

Schade, dass dieses Feuerwerk der Operette nur dreimal auf dem Spielplan in Gelsenkirchen stand. Den Abend hätte man sicherlich auch mit großem Publikumszuspruch durch die Abonnements laufen lassen können.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Bernhard Stengel

Szenische Einrichtung
Sandra Wissmann

Kostüme
Andreas Meyer

Choreinstudierung
Christian Jeub

Licht
Patrick Fuchs

Dramaturgie
Anna Grundmeier

 

Opernchor des MiR

Neue Philharmonie
Westfalen



Solisten

Sängerinnen
Almuth Herbst
Karola Pavone
Noriko Ogawa-Yatake
Dorin Rahardja
Petra Schmidt

Sänger
Michael Dahmen
Joachim G. Maass
E. Mark Murphy
Piotr Prochera
Lars-Oliver Rühl

Tanz
Marika Carena
Jakub M. Spocinski

Moderation
Monty Arnold


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