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Ein Viertel
muss reichen
Von Thomas Molke
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Fotos von Pedro Malinowski
'Die Rheintöchter (von links: Wellgunde (Dorin Rahardja), Flosshilde (Almuth Herbst) und Woglinde (Alfia Kamalova)) und Alberich (Bj ørn Waag).Wie mittlerweile bei den meisten deutschen Opern üblich, wurde auch in Gelsenkirchen der Gesang übertitelt, was nicht nötig gewesen wäre, da man die Solisten aufgrund der sehr deutlichen Diktion größtenteils vollständig verstehen konnte. Hilfreich war es dennoch, da neben den Texten auch die Szenenübergänge angegeben wurden, die man in mancher Inszenierung nicht unbedingt nachvollziehen kann, wenn man nicht vorher das Programm oder Libretto ausführlich studiert hat. So konnte man auch ohne große Vorkenntnis dem Handlungsverlauf folgen. Das Es-Dur-Vorspiel stellt für jedes Orchester eine große Herausforderung dar. So scheint auch Rasmus Baumann mit der Neuen Philharmonie Westfalen nicht die Ruhe zu haben, den Rhein sich allmählich aus seiner Tiefe entwickeln zu lassen. Durch Ungenauigkeiten bei den Hörnern ist der Auftakt nicht ganz glatt und der Rhein kommt etwas holprig daher. Die Rheintöchter (Alfia Kamalova mit klarem und kräftigem Sopran, Dorin Rahardja mit sehr jugendlichen Tönen und Almuth Herbst mit einem satten Mezzo) müssen sich schon sputen, so dass ihr ausgelassenes Spiel in den Wogen des Rheins ein wenig hektisch wirkt. Bjørn Waag stattet den Nibelungen Alberich mit einem sehr kräftigen Bariton aus, dem allerdings die Schwärze des bösen Zwergs zuweilen fehlt. So setzt er bei seinem Fluch die Töne zwar sauber an, die Gänsehaut beim Zuhören bleibt aber aus. Im Gegensatz zu den Rheintöchtern bemüht er sich auch nicht, mit Mimik oder Gestik das gesungene Wort in diesem Bild zu unterstreichen. Stress bei Wotan (Andreas Macco, links) und Fricka (Gudrun Pelker, links). Die Riesen (Fasolt (Dong-Won Seo, 2. von rechts) und Fafner (Joachim G. Maass, rechts) verlangen Freia (Petra Schmidt, Mitte) als Lohn. Beim Übergang zum zweiten Bild in luftigen Höhen verlangsamt Rasmus Baumann das musikalische Tempo. Das Walhall-Thema erklingt, mit kleineren Abstrichen bei den Bläsern, sehr erhaben. Die Interpreten der Götter treten allesamt in schwarzem Anzug mit weißem Hemd und weißer Fliege auf, wohingegen die Nibelungen und die Riesen nur ein schwarzes Hemd und eine schwarze Anzugshose mit schwarzem Leibchen tragen. Hier versucht man scheinbar doch, den Unterschied zwischen den Göttern oben und dem Rest optisch sichtbar zu machen. Andreas Macco stattet Wotan mit einem klar verständlichen und beinahe lyrischen Bariton aus, der im Ausdruck aber blass bleibt. Das genaue Gegenteil ist Gudrun Pelker als Fricka. Mit äußerst wohl-timbriertem Mezzo gibt sie auch mimisch die leicht zickige Ehefrau, die ständig herumnörgelt. Noriko Ogawa-Yatake klingt mit ihrem lyrischen Sopran schon etwas zu reif für Freia, auch wenn ihre Jugendlichkeit durch ein weißes wehendes Kleid ausgedrückt werden soll. Sehr überzeugend gestalten Dong-Won Seo als Fasolt und Joachim G. Maass als Fafner die Riesen. Dabei überzeugt Dong-Won Seo vor allem durch seinen durchschlagenden Bass, während Joachim G. Maass das Taktieren und Abwägen des Riesen Fafner sehr glaubhaft darstellt. Guter Rat ist teuer bei den Göttern (von links: Donner (Piotr Prochera), Froh (Lars-Oliver Rühl), Wotan (Andreas Macco), Fricka (Gudrun Pelker) und Freia (Petra Schmidt)) (hinten rechts: die Riesen Fasolt (Dong-Won Seo) und Fafner (Joachim G. Maass)). William Saetre ist stimmlich für die Rolle des Feuergottes Loge eigentlich zu schwach, versucht jedoch, den fehlenden tenoralen Glanz durch sehr expressives Spiel und textbezogene Intonation zu kompensieren. Dabei driftet seine Darstellung bisweilen etwas ins Klischee ab. Mag man zu Beginn noch schmunzeln, wenn er bei seinem Auftritt den Notenständer direkt neben dem Dirigenten beansprucht und die anderen Götter vertreibt, bleiben seine Gesten doch stets gleich und nutzen sich dadurch ab. Zugute halten muss man ihm auf jeden Fall, dass er seine stimmlichen Grenzen genau einschätzen kann und eher in Sprechgesang abdriftet, als mit einem Kraftakt Töne anzustreben, die nicht mehr schön klängen. Beim Abstieg nach Nibelheim zieht Rasmus Baumann das Tempo wieder an. Vielleicht ist es den eingespielten Klängen der Ambosse geschuldet. Mit rotem Licht wird die düstere Stimmung in Nibelheim sichtbar. Mark Bowman-Hester gibt mit näselndem Tenor einen nickligen Mime, der schon deutlich zu erkennen gibt, dass er keineswegs nur das Opfer ist und nicht unterschätzt werden sollte. Alberich tut sehr gut daran, seinen Bruder im Zaum zu halten. Bjørn Waag singt auch hier wunderschön, ist aber ist Alberich einfach zu wenig Furcht einflößend. Vielleicht kann Loge (William Saetre, 2. von links) Wotan (Andreas Macco, links) helfen und Freia (Petra Schmidt) vor Fasolt (Dong-Won Seo) retten. Wenn es mit dem gefangenen Alberich wieder in die luftigen Höhen geht, wechselt Rasmus Baumann erneut das Tempo und die Neue Philharmonie Westfalen spielt wieder erhabener. Bjørn Waag legt jetzt szenisch zu. Wenn Alberich seines ganzen Schatzes beraubt wird und letztendlich auch noch vom Ring lassen muss, wird es ihm dann doch zu bunt. Waags Verfluchung des Rings gelingt eindrucksvoll und überzeugend. Schade, dass Andreas Maccos Spiel als Wotan weiterhin so blass bleibt. Grandios und beeindruckend gelingt Gudrun Pelkers Auftritt als Erda. Frei trägt sie Erdas Rat vor, von dem Ring zu lassen, auch wenn man diese Partie von einem Alt sonst ein wenig tiefer gewohnt ist. Nachdem Wotan den Ring den Riesen überlassen hat und der Fluch durch Fafners Mord an Fasolt sich bereits erfüllt, ziehen die Götter in Walhall ein. Besonders lobenswert ist an dieser Stelle Lars-Oliver Rühl, der den Froh mit sehr kräftigem Tenor präsentiert. So stimmgewaltig hat man Froh selten gehört. Noch ein bisschen zu jung scheint Piotr Procheras Bariton für Donner zu sein. Ihm fehlt beim Heraufbeschwören des Gewitters die erforderliche Durchschlagskraft. Beim Einzug der Götter in Walhall legt sich die Neue Philharmonie Westfalen noch einmal ins Zeug, so dass sie den Abend zu einem gelungenen Abschluss bringt und gemeinsam mit den Solisten mit einem großen Applaus des Publikums bedacht wird. FAZIT Dieses Meisterwerk einmal ohne Regiemätzchen zu erleben, hat auch seinen Reiz. Alles in allem gelingt dem Musiktheater im Revier eine stimmlich und musikalisch beachtliche Umsetzung.
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Produktionsteam
Musikalische Leitung Licht
Dramaturgie
Neue Philharmonie
Solisten*rezensierte Aufführung
Wotan
Donner Froh
Loge
Alberich
Mime
Fasolt
Fafner
Fricka
Freia
Erda
Woglinde
Wellgunde
Flosshilde
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