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Amok
zwischen Designermöbeln Von Christoph Wurzel / Fotos: Barbara Aumüller
Zwar ist
die Geschichte dieser rasenden Mörderin auf der Opernbühne durchaus
geläufig, aber Charpentiers Médée, obendrein seine einzige Oper, ist
darunter eine absolute Rarität im Repertoire. Die Frankfurter Oper hat
sich in dieser Spielzeit dieses Opernstoffes gleich zweimal
angenommen: in einer zeitgenössischen Fassung von Aribert Reimann zu
Beginn und gegen Ende nun in der barocken Version von Marc-Antoine
Charpentier, die am Hofe des Sonnenkönigs 1693 nur mit geringem Erfolg
uraufgeführt wurde und dann bis zu einigen Wiederbelebungsversuchen in
den achtziger Jahren nahezu in der Versenkung verschwand.
Die
Medea-Geschichte gehört wohl zu den unerhörtesten Stoffen der
Opernliteratur – vielleicht, weil dieser Mythos über alle Zeiten
hinweg elementare Gefühle evoziert: Eifersucht, Rache, Entsetzen. Im
Bockenheimer Depot wurde die barocke Lesart dieser archaischen
Handlung (freilich um den Prolog gekürzt, der nur das übliche
absolutistische Herrscherlob singt) in die Jetztzeit versetzt, in ein
Ambiente gehobener Wohnkultur mit Penthouse, Designermöbeln und edler
Garderobe. Gleichsam veristisch entwickelt sich zuerst die Geschichte:
Medea und Jason sind mit ihren zwei Kindern vor Verfolgung an den Hof
Kreons nach Korinth geflüchtet, was sich aber als unsicheres Asyl
erweist, denn Kreon möchte Medea bald loswerden und Jason stattdessen
mit seiner Tochter Créuse verkuppeln. Erst nach und nach erfasst Medea
diesen Betrug und hier kippt die Handlung in eine fantastische Ebene.
Nun beginnt Medeas Rachefeldzug, bei dem sie kein Maß kennt und alle
Höllenkräfte der Zerstörung in Bewegung setzt, durch die sie erst
Kreon in den Wahnsinn treibt (er landet im Wasserpflanzenbassin), der
Nebenbuhlerin mit einem vergifteten Kleid höllische Todesqualen
bereitet und schließlich vor den Augen des untreuen Gatten die Kinder
ermordet. Hier zieht die Regie alle Register von Hexenküche und
Spukspektakel. Das wirkt in den Effekten bisweilen etwas aufgesetzt
und hergeholt, wird aber in der Personenregie schlüssig umgesetzt.
Als Medeas Konkurrentin machte die Sopranistin Christine Karg eine darstellerisch wie stimmlich exzellente Figur. Ihre Sterbeszene im Giftkleid war einer der Höhepunkte des Abends. Auch Simon Bailey als Créon überzeugte durch klares Rollenprofil als durchschaubar intriganter Herrscher. Julien Prégradien meisterte die wegen sehr hoher Lage heikle Tenorpartie des Jason gut und war auch schauspielerisch als schwacher, verführbarer Charakter überzeugend. Die weiteren Rollen waren durchaus adäquat mit guten Kräften des Frankfurter Ensembles besetzt. Andrea Marcon, Spezialist des italienischen Barock, reicherte die an sich weniger impulsive französische Diktion mit Temperament an, was Charpentiers Musik durchaus gut bekam. Das offensichtlich um einige Barockspezialisten erweiterte Ensemble des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters meisterte die Partitur exzellent, ließ schöne Klangfarben hören und achtete auf rhythmische Geschmeidigkeit.
FAZIT Ein
Erfolg auf der ganzen Linie: hoher Repertoirewert, anregende Szene,
beeindruckende Besetzung der Hauptrollen, wunderbarer Klang aus dem
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Produktionsteam
Musikalische Leitung
Ensemble Barock vokal
Solisten
Médée |
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E-Mail: oper@omm.de
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