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L'elisir d'amore
(Der Liebestrank)


Opera comica in zwei Akten
von Felice Romani
Musik von Gaetano Donizetti



in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 40' (eine Pause)

Premiere im Aalto-Theater Essen am 2. Juli 2011



Logo:  Theater Essen

Theater Essen
(Homepage)
Donizetti goes Zauberberg

Von Thomas Tillmann / Fotos von Kathrin Holighaus

Vergrößerung in neuem Fenster Der Quacksalber Dulcamara (Roman Astakhov) preist einen Liebestrank an, der stark an Coca Cola erinnert, die Sanatoriumsinsassen sind begeisert.

Donizettis L'elisir d'amore ist eine wunderbare opera comica, die besonders publikumswirksam ist, wenn man sie mit leichter Hand, geschmackvollem Humor und in liebevoll gestaltetem ländlichen Ambiente präsentiert. Mit anderen Worten: Das Werk aufgrund der Erwähnung des Tristan-und-Isolde-Stoffes, den Thomas Mann in seiner Wagnerverehrung rezipiert hat, und aufgrund des Auftauchens eines Scharlatans in ein von Harald Thor nicht schön, aber aufwändig gebautes Sanatorium à la Zauberberg zu verlegen, ist mehr als willkürlich, überflüssig und wenig überzeugend, ja nach kürzester Zeit bereits ausgereizt. Viel mehr ist Andreas Baesler aber nicht eingefallen, jedes Handlungsmoment wird dieser zentralen Idee untergeordnet und mit gleichermaßen hausbackenen wie derben und geistlosen Mätzchen aufgepeppt (ein paar leicht bekleidete ältere Herren werden mit einem Schlauch abgespritzt, die Damen fallen am Ende wie Mänaden über Nemorino her, der - huch, wie verrucht - auf einmal mit schmächtigem freien Oberkörper da steht). Wirklich stören tut das nicht, das Werk würde in jedem Ambiente irgendwie funktionieren, ebenso wie in dem hier gebotenen Ambiente manch anderes Stück angesiedelt werden könnte (hat sich Thomas Mann nicht auch zur Lustigen Witwe und zum ersten Aufzug der Walküre geäußert, Deko also bitte keinesfalls entsorgen!). Am meisten Freude hatte vermutlich noch Gabriele Heimann angesichts der Aufgabe, Kostüme der vorletzten Jahrhundertwende zu kreieren - besonders schön, elegant oder vorteilhaft waren sie indes nicht, das professionelle, aber auch sehr konventionelle Licht von Manfred Kirst konnte daran wenig ändern, auch nicht ein paar Stilmöbel, Plastikpflanzen, ein schicker Lüster und ein überstrapaziertes Grammophon aus der Requisite.

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Giannetta (Christina Clark) knetet den schmucken Sergeanten Belcore (Tommi Hakala), in den Sanatoriumschefin Adina (Liana Aleksanyan) sich zum Ärger des verliebten Nemorino (Andreas Hermann) verguckt hat.

So richtig beurteilen lässt sich die Leistung des Ensembles nicht, wenn drei der beteiligten Herren indisponiert sind respektive ersetzt werden müssen: Andreas Hermanns luftigem, nicht gerade betörend timbrierten Tenor war indes der grippale Infekt (noch) nicht anzuhören, da gab es kaum Einschränkungen, er hätte wohl auch bei bester Gesundheit großen Respekt vor der Rolle und namentlich den hohen Tönen, die er freilich auf ordentlichem Stadttheaterniveau und mit guter Phrasierung bewältigte, in der Gestaltung seines Parts sicher nicht unbeeinflusst von der Interpretation des singulären Juan Diego Florez, aber von der Natur nicht so exzeptionell beschenkt. Immerhin, er verbreitete im lähmenden Ambiente wenigstens ein wenig Spielfreude, das war nicht wenig an diesem Abend und galt ebenso für Roman Astakhov, der den Dulcamara mit sicherem Gespür für die Grenze zur Outrage und zur Klamotte freilich nur spielte und von der Seite von Derrick Ballard vom Oldenburger Staatstheater vokal sehr ordentlich vertreten wurde, an dessen respektablen Wotan (!) in der Walküre vor einigen Monaten ich mich sehr gut erinnere (was für ein vielseitiger Sänger, da hätten die Pausennörgler im Foyer verstummen sollen, die monierten, dass man in Essen angesichts der Kartenpreise und des eigenen Anspruchs vielleicht auch mit einem Gast aus Wien hätte rechnen dürfen und nicht aus der niedersächsischen Provinz).

Vergrößerung in neuem Fenster Adina (Liana Aleksanyan) weiß es selber nicht: Liebt sie Belcore oder Nemorino? Die Lektüre der Erzählung von Tristan und Isolde hilft nicht wirklich weiter.

Tommi Hakala wurde vom Intendanten als Spezialist im Belcantofach angekündigt (den Belcore sang er 2009 immerhin auch schon in Amsterdam), was ein Blick auf sein weit gespanntes Repertoire ansonsten nicht erkennen lässt; zweifellos war er der Partie gewachsen und überzeugte mit virilem Ton und ebensolchem Charme, Feinheiten und Geschmeidigkeit indes bekam der sensible Hörer nicht geboten (das wäre beim erkrankten Heiko Trinsinger sicher auch nicht der Fall gewesen). Christina Clark war eine durchaus witzige, reizende Giannetta mit leicht wieder zu erkennendem Sopran und charaktervollen tiefen Tönen, der kaum weniger Volumen hatte als der von Liana Aleksanyan, die als Adina erst gegen Ende so richtig auftrumpfen konnte und dann einige wirklich bemerkenswerte Koloraturen und furchtlos attackierte Acuti beisteuerte, aber eigentlich nie so richtig das Zentrum der Aufführung war. Eine erste Darstellerin ist die sympathische Armenierin nämlich leider nicht, die am Aalto vor allem durch ihre Interpretation der großen Mozartrollen aufgefallen ist, die man ihr eher zutraut als Tatjana, Amelia Boccanegra oder Desdemona, die sie in Braunschweig bereits gesungen hat.

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Vielleicht kann Dulcamara (Roman Astakhov) ja auch Adina (Liana Aleksanyan) und ihre Gefühle beeinflussen - hofft Liftboy Nemorino (Andreas Hermann).

Der von Alexander Eberle betreute Chor delektierte sich an den überschaubaren darstellerischen Aufgaben und sang ordentlich, nicht mehr und nicht weniger. Guillermo García Calvo hatte die undankbare Aufgabe, ein völlig auf den Hausherrn eingestelltes Orchester zu betreuen, und entwickelte dabei nicht die rechte Autorität; dem Spiel der Essener Philharmoniker, die ja in den letzten Jahren nicht nur die schweren Strauss- und Wagneropern aufgeführt, sondern auch Rossini und Bellini gespielt haben, fehlte es an Esprit, Prägnanz und Charme, alles plätscherte belanglos wie die gebotene Szene vor sich hin, was zu wenig ist für ein Meisterwerk des Belcanto. Immerhin, den Sängern, die sich zumeist brav an der Rampe einfinden durften, war der Spanier ein verlässlicher Partner.

Vergrößerung in neuem Fenster Und natürlich kriegen sie sich doch: Adina (Liana Aleksanyan) und Nemorino (Andreas Hermann).


FAZIT

Man wurde das Gefühl nicht los, dass diese Produktion von Anfang an mit wenig Herzblut konzipiert wurde, was ja häufig der Fall ist, wenn der Hausherr nicht involviert ist. Dieser Liebestrank tut indes niemandem weh, da kann man Grundschüler wie Senioren problemlos ein paar Jahre hineinschicken. Und, wie gesagt, das Bühnenbild unbedingt für weitere Einsätze aufbewahren ...


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Guillermo García Calvo

Inszenierung
Andreas Baesler

Bühne
Harald Thor

Kostüme
Gabriele Heimann

Chor
Alexander Eberle

Licht
Manfred Krist

Dramaturgie
Nils Szczepanski



Statisterie
des Aalto-Theaters

Opernchor
des Aalto-Theaters

Essener Philharmoniker


Solisten

Adina,
reiche, junge Pächterin
Liana Aleksanyan

Nemorino,
mittelloser Laufbursche
Andreas Hermann

Belcore, Sergeant
Tommi Hakala

Dulcamara,
Wunderdoktor
Roman Astakhov (Spiel)
Derrick Ballard (Gesang)

Giannetta,
Angestellte
Christina Clark

Gaetano, Klavierspieler
Wolfgang Tacke

Notar
Markus Seesing






Weitere Informationen
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Da capo al Fine

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