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Menschen und Götter am Morgen und am Abend
Von Ursula Decker-Bönniger / Fotos stellt die Rheinoper uns nicht zur Verfügung
Das Kulturhauptstadtjahr Ruhr 2010 ist auch Hans Werner Henze-Jahr. Ob als Symposium, Film, Tanz, Konzert oder Musiktheater - überall an Rhein und Ruhr kann man die verschiedensten Klangwelten dieses zeitgenössischen Romantikers hören und genießen. Die Deutsche Oper am Rhein präsentiert derzeit im Theater Duisburg eine Neuinszenierung der erst 2007 in Berlin uraufgeführten Konzertoper Phaedra – eine Mythen- und Märchenoper, die von der internationalen Opernzeitschrift „Opernwelt“ zur Uraufführung des Jahres ernannt wurde. Mit viel Selbstreflexion und Lust an dramatischen Konflikten greift der Librettist Christian Lehnert in einem ersten Akt - erzählend, berichtend, die leidenschaftlichen Verwirrungen der Protagonisten schonungslos ausbreitend - auf den griechischen Phaedra-Mythos zurück: Phaedra, die zweite Frau des Theseus, wird - angestachelt von Aphrodite und in Abwesenheit ihres Mannes - von brennender Liebe zu ihrem Stiefsohn Hippolyt ergriffen. Dieser jedoch fühlt sich als begeisterter Jäger zur jungfräulichen Göttin Artemis hingezogen und weist seine Stiefmutter entrüstet zurück. Hassgeblendet verleumdet Phaedra Hippolyt, sie vergewaltigt zu haben. Theseus bittet daraufhin seinen Vater Poseidon, den vermeintlichen Übeltäter zu strafen. Und während Hippolyt mit seinem Gespann an der Küste entlang fährt, lässt Poseidon aus dem Meer Minotauros aufsteigen. Die Pferde scheuen, Hippolyt stürzt und wird zu Tode geschleift. Phaedra begeht Selbstmord. Anders als in der griechischen Mythologie setzt sich im zweiten Akt der Konzertoper das Drama in der Unterwelt fort. Während die Göttin Artemis ihren geliebten Hippolyt neu zusammenflickt, ihm einen anderen Namen gibt und in einen Käfig bzw. eine Höhle sperrt, um ihn ganz für sich allein zu haben, bedrängen, verwirren und verspotten ihn Aphrodite und Phaedra. In einem Akt gewaltsamer Selbstbefreiung dringt der „sanfte Dulder“ Hippolyt schließlich zur Selbsterkenntnis vor und lebt als friedlicher Waldgott, als „König der Wälder“ am See von Nemi zum im Hintergrund tanzenden Minotauros. Die unvermittelt lebensbejahende Wendung, die die dramatischen Konflikte im Schlussquintett Henzes nehmen, wird in der Regie von Sabine Hartmannshenn nicht aufgegriffen. Hippoyt befreit sich, indem er Phaedra erwürgt. Statt friedlicher Harmonie erstarrt das Schlussbild in Tod, Einsamkeit und Leere. Sabine Hartmannshenn zeigt den Mythos „Phaedra“ als Teil menschlicher Macht- und Liebesbeziehungen. Und wenn sich zu Beginn Schritt für Schritt das Halbdunkel lichtet, die Protagonisten im Prolog aus dem Bühnenboden wie Statuen auffahren und zum Leben erwachen, ahnt man noch nichts von dem tragisch endenden hetero-, homoerotischen Drama. Das Bühnenbild stellt zunächst einen großzügig konzipierten, leeren Innenraum dar, dessen Wände aus lebendig wirkendem Granitblöcken gebaut scheinen und der durch eine breite Treppe mit der Vorderbühne bzw. einer Brücke über den Orchestergraben verbunden ist. Im zweiten Akt wird sich dieser Raum in ein surreales, blutbeflecktes Schlachtengemälde verwandeln, in einen heruntergekommenen Operationssaal, der mit auf dem Boden verteilten Gliedmaßen, Kettensäge, OP-Lampe, spanischer Wand, Krankenhausbett und Schaukel ausgestattetet ist. Aufreizende Kostüme, dargestellte Langeweile, Manipulation und zwanghafte Lust spitzen die musikalischen Klanggewitter und ironisch wirkende Einbindung von Geräuschen wie Alarmglocke, Motorsäge und Telefon spannungs- und eindrucksvoll zu einer tragischen Groteske zu. Inszeniert als Psychodrama stellt sich die Interpretation von Sabine Hartmannshenn nicht der besonderen Herausforderung, die in der widersprüchlichen Gattungsbezeichnung „Konzertoper“ begründet ist. Nach Henzes Vorstellungen sollen sich szenische Darstellung und konzertante Aufführungspraxis vermischen und das in Gruppen aufgeteilte Kammerorchester sichtbar auf der Bühne sein. In Duisburg wetteifern die etwa 23 Instrumentalsolisten traditionell aus dem Orchestergraben mit den Gesangssolisten auf der Bühne.
Unter der musikalischen Leitung von Wen-Pin Chien entsteht ein plakatives, leuchtendes Klanggemälde, das die Modernität Henzes, die dissonanten, expressiven Facetten seiner Klangsprache unterstreicht, den sentimentalen, zarten kammermusikalischen Stellen vor allem dynamisch – zumindest in der besuchten Vorstellung - wenig Raum lässt.
Eine Inszenierung, die weniger das Spielerische, Konstrastive sondern eher den tragischen Kern dieser Konzertoper beleuchtet. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Licht
Dramaturgie
Solisten
Phaedra
Aphrodite
Hippolyt
Artemis
Minotaurus (Sänger)
Minotaurus (Tänzer)
Gehilfe der Artemis
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