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Dichtung von Joseph Gregor Premiere in der Sächsischen Staatsoper
Dresden am 2. Oktober 2010 Es ist zwar nicht wirklich zu
begründen warum, aber es ist doch immer
etwas Besonderes, wenn ein Werk auf der Bühne seiner
Uraufführung zu erleben
ist. Gerade auch, wenn es sich um eine seltener gespielte Oper handelt,
wie
„Daphne“ von Richard Strauss. Gerade hier sind die Erwartungen hoch und
die Herausforderungen groß.
Das liegt einerseits an den enormen Ansprüchen, die die Partien an
die
Sängerinnen und Sänger stellen und andererseits an einer
Handlung und einem
Libretto, die über große Strecken den Eindruck machen, als
seien sie reine
Trägermasse zur Bereitung eines Stimmenfestes. Diesem Eindruck
wollte Regisseur
Torsten Fischer mit seiner Inszenierung entgegenwirken, indem er die
Geschichte
anders erzählt und ihr einen politischen Tiefgang verordnet, den
sie im
Original nicht hat. Daphne verweigert sich der Lebensart
ihrer Umgebung und heute
insbesondere der Teilnahme am fröhlichen Dionysos-Fest, sie sehnt
sich nach
Natur und fühlt eine starke Verbundenheit mit der Sonne und den
Pflanzen. Besonders
Bäumen fühlt sie sich in geschwisterlicher Liebe stärker
verbunden als ihren
Eltern, dem zum Fischer gewordenen Ex-Gott Peneios und der erd- und
lebensverbundenen
Gaea. Als der von ihr als Gatte verschmähte Leukippos vom
eifersüchtigen, als
Hirte verkleideten Gott Apollo getötet wird, betrauert sie den
brüderlich, aber
nicht leidenschaftlich geliebten Gefährten ihrer Jugend. Vom
reumütigen Apollo
in einen Lorbeerbaum verwandelt, erlebt sie die glücklichste Phase
ihres
Dasein - als Schwester ihrer geliebten Bäume. Soweit das Original. Sophie Scholls Text auf den Gazeschleier projiziert
Bei seinen Recherchen hat der
Regisseur einen Text von Sophie Scholl
entdeckt, in dem sie eine Liebe zur Natur beschreibt. Dieser Text wird
zu
Beginn der Oper auf den Gazevorhang projiziert und Daphne in Bezug zu
Sophie
Scholl gesetzt. Die Handlung spielt nun in der Entstehungszeit der
Oper. Was
folgt, ist absehbar: Flugblätter und Brutalität, Faschisten,
Gefangennahmen,
Folterungen, das ganze Programm, das überall da zu sehen ist, wo
es
hinpasst oder
auch – und das häufiger – nicht. Aus den bunt gekleideten Menschen ist
eine uniforme Masse geworden. Beim
„Fest des Dionysos“ warnen die Hirten die Mädchen vor den
Schäfern, die schon
etwas zu viel Wein getrunken haben. Daraus macht der Regisseur eine
brutale
Verfolgung und Demütigung der Frauen. Inzwischen wurde die leere
Bühne mit
einer bühnenbreiten hohen Treppe versehen. Leukippos wird von
Apollos neuen
Schergen mit deren Gewehrkolben brutal erschlagen, nicht ohne vorher
eine
Handvoll Flugblätter in die Luft geworfen zu haben.
Spätestens hier assoziiert
man mit ihm Sophies Bruder Hans Scholl. Schließlich werden alle
wie in Zeitlupe in graue Kleidung
gezwungen und
auf die Hinterbühne abgeführt. Ein bühnenbreiter und
–hoher Spiegel (die sind
bei Bühnenbildnern gerade besonders hoch im Kurs) lässt sie
wie an einer
Bühnenhinterwand aufgehängt erscheinen. Als Schlußbild sind diese
Menschen wie eine Baumkrone angeordnet und
wiegen ihre Arme wie Zweige im Wind. Daphne legt sich dazu und wird
eins mit
ihnen. Ganz uniform. Ganz uniform mit den anderen Menschen? Das ist
doch gerade
das, was Daphne nicht möchte! Das Bild ist wunderschön und
erscheint als ein
ganz besonders ästhetischer Anblick. Vielleicht bleibt mir eine
tiefere
Bedeutung verborgen, aber so schön es ist – so unsinnig erscheint
es mir. Unpassend
sowohl zu Daphne als auch zu Sophie Scholl. Daphne
(Camilla Nylund) betrauert Erklärtermaßen ist keine
Eins-zu-eins-Umsetzung der Daphne-Sophie Scholl
Übertragung beabsichtigt, das macht die Sache nicht besser,
erklärt es doch
gleich, dass es sich hier – wieder einmal – um eine Verkettung von
Ideen und
Assoziationen handelt. Und wenn die Szene und der Text so gar nicht
zusammenpassen wollen, wenn das eigene Konzept an bestimmten Stellen
hakt, dann
wird das – auch wieder einmal – als „interessanter Bruch“ verkauft. Daphne und Sophie Scholl trennt
mindestens ein ganz erheblicher Aspekt:
Sophie Scholl hat als Widerstandskämpferin ihr Leben riskiert und
verloren. Sie
hat gegen das Unrecht gekämpft. Daphne ergeht sich in ihrer
Naturverbundenheit,
entzieht sich dem Leben und beklagt Leukippos ausgiebig, wird aber
nicht für
die Gerechtigkeit aktiv. Diese Übertragung wird Sophie Scholl
nicht gerecht. Auch musikalisch bringt diese
Produktion nur wenig Freude. Der junge
Dirigent Omer Meir Wellber konzentriert sich regieadäquat auf die
martialisch
und gewaltig zum Klingen zu bringenden Passagen der Partitur. Dabei ist
er
regelmäßig ganz einfach viel zu laut und erstickt die
Sänger, die oft kaum
deutlicher als eine Orchesterstimme zu hören sind. Schade, denn
die großartige
Sächsische Staatskapelle könnte das viel differenzierter. Robert Dean Smith hat als Apollo am
meisten zu kämpfen, kann seine
lyrischen Qualitäten kaum gegen den Eindruck aufwiegen, dass ihm
für diese
Partie der heldische Glanz und die Durchschlagskraft fehlen. Ladislav
Elgr
überzeugt da als Leukippos weit mehr mit klar-glänzendem
Timbre, punktgenauen
Spitzentönen und außergewöhnlicher
Bühnenpräsenz. Camilla Nylung betört als Daphne vor
allem mit wunderschönen Tönen in der Mittellage, die
Anstrengungen dieser
Partie machen sich jedoch in der Höhe mit engen und spitzen
Tönen bemerkbar.
Von Strauss’ Instrumentierung auf federsanften Händen getragen
begeistert
Christa Meyer als Gaea ebenso mit ihrem samtweichen Alt wie Georg
Zeppenfeld
mit seinem balsamischen Bass als Peneios. Schäfer, Mägde und
Chor lassen
keine Wünsche
offen. Die Übertragung Daphne-Sophie
Scholl wird weder der Widerstandskämpferin
noch der griechischen Heldin gerecht. Der mythologischen Figur tut es
nicht
weh. Der Oper durchaus. Sophie Scholl hat angemessenere
Würdigungen verdient. Musikalische
Leitung Inszenierung
Bühnenbild Kostüme Malerei Licht Komparserie Peneios
Gaea Daphne Leukippos Apollo Schäfer Schäfer Weitere
Informationen
Daphne
Bukolische Tragödie in einem Aufzug
von Richard Strauss
Besuchte Aufführung: 8. Oktober 2010
Sächsische Staatsoper Dresden
(Homepage)
Am Thema vorbei
Von Bernd
Stopka / Fotos von Matthias
Creutziger
Apollo (Robert
Dean Smith) und Daphne (Camilla Nylund),
Peneios (Georg Zeppenfeld) und Gaea (Christa Meyer)
Leukippos (Ladislav Elgr) kurz vor seiner Ermordung
Leukippos (Ladislav Elgr, liegend),
Apollo (Robert Dean Smith, links)
wird vom Gewissen geplagt
Daphne
(Camilla Nylund) vor der
lebenspendenden und zerstörerischen Sonne
auf dem Weg zur Baumwerdung
FAZIT
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Produktionsteam
Omer Meir Wellber
Torsten Fischer
Herbert Schäfer
Andreas Janczyk
Pablo Assante
Vasilis Triantafillopoulos
Fabio Antoci
Dramaturgie
Nora Schmidt
Sächsische
Staatskapelle Dresden
Herren des Sächsischen
Staatsopernchores
Solisten
Georg Zeppenfeld
Christa Mayer
Camilla Nylund
Ladislav Elgr
Robert Dean Smith
Schäfer
Jeremy Bowes
Aaron
Pegram
Ilhun Jung
Peter Lobert
Magd
Romy Petrick
Magd
Gala El Hadidi
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(Homepage)
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