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Rusalka

Lyrisches Märchen in drei Akten
Text von Jaroslav Kvapil
Musik von Antonin Dvorak


in tschechischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3h 15' (zwei Pausen)

Premiere im Opernhaus Bonn am 3. April 2011


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Theater Bonn
(Homepage)

Wassergeisterwelten für ausdauernde Familien

Von Stefan Schmöe / Fotos von Thilo Beu


"Nixe verliebt sich in Menschenprinzen, verlässt durch einen Zauber das Wasser um den Preis, an Land stumm zu bleiben, und wird deshalb vom Prinzen verstoßen und reißt diesen darauf hin mit ins Wasser." Die Handlung von Rusalka ist an sich schnell erzählt, ein Märchen halt, und deshalb vermeintlich kindgerecht. Das Theater Bonn kündigt die Produktion auch als „große Familienoper im Märchenland“ an. Durchhaltevermögen muss die Familie allerdings schon mitbringen, denn das Stück dauert deutlich über drei Stunden (mit zwei Pausen) – und da liegt auch das Problem: Eine Inszenierung, die allein auf den Märchencharakter aus ist, kann den Spannungsbogen über die lange Distanz kaum aufrecht erhalten.


Foto kommt später

Rusalka und Wassermann

Regisseur Mark Daniel Hirsch und Bühnenbildner Helmut Stürmer haben dieses Problem durchaus erkannt. Sie versuchen, eine übergroße Naivität zu vermeiden, eher in die Welt der Kunstmärchen einzutauchen, mit Assoziationen an den Jugendstil und die Entstehungszeit der Oper (Uraufführung im Jahr 1900) den Blick zu weiten oder mit großflächigen Projektionen in Richtung Psychoanalyse zu lenken, wenn auch ziemlich halbherzig. Auf der anderen Seite wird ordentlicher Bühnenzauber aufgeboten, den man zwar dramaturgisch nicht unbedingt braucht, der aber familientaugliche Unterhaltung bietet: Wenn sich Rusalka der Hexe Jezibaba anvertraut, dann fährt ein gläsernes Hexenhaus in Raum und öffnet die Fenster, als wolle es mit Flügeln schlagen, dann zischt und dampft und blitzt es nur so um die Wette. Überhaupt ist die Hexe eine richtige Märchenhexe und der gutmütige Wassermann ein schon übertrieben artgerechter Wassermann mit Zottelbart (die Kostüme von Dieter Hauber und Karin Stephany schießen in ihrer demonstrativen Märchenhaftigkeit doch ein wenig über das Ziel hinaus), die Festgesellschaft des zweiten Akts in Phantasiekostümen scheint einem Jahrmarkt der Entstehungszeit des Werkes entsprungen, nur der Prinz sieht arg wenig nach Prinz aus, sondern eher nach Soldat der K.u.K.-Monarchie (wobei Tenor George Oniani eigentlich wie immer nach vor allem nach George Oniani aussieht, etwas ungelenk, aber stimmlich überzeugend mit standfestem und höhensicherem, nicht unangenehmen Tenor, der nur im Finale bei den leisen Tönen etwas wacklig wird).


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Festgesellschaft am Hof des Prinzen mit vergoldeter Wassermann-Statue, davor Rusalka

Der eigentliche Clou ist sicher der Bühnenraum selbst, eigentlich nicht viel mehr als ein rechteckig eingegrenzter Raum, auf dessen Wände ein Wald mit Jugendstil-Anklängen projiziert wird – das aber so raffiniert und so geschickt ausgeleuchtet, dass der Eindruck eines Unterwasser-Waldes oder der Blick aus dem Wasser heraus suggeriert wird, aber immer in einem phantastischen Schwebezustand, bei dem nie ganz klar ist, was man eigentlich sieht (vielleicht doch einen Innenraum – oder einen geträumten Raum?) Diese atmosphärische Verdichtung ist die große Stärke der Inszenierung. Ein wenig kunstgewerblich mag es aussehen, aber das wird man einer Familienoper zugestehen. Problematischer ist die doch sehr unbestimmte Personenregie, die bei einem Verzicht auf eine weiter gehende Ausdeutung des Stoffes doch zumindest die großen Gefühle zum Ausdruck bringen sollte, hier aber sehr pauschal bleibt


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Die fremde Fürstin, Prinz und Rusalka

Die ziemlich konventionelle Dauerleidensmiene der Rusalka müsste Sängerin Irina Oknina musikalisch stärker beglaubigen, doch ihre Qualitäten liegen eher im jugendlich-dramatischen Zugriff (mit nicht allzu großer Stimme) als in wirklich überzeugenden Lyrismen – dazu fehlt es in der mittleren und tiefen Lage an Substanz, auch mischt sich da eine unangenehme Schärfe bei. Zudem neigt sie in den lyrischen Passagen wie dem „Lied an den Mond“ zu arg kurzgliedriger Phrasierung. Der ganz reine Wohlklang, den die Inszenierung suggeriert, ist das nicht. Überzeugender sind die höher gelegenen und dramatischeren Passagen (die aber kaum Widerhall in der Regie finden). Leichter hat es da Daniela Denschlag, die als Hexe Jezibaba bühnenwirksamere Auftritte bekommt und überzeugend die Mischung zwischen dramatisch zupackendem Tonfall und lyrischer Grundierung findet.


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Prinz und Rusalka im tödlichen Finale

Renatus Mészár ist ein zunächst etwas grobschlächtiger Wassermann, der sich aber steigert und im zweiten Akt mit nicht unbedingt sonorem, aber doch präzise geführtem Bass die Partie anrührend und glaubwürdig gestaltet. Anjara I. Bartz gibt eine präsente, wenn auch musikalisch nicht sehr genau charakterisierte fremde Fürstin. Die attraktiven Waldnymphen (Vardeni Davidian, Kathrin Leidig und Lisa Wedekind), drei späte Nachfahrinnen von Wagners Rheintöchtern, zeigen nicht nur viel Bein, sondern singen auch noch berückend schön. Förster (Boris Beletskiy), Küchenjungen (Susanne Blattert) und Jäger (Giorgios Kanaris) hat man sicher schon profilierter gehört, aber solide sind die Leistungen allemal. Die Regie stilisiert sie zu holzschnittartigen Märchenfiguren. Warum ein stummer Kater (Stefanie Ostheimer) durch das Geschehen schleicht, erschließt sich kaum – wie auch so manche andere Andeutung, was die Märchenhaftigkeit durchbricht (was an sich nicht schlecht ist). Etwas mehr Akzente, die über die Märchenwelt hinausgingen, täten der Regie insgesamt gut.

Natürlich gibt eine ruhige, dem lyrischen Charakter der Musik angemessene Personenführung der Musik den nötigen Freiraum. Den nutzt vor allem das - in allen drei Akten nach kurzer Anlaufphase - vorzügliche Orchester, das unter der Leitung des tschechischen Dirigenten Jaroslav Kyzlink ganz hervorragend den Tonfall von Dvoraks Musik in ihren unterschiedlichen Facetten trifft. Kyzlink, schon im zweiten und dritten Aufzug mit Ovationen begrüßt, lässt die Musik hier nach Wagner, dort nach Debussy, oft nach tschechischer Volksmusik klingen, fügt die Elemente aber schlüssig zusammen. "Singende", zupackende Holzbläser, im besten Sinne "musikantische" Streicher, zurückhaltendes, an den entscheidenden Stellen glanzvolles Blech - das gehört sicher zum besten, was in Bonn in der letzten Zeit zu hören war.


FAZIT

Starker Dirigent und tolles Orchester, ordentliche Gesangsleistungen – musikalisch kann sich diese Rusalka hören lassen. Als märchenhaftes Familienstück inszeniert punktet die Produktion mit ein paar starken Bildern, hat durch die allzu konventionelle Personenregie angesichts der langen Spieldauer aber auch Durststrecken.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Jaroslav Kyzlink

Inszenierung
Mark Daniel Hirsch

Bühne
Helmut Stürmer

Kostüme
Dieter Hauber

Licht
Max Karbe

Choreinstudierung
Ulrich Zippelius

Dramaturgie
Michaela Angelopoulos


Chor des Theater Bonn

Statisterie
des Theater Bonn


Beethoven Orchester Bonn


Solisten

* Besetzung der Premiere

Rusalka
Ingeborg Greiner /
* Irina Oknina

Prinz
* George Oniani /
Mirko Roschkowski

Fremde Fürstin
Anjara I. Bartz

Wassermann
Ramaz Chikviladze /
* Renatus Mészár

Hexe
Daniela Denschlag

Förster
Boris Beletzky

Küchenjunge
Susanne Blattert

1. Waldnymphe
Vardeni Davidian

2. Waldnymphe
Kathrin Leidig

3. Waldnymphe
Lisa Wedekind



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Da capo al Fine

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