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Abschiede
Von Joachim Lange / Fotos: Barbara Aumüller im Auftrag der DEUTSCHEN OPER BERLIN Diese Berliner Liebe der Danae ist gleich in zweifacher Hinsicht ein Werk des Abschieds. Es gehört zu jenen späten Opern von Richard Strauss, mit denen er sich einerseits seiner Mittel souverän resümierend und altersmilde bediente, zugleich aber auch den kulturpolitischen Anforderungen der braunen Machthaber auswich. Nicht bis in die Auflehnung soweit ging der zeitweilige Präsident der Reichsmusikkammer nicht, aber eine Durchhaltekomposition für den totalen Krieg der Nazis ist diese Heitere Mythologie auch nicht. In Anwesenheit von Richard Strauss erlebte sie am 16. 8. 1944 eine halböffentliche Generalprobe bei den Salzburger Festspielen unter Clemens Krauss und erst zu den Festspielen von 1952 ihre posthume Uraufführung. Es folgten inklusive der beiden Inszenierungen von Kirsten Harms (2001 in Kiel und jetzt in Berlin) gerade mal 18 Inszenierungen und nur fünf konzertante Aufführungen. Für ein Stück des sonst so erfolgreichen Komponisten Richard Strauss ist das eine ziemlich magere Bilanz. Die liegt natürlich, trotz all der im Nachhinein immer wieder konstatierten Altmeisterlichkeit, auch in der Komposition selbst begründet. Die wirkt nämlich wie ein Endlosschwelgen, ein Berauschen an der eigenen Opulenz, eine Daueraufregung, der der rechte musikalisch dramatische Fortschritt fehlt, die eben doch nur ein ziemlich ferner Nachhall der Meisterwerke ist, dem obendrein nach einem furiosen Auftakt gegen Ende hin ziemlich die Luft ausgeht. Selbst ein mit Strauss so gut vertrautes Orchester wie das der Deutschen Oper müsste dabei obendrein durch vokal wirklich restlos überzeugende Spitzen-Interpreten ergänzt werden, um Die Liebe der Danae wenigsten als Delikatesse für die Strauss-Gemeinde zu legitimieren.
Pleite bei König Pollux (Danae und Pollux) Gerade in dieser Hinsicht überzeugt die neue Produktion der Deutschen Oper Berlin nicht voll. Mark Delaven ist ein allzu ungefährer und mitunter allzu fahler Jupiter, auch die Danae von Manuela Uhl bleibt in einer zu undeutlichen stimmlichen Dauererregung befangen, hat aber mit Matthias Kling als Midas einen beweglichen, auch zu strahlender Eloquenz fähigen Bühnenpartner. Erfreulich markant und profiliert hingegen machen Hila Fahima, Martina Welschenbach, Julia Benzinger und Katarina Bradiæ aus den Ex-Geliebten Jupiters, Semele, Europa, Alkmene und Leda, markante Rollenporträts. Auch Thomas Blondelle als clownesker Jupitergehilfe Merkur und Hulkar Sabirova als Xanthe gehören auf die Habenseite des Abends. Dennoch waren die Übertitel wohl lange nicht so unentbehrlich wie bei dieser Produktion. Dass Die Liebe der Danae mit ihrer Geschichte beinahe in der Rubrik der Ausgrabungen anzusiedeln ist, passt wiederum zu der Programmatik von Kirsten Harms, die ja während ihrer Intendanz immer wieder bewusst auf große und vergessene Opern abseits der Repertoire-Mainstreams setzte, ob nun mit Franchettis Germania oder Gnecchis Cassandra in Kombination mit Strauss' Elektra.
Midas und Danae Liebe auf den ersten Blick Die Liebe der Danae ist aber auch für Kirsten Harms ganz persönlich ein Werk des Abschieds. Ihre Entscheidung, sich als regieführende Intendantin mit diesem Werk von ihrem Publikum zu verabschieden, mag auch einen biographischen Grund haben. Dass Harms als Nachfolgerin für den eher glücklos agierenden Götz Friedrich-Nachfolger Udo Zimmermann als Intendantin an das - damals mit ziemlicher Schlagseite vor sich hin dümpelnde - größte Berliner Opernhaus berufen wurde, hatte auch mit der Begeisterung der Kritik für ihre Kieler Arbeiten zu tun. Wenn jetzt manche von den damals Begeisterten ziemlich verhalten auf die Neuauflage reagierten, dann mag das auch daran liegen, dass es selten gelingt einen einmal als genial empfundenen szenischen Wurf in der Wiederholung zu übertreffen. Ein Meister seines Faches wie Harry Kupfer liefert dafür die Lehrbeispiele.
Auf den Trümmern einer Welt in der Mitte Merkur Dass Kirsten Harms zwar die Position der Deutschen Oper mit einer gewissen Ausdauer und Beharrlichkeit stabilisieren, aber dem politisch etablierten Vorrang von Daniel Barenboims Lindenoper und Staatskapelle nicht Paroli bieten konnte, ja in den Auseinandersetzungen darum sogar ihren künstlerischen Trumpf Christian Thielemann einbüßte, ist dann eben gerade bei so diffizilen Herausforderungen wie einer Danae auch nicht zu überhören. Andrew Litton bleibt am Pult des ja gut mit Strauss vertrauten Orchesters der Deutschen Oper doch deutlich von jener Transparenz in all der aufrauschenden Opulenz entfernt, die die anspielungsreiche Musik erst zu einem echten Vergnügen machen würde.
Jupiter und seine Ex-Geliebten Semele, Europa, Alkmene und Leda Für den Staatsbankrott im Reiche von Danaes Vater Pollux (etwas aufgescheucht, aber solide: Burkhard Ulrich) hat Bernd Damovsky einen Rahmen irgendwo zwischen Museum und Palast gebaut, in dem eine aufgebrachte Gläubigerschar alles zusammenrafft, was nicht sie greifen und wegschleppen kann. Der Konzertflügel wird als Menetekel dieser Pleite von da an kopfüber von der Decke hängen. Von dort kommt auch der zu Notenblättern mutierte Goldregen, mit dem Jupiter als falscher Midas Danae für sich gewinnen will. Doch die verliebt sich in den richtigen Midas, den er vorgeschickt hatte und bleibt auch dabei, als Jupiter seine verletzte männliche Ehre in einen göttlichen Wutanfall ummünzt und Midas und Danae nur noch über die zu Bruch gegangene Herrlichkeit von ehedem herum irren können.
Die Liebe der Danae herauszubringen passt an der Deutschen Oper durchaus als Ergänzung zum Strauss-Repertoire des Hauses. Leider erreicht es nicht ganz den musikalischen und auch szenischen Standard, der aus diesem Spätwerk ein ungetrübtes Vergnügen machen könnte. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Lichtdesign
Dramaturgie
Chöre
Solisten
Jupiter
Merkur
Pollux
Danae
Xanthe
Midas
Vier Könige
Semele
Europa
Alkmene
Leda
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