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Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
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Menschen im Hotel
Ort des Geschehens ist ein Wellness-Hotel. Nemorino ist hier für's Putzen zuständig, Adina der Stargast, und der Quacksalber Dulcamara dreht den Gästen allerlei Elixiere gegen Falten an. Das soziale Gefälle ist also klar vorgegeben, könnte also zum Antrieb der Komödie werden wenn Regisseur Volker Schmalöer in seiner bereits 2008 am Staatstheater Kassel gezeigten Inszenierung nicht schnell die Lust an der Geschichte verlieren würde. Vor allem soll das vermutlich irgendwie lustig sein (was es aber nicht wirklich ist) oder modern wirken (was es nicht tut, weil die Regie ansonsten ziemlich konventionell bleibt). Ziemlich hilflos steht Schmalöer dem Sergeanten Belcore und dessen Soldatentrupp gegenüber, die in Kampfuniform in den klinisch weißen Raum robben. Man muss dem Regisseur zugestehen, dass im Frühjahr 2008, weit vor der heißen Phase der Diskussion über den Afghanistan-Einsatz, die Szene sicher weniger peinlich berührt als heute (von besonderer Sensibilität, die man sich von einer Kunstform wie Theater eigentlich erhoffen dürfte, zeugt sie trotzdem nicht). Die Szene und überhaupt der Umgang mit der Figur des Belcore, Nemorinos schneidigem (hier aber sehr nebensächlich behandelten) Widersacher, deuten aber auch an, dass hier kein übermäßig durchdachtes Konzept vorliegt. Als belangloses Lustspiel wird die Oper unter ihrem Wert gehandelt.
Adina vergnügt sich mit Belcore, Reinigungsfachkraft Nemorino hat (noch) das Nachsehen
Zum Glück ist der oft unterschätzte, aber derzeit häufig gespielte Liebestrank einigermaßen resistent gegen schwache Regiekonzepte, wenn wie hier in Wuppertal ein engagiertes und spielfreudiges Ensemble zur Verfügung steht, und immerhin versteht es Schmalöer, die Personen geschickt auf der Bühne (Daniel Roskamp) - eine in Stufen ansteigende weiße Fläche, über die ein überdimensionaler Spiegel gehängt ist, entwickelt durchaus Wirkung zu arrangieren. Und Elena Fink trumpft als Adina großartig auf, beherrscht nicht nur ihrer attraktiven Erscheinung wegen souverän das Geschehen, mit großer Bühnenpräsenz und viel Gespür für den Moment. Die silbrig-helle, nicht immer frei schwingende Stimme ist zwar nicht so rund, wie man sich das für eine Belcanto-Partie wie diese wünschen würde, aber die Partie ist zupackend und auf den Punkt genau gesungen.
Stargast im Wellness-Hotel: Adina Edgardo Zayas singt die Partie des Nemorino sauber aus, verfügt abet über eine nur kleine und enge Tenorstimme das passt immerhin zu der Figur, die dadurch noch stärker als underdog erscheint. Wenig belcantistischen Glanz versprüht auch Miljan Milovic als sehr geradeaus singender Belcore, zudem sehr ungenau im Tempo und dadurch oft etwas später fertig als Orchester und Dirigent. Dariusz Machej legt den Dulcamara als Buffo-Figur fast durchweg im Parlando an, was vielleicht auch Probleme in der Höhe überspielen soll ein wenig sorgfältiger und weniger atemlos dürfte die Partie schon ausgesungen sein -, überzeugt aber durch große Souveränität und Spielwitz (leider verschenkt die Regie seinen ersten Auftritt). Ja-Young Park ist eine Giannetta mit heller, hübscher Stimme. Als Hotelmanagerin treibt sie mit kluger Intrige Adina in Nemorinos Arme, um selbst an Belcore heranzukommen, was die Komödie irgendwie zum guten Ende bringt.
Adina und Dulcamara Oliver Stapel legt mit dem gut disponierten Sinfonieorchester flotte Tempi vor und begleitet das Sängerensemble solide. Prächtig im Klang singen Chor und Extrachor der Wuppertaler Bühnen (Einstudierung: Jens Bingert und Jaume Miranda). Viel zu oft aber laufen Chor und Orchester auseinander fast drei Monate nach der Premiere sollten solche Probleme, denkt man, behoben sein, zumal der Liebestrank wohl kaum ein exorbitant schwer zu singendes Stück für den Chor ist. Allen Beteiligten ist aber großes Lob dafür auszusprechen, dass in dieser Sylvester-Nachmittagsvorstellung nie der Eindruck aufkommt, hier schone sich jemand für die am gleichen Tag ja auch noch (in fast identischer Besetzung) zu spielende Aufführung am Abend.
Die oberflächliche Inszenierung tut nicht weh, wird dem Werk aber kaum gerecht. Musikalisch mit Licht und Schatten. Ihre Meinung Schreiben Sie uns einen Leserbrief (Veröffentlichung vorbehalten) |
Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
szenische Einstudierung
Bühne
Kostüme
Choreinstudierung
Dramaturgie
Solisten* Besetzung der rezensierten Aufführung
Adina
Nemorino
Belcore
Dulcamara
Giannetta
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- Fine -