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Alkestis (Alceste)

„Leipziger Fassung“
unter Verwendung der Wiener Fassung von 1767
(Text von Rainieri de' Calzabigi)
und der Pariser Fassung von 1776
(Text von Le Blanc du Roullet)
neue deutsche Textstellen von Werner Hintze (2009)
Musik von Christoph Willibald Gluck


In italienischer und deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 45' (eine Pause)

Premiere am 17. April 2010


Homepage

Oper Leipzig
(Homepage)
Wetten, dass..?

Von Joachim Lange / Fotos von Andreas H. Birkigt


Endlich war es so weit. Keine aufgemöbelten Inszenierungsschmuckstücke von anderswo, sondern eine echte Neuinszenierung des Chefregisseurs fürs eigene Haus! Christoph Willibald Glucks Alkestis war jetzt natürlich wegen Peter Konwitschny von vorn herein ein (Medien-)Ereignis. Der hat obendrein mit einer eigenen Mischfassung der Wiener (1767) und der Pariser (1776) Version dieser Reformoper über die liebende Ehefrau, die an Stelle ihres Mannes in den Tod geht, aber von Herkules zurückgeholt wird, zugleich der Auftakt für einen Gluck-Ring geliefert. Damit wird dann auch Richard Wagners Geburtsstadt 2013 einen eigenen Ring haben, wenn auch nicht den der Nibelungen. Alkestis, die beiden Iphigenien und Armida, also die vier starken Frauengestalten Glucks, aus einer Hand auf die Bühne zu bringen, ist jenes ambitionierte Groß-Projekt, das den Regisseur schon seit Jahren bewegt und für das er anderswo schon mehrfach einen Anlauf unternommen hatte.


Vergrößerung in neuem Fenster Rituale mit Opferlamm am Opferstein

So ganz reibungslos ging es auch jetzt in Leipzig nicht. Im Graben stand mit George Petrou der kurzfristig eingesprungene Vertreter des Vertreters des krankheitshalber ausgefallenen Paolo Carigiani. Und dafür hat er seine Sache mit dem Gewandhausorchester respektabel gemacht. Auch wenn dieses Orchester unüberhörbar kein Spezialensemble und die Vorklassik nicht gerade seine Spezialstrecke ist, gehörte der Orchesterklang mit seinem poetischen Drive, neben dem Chor, schon jetzt zu den Stärken der Produktion. Wobei Chiara Angella als Alkestis wohlklingend leidet, aber die Überzeugungskraft beim emotionalen Aufruhr schuldig bleibt, und Yves Saelens über einen soliden Admetos nicht hinauskommt.


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Alkestis am Eingang zur Unterwelt

Szenisch bot Peter Konwitschny in den ersten beiden Akten jede Menge trauerndes Volk. Erst über den sterbenden König Admetos, dann über Alkestis. Nebst lebendem Opferlamm und gemeucheltem Dolly-Double. Mit der reichlichen Kinderschaar wird das zur chorbewegten bukolischen Idylle auf der abgesenkten, fast leeren Bühne von Jörg Kossdorff. Archaik mit Opfermesser am Pappfelsen. Die langsam und unverdrossen von rechts nach links ziehenden, meist dunkel dräuenden Wolken im Hintergrund dürften für die renommierte Videotruppe fettFilm eher eine Unterforderung gewesen sein. Trotz allen Händeringens und aktivierter Hebe- und Drehbühne, nebst Dampfschwaden aus der Unterwelt, wird diese Art Erzählung mit dem Strom der Geschichte alsbald zu einer Geduldsprobe fürs Publikum. Wobei naiv wirkendes Nacherzählen in pseudoarchaischen Kostümen (Michaela Mayer-Michnay) mit mediterraner Motorik der Akteure bei einem Peter Konwitschny ja immerhin den Subversionsversdacht auf seiner Seite hat. Wetten, dass da noch was kommt ? So die Pausenhoffnung.


Vergrößerung in neuem Fenster Auftritt Herkules: Der Retter und Superheld

Es kam dann gleich so eine Art „Wetten, dass…“. Ein Herkules (Ryan McKinny) im Comic-Format mit nackter Männerbrust und Thomas Gottschalks Goldlocken, mischte tatsächlich die Idylle auf. Ließ die Steinzeitkeule mit eingebautem Mikrophon kreisen und verfrachtete das Ganze in ein Studio von „Hercool TV“. Wobei sein grimmig aus dem Anzug und durch die Hornbrille dreinblickender Chef (Apollo heißt er hier) seinen Senf aus der Loge dazu gibt. Jedenfalls wird damit alles, was es zwischen den Eheleuten Admetos und Alkestis am Rande des Todes über gegenseitige Opferbereitschaft zu sagen gibt, zum Beziehungsknatsch fürs Blödel TV geschrumpft. Mit seinen Applaus-Schildern, den Textvorgaben fürs Publikum und dem tränenreichen Happyend. Die wiedervereinte Familie wird denn auch in Frischhaltefolie gewickelt.


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Konserviertes Familienglück, exklusiv bei HerCoolTV

Damit blendet Konwitschny den archaischen Grundkonflikt in die mediale Oberflächlichkeit von heute, konstatiert den Umgang damit, lässt dessen mögliche Sprengkraft für die Gegenwart aber doch eher offen. Die hereingefahrenen Zelte mit ihren Aulis_Fähnchen sind dann der eingebaute Programmtipp für die Fortsetzung: Schalten Sie nicht weg. Bleiben Sie dran. Was ja immer irgendwie auch einen drohenden Unterton hat. Am Ende war der erleichterte, einhellige Beifall deutlich größer als zur Pause.


FAZIT

In Leipzig beginnt ein interessantes Gluckprojekt. Der Auftakt jedoch überzeugte musikalisch nur bedingt und war szenisch eher enttäuschend.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
George Petrou

Regie
Peter Konwitschny

Bühne
Jörg Kossdorff

Kostüme
Michaela Mayer-Michnay

Choreinstudierung
Sören Eckhoff

Kinderchor
Spophie Bauer

Choreographie
Mirko Mahr

Video
Video: fettFilm
(Momme Hinrichs /
Torge Moller)

Dramaturgie
Bettina Bartz



Damen des Balletts der Oper Leipzig

Chor und Kinderchor der Oper Leipzig

Gewandhausorchester Leipzig



Solisten

Alkestis
Chiara Angella

Admetos
Yves Saelens

Evandros
Norman Reinhardt

Ismene
Viktorija Kaminskaite

Oberpriester Apollos
Jürgen Kurth

Herkules
Ryan McKinny

Apollo
Tomas Möwes



Weitere
Informationen

erhalten Sie von der
Oper Leipzig
(Homepage)



Da capo al Fine

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